Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1918-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. Seite 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1918
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1918-02-01
Page
Seite 27 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/4864325-6029095-6074413--2324-4866415
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

i, aber mäc \> geben, aber mächtiger als unser Herzensbedürfnis war der Wille des Entschlafenen. Wie er im Leben jede persönliche Ehrung mit unvergleichlicher Seelenkeuschheit abgewehrt hat, so sollte es auch nach seinem Heimgange gehalten werden. Geräuschlos, wie er seines Weges gegangen ist, wollte er auch von hinnen gehen. Als er das Ende seiner Tage nahen fühlte, traf er die Bestimmung, daß seine Beisetzung in aller Stille erfolgen, von einer öffentlichen Trauerkundgebung abgesehen und nur in der Deutschen Reichs-Loge eine dem Ritual entsprechende Gedenkfeier stattfinden solle. Und weiter bat er inständig, daß sein Name weder mit irgend ^iner Loge noch einer Institution derselben oder dejr Oroßloge verbunden werde. Diese, wie nicht zu1 bezweifeln ist, wohlerwogenen Weisungen, deren Beweggründen nachzugehen uns nicht geziemt, jnußterf die Richtschnur unseres Handelns bilden. Dementsprechend haben nur die nächsten Angehörigen, mit ihrem Einverständnis auch der geschäftsführende Ausschuß der Großloge und einige Freunde, dem teuren Verklärten das letzte Geleit (gegeben. Auf besonderen Wunsch der Familie Habe ich an seiner Bahre einen kurzen Nachruf gehalten, der seine Wesensart in großen Zügen behandelte und der Dankbarkeit seiner Freunde Ausdruck verlieh.' Die Trauerfeier der Deutschen Reichs-Loge fand in den vorgeschriebenen Formen statt und war eine weihevolle tiefergreifende Kundgebung der Anhänglichkeit und Liebe für den Verstorbenen. So bleibt der Großloge nur übrig, in diesen Blättern, die er jahrzehntelang mit unermüdlichem Fleiß und kluger Umsicht geleitet hat, und die gar viel Spuren seines Oeistes tragen, ein Denkmal seines Wirkens iind Wesens aufzurichten, das sein Gedächtnis dauernd festhalten soll. „wie hoch und hehr im Kulturleben der Menschheit Kunst, Wissenschaft, Reichtum und Besitz dastehen, es gibt dennoch etwas, was diese Mächte überragt, das ist das Ethische und Ideale, das Wehen und Weben heiliger Ideale im Leben der Menschen" — diese aus tiefster Ueberzeugung entströmten Worte unseres Freundes geben uns den Schlüssel zur Würdigung und Wertung seiner Persönlichkeit Im Sinne dieser geläuterten und hohen Lebensanschauung erzieherisch zu wirken, war der Zweck der gewaltigen Lebensarbeit, die der Verklärte im Dienste unseres Orders verrichtet hat Für sie hat er seine ganze Kraft seine reichen Fähigkeiten und Kenntnisse eingesetzt und wir dürfen deshalb von ihm mit besserem Rechte als von«einem anderen sagen, daß er unser war in all' seinem Denken und Trachten* seinem Wollen und Wirken. / 1' . j In der Vollkraft seines Lebens begann er für unseren Orden zu schaffen, und diese Arbeit' hat er nicht früher niedergelegt, bis die Schatten des Todes seinen Geist verdunkelten. Anders als die große Mehrzahl der Menschen, die nach des Tages Last und Mühen in Geselligkeit, Zerstreuung oder in sonstigen Lebensgenüssen Erholung suchen, schöpfte der Verstorbene nur aus dem Quell philanthropischer Arbeit Lebensfreude und seelische Befriedigung. Wie Antäus durch die Berührung mit der Erde, so gewann unser Freund aus dem fortwährenden Kontakt mit dem großen' Problem der Versittlichung der Menschheit immer neue Kraft unp Stärke. Nicht nur in Mußestunden, ganz besonders" in der Stille der Nächte, gab er-sich der humanitären Arbeit hin und selbst auf 'Reisen, die er zur Pflege seiner Gesundheit unternahm, gönnte er sich keine Ruhepause darin. Die Beschäftigung mit diesen Dingen war ihm eben, wie wir oft aus seinem Munde gehört haben, immer eine Lust und Freude, förmlich ein Jungbrunnen, in dem sich Korper und Geist so kräftigten und stählten, daß er die Beschwerden des Alters niemals gespürt hat Mit tiefer Bewegung lesen wir in dem Nachwort seiner „Reden und Abhandlungen", daß er .dem Orden so manchen geistigen Genuß, so manche hochgestimmte Stunde, so manche reine Gemütsanregung, so manche treue Freundschaft und so manche wertvolle Anerkennung verdanke, so daß ihm de r Orden zu einem idealen Lebenselement geworden ist — wahrlich ein Bekenntnis, das uns mit Stolz und Trost erfüllen darf. Bald n(ach der Verpflanzung des Ordensin unser Vaterland trat Maretzki in die Deutsche Reichs-Loge ein, und schon zwei Jahre darauf wurde ihm das Amt des Präsidenten anvertraut, das er in späterer Zeit noch dreimal verwaltet hat Am 3(). Januar 1887 wurde er zum Großpräsidenten erwählt. In dieser höchsten Würdenstellung verblieb er bis 1898. In der außerordentlichen Tagung dieses Jahres legte er sein Amt nieder.- Von 1006 bis 1911 war er Vizepräsident der Großloge, und auch während er nicht im Präsidium der Großloge saß und bis in die jüngste Zeit hinein gehörte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.