Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1918
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1918-02-01
- Page
- Seite 23 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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M. in die D. R. L durch den Präsidenten Hugo Sachs eingeführt, und vor meinem geistigen Auge steht noch dieser Vorgang und der'Eindruck; den wir alle damals gleich gewonnen, daß hier eine Persönlichkeit von Bedeutung in unseren Kreis getreten sei. Das kam auch bald dadurch zum Ausdruck, daß M. nach kaum einem halben Jahr, am 27. Dezember 84, protokollierender Sekretär wurde und im Januar 85 schon als Delegierter der D. R. L. zur Installation der Lessing-Loge nach Breslau deputiert wurde. Am 2. Mai 85 wird M. Vizepräsident und schon nach weiteren zwei Monaten, am 4. Juli 85 Präsident der Loge. Im Jahre 03 und dann wieder 1908 hat er von Neuem die würde und Bürde des Präsidiums übernommen, wahrlich nicht aus Ehrgeiz,' sondern um seiner Loge zu helfen. Die Jahre seines Präsidiums'waren Höhepunkte in der Geschichte der D. R. L. Seine vorbildliche Geschäftsführung, seine vornehmen Formen, sein versöhnliches liebevolles Wesen, gepaart mit zielbewufttem^ energischem Vorgehen, machten ihn so recht zum Führer der Loge geeignet, und besonders in dem ersten Jahre seines Präsidiums, wo es noch Irrungen und Wirrungen jn großer Zahl gab, ist es ihm, wie keinem, gehihgen, die Oegensätze zu überbrücken und die Brüder wieder einander näher zu bringen. In der inneren Konsolidation hat er die Hauptaufgabe seines Präsidiums gesehen und die Bruderliebe und die sozialen Aufgaben hat er stets in den Vordergrund seiner Betrachtungen und Bestrebungen gestellt. Er war stolz auf seine D. R. L wie wir auf ihn, er hat uns ermahnt, daß wir uns äußerlich und innerlich stets bewußt bleiben sollen, daß "die D. R. L. die Mutter des Ordens in Deutschland ist, und daß für uns der Wahlspruch gelten müsse: „Noblesse oblige", daß wir uns unserer besonderen. Pflichten bewußt seinmüßten und sie in vollkommener und würdiger Weise zu erfüllen haben. Das Verhältnis zu seiner DR. L war. aufgebaut auf gegenseitige Achtung und Liebe. Ja! er war ganz unser, mit allen Fasern seines reichen Herzens hing er an seiner Loge, und ich bin so vermessen zu behaupten, daß keine Tätigkeit ihm so lieb war, keine Organisation ihm so am Herzen lag, wie die D. R. L. Der vielseitig beruflich und im Dienste der Allgemeinheit beschäftigte Meister hatte immer Zeit für seine Loge, immer Zeit für jeden einzelnen Bruder. Bei allen strittigen Fragen und Debatten war es für uns ausschlaggebend, wie Maretzki sich dazu stellte; trat er dafür ein, dann tat es auch die Loge, nicht aus blindem Gehorsam, sondern weil er zu überzeugen verstand. Denn für ihn galt, was er in seiner Gedächtnisrede auf Joachim gesagt hat: 1 „Belehren wollte er, überzeugen, nicht durchsetzen." . i " ' . Wunderbar war die Summe von Arbeit, die M. geleistet, und als ich ihn einst fragte: „Wie ist es möglich, daß Sie das alles bewältigen?" hat er mir geantwortet; - < „Lieber Bruder, ich nehme die Nacht zur Hilfe, das ist mir die liebste Arbeitszeit" Ein anderer wäre ausgefüllt von einer der vielen Aufgaben, die sich Maretzki gestellt: Am meisten lag ihm die Betätigung, auf sozialem Gebiet am Herzen, und wenn der Orden in Deutschland das soziale Gewissen der deutschen Juden f r- * I >' genannt wird, so verdankt er diesen Ehrentitel unserem Maretzki. Sein segensreiches Wirken auf diesem Gebiet ist so überwältigend groß, daß ich im Rahmen dieser Feier keine irgendwie erschöpfende Ausführungen machen kann, doch wird auch dies sicher in den Monatsberichten nachgeholt werden. Lassen sie mich nur erinnern, daß er der Schöpfer des so überaus segensreich wirkenden Arbeitsnachweises der Berliner Logen V.O. B. B. ist der uns zu hohen Ehren gereicht Die von Gustav Ttich, Hamburg, zuerst angeregte Bekämpfung des- Mädchenhandels, dieses traurigen Gewerbes, welches {.von unseren Gegnern ein ausgesprochen jüdisches i genannt wird, war ein besonderes Ruhmesblatt im Wirken Maretzkis. Ich erinnere an seinen Besuch des Londoner Kongresses, Juni 1913, und seinen Bericht darüber in unseren Monatsblättern. Seit 1.898 beschäftigte sich Maretzki mit dem galizischen Hilfswerk und viele Jahre ist er Vorkämpfer für die Bestrebungen gewesen, die dann in dem Hilfsverein der deutschen Juden und in dem Wiener Hilfsverein für Galizien ihren Ausdruck finden. Er hat die Verhältnisse in Galizien persönlich bei seiner Anwesenheit dort im Jahre 1900 studiert und seine Eindrücke in einem hoch bedeutsamen Referat niedergeschrieben. Die Ferienkolonien haben einen wertvollen Stützpunkt und beredten Fürsprecher stets bei ihm.gefunden. Nach dem Heimgang von Adolph Mayer hat er sich mit großer Wärme und Erfolg der