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Bericht der Großloge für Deutschland · 1917-01-01 · Nr. 9 - Oktober/November · p. Seite 22

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1917
Issue
Nr. 9 - Oktober/November
Article
Beilage zu Nr. 9
Date
1917-01-01
Page
Seite 22 (sequence 14)
Language
German
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und Müdewerden j der alten bewährten Führer, auf den Mangel an Nachwuchs. Es kann nicht erwartet werden, daß alle Anregung und Anleitung einzig und allein »von der Großloge in die Logen getragen werden. Die. Logen des deutschen Distriktes werden sich niemals ein derartiges Armutszeugnis ausstellen lassen. : Auch Br. Ollendorff in seinem heutigen gedankenreichen Vortrage, der die Tagung und die Logen noch eingehend beschäftigen wird, tritt für eine weitgehende geistige Selbständigkeit der. Logen ein. Er weist mit Recht auf den Reichtum der mit Händen zu greifenden geistigen Materialien bin, die sich den Logen u m so mannigfaltiger darbieten, als die Großloge niemals eine allzu engherzige Anwendung der Abgrenzung religiöser und politischer Debatten dekretiert hat Der geistige Sonderausschuß der Großloge hat s. Zt. gegen 100 Vortragstheraen zusammengestellt und hierzu die erforderlichen Literaturnachweise aus- 3gearbeitet. Sind diese Materialien von den Logen benützt worden? . Die Großloge darf sich keineswegs darauf beschränken, Verwaltungskörper zu sein, sondern hat unter allen Umständen Initiativen zu ergreifen und wegeweisend zu wirken. Die Großloge kann letzten Endes jedoch nur Brennpunkt und Sammelpunkt des gesamten Lebens und Webens, des geistigen und sozialen Schaffens und Wirkens der Einzellogen sein. Nur aus der Wechselwirkung der Großloge und der Einzellogen kann gedeihliche Ordensarbeit erblühen. Im Verlaufe der Verhandlungen ist noch ein weiterer Punkt von weittragender Bedeutung berührt" worden. Es wurde verschiedentlich kritisiert, daß sich die Logen allzusehr mit Judentum, mit jüdischen Dingen, Interessen und Problemen beschäftigen. Auch Br. Dr. Catzenstein klagte darüber, daß wir allzusehr spezifisch jüdischen Arbeiten obliegen, und daß dies den geistigen Interessen der Brüder nicht genüge. Wir hätten uns zu' höheren Menschen emporzubilden T und uns nicht nur mit rein jüdischen Dingen abzugeben. Auch die Rücksicht auf die Jugend, die wir von den Schlachtfeldern zurückerwarten, gebiete, daß wir uns nicht allzusehr in ein geistiges Ghetto isolierten, das sich ausschließlich mit Judentum beschäftigte. I In anderem Zusammenhange fährte demgegenüber 3Jr. Dr. Wolfsdorf in wirkungsvoller Wei$e aus, wie c schwer es 'gerade dem Juden gemacht werde, diejenige Harmonie in sein Leben und Handeln zu bringen die für ein wirklich ideales Leben, wie wir es er streben, wünschenswert sei. Wie oft werde den Juden die Freude an der selbstverständlichen Arbeit fürs Vaterland getrübt, wieviel Erbitterung hätte die jüngste .Judenzählung" und überhaupt das Wiederaufflammen der Judenfeindschaft bei uns hervorrufen müssen Mancher Jude hätte nur die Wahl, am Vaterland oder am Judentum zu verzweifeln. L'm diesem inneren Zwiespalt entgegenzuwirken, müsse die Loge aus gleichend, aufklärend, beruhigend wirken. Es wäre Aufgabe der Logen, das seelische Gleichgewich wieder herzustellen. Was die politische Seite dieses schwerwiegender Problems angeht, so sei auf die Verhandlungen der vorigen Sitzung des Generälkomitees verwiesen. Di« Großloge hat damals den Standpunkt eingenommen daß, so sehr die erneuten judenfeindlichen Strö oranger zu beklagen wären, und so sehr wir alles aufbietet müßten, um ihnen als bewußte Juden und bewußte Deutsche entgegenzutreten, wir dennoch den Antisemitismus nicht etwa mit Antipatriotismus bekämpfen können und wollen. Deshalb wurden alle drastischer i Mittel passiver Resistenz, jede Einschränkung opferwilliger Mitarbeit an vaterländischen Aufgaben au: das entschiedenste verworfen. Das Moralische versteht sich von selbst. Auch der Patriotismus versteh sich von selbst. Wir wollen uns als unverbesserliche trösten, daß der die ganze Wel t oder doch Li ■ zum Teil wc - aufräumen wirc Optimisten mit der Hoffnung Ruck nach links, der durch geht, daß die Demokratisierung beralisierung der Anschauungen nigstens mit den Vorurteilen unter denen wir Juden so schwer zu leiden haber Ein gewisses Maß von Märtyrertum hat übrigens immer noch nicht zum wenigsten dazu beigetrager das Judentum zu erhalten und zusammenzuhalten. Die Loge ist dazu berufen, die Brüder mit geeignetem Rüstzeug gegenüber allen Abgriffen und Vorurteilen zu versehen, ihre Widerstandskraft, ihr jüd sches Bewußtsein zu stählen, sie in der Treue zum Judentum zu befestigen, allem ungewissen, unsichere 1 Wanken und Schwanken einen zusetzen. Der hoch würdige Großpräsident heutigen Bericht ganz besonders darauf hin, wie sehr es mehr denn je gilt, in unseren Logen dem Inneren Halt entgegen weist in seinem — 22 - I

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