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Bericht der Großloge für Deutschland · 1917-01-01 · Nr. 9 - Oktober/November · p. Seite 17

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1917
Issue
Nr. 9 - Oktober/November
Article
Beilage zu Nr. 9
Date
1917-01-01
Page
Seite 17 (sequence 9)
Language
German
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wissen Ueberschwang als das unverwüstliche Recht der Jugend nicht tadeln' dürfen. Glänzend bewährt hat sich die männliche jüdische Jugend im Kampf, und die Zurückgebliebenen haben Dank auch der unermüdlichen Tätigkeit der weiblichen Mitglieder das Erreichte nicht nur bewahrt, sondern auch .durch wertvolle Leistungen vermehrt Getreu den Erwägungen, die uns von Anfang leiteten, erblicken wir in dem Fernbalten des Parteikampfes, in der Wahrung der Neutralität,' die . erste Bedingung für das Gedeihen des Jugendvereinsverbandes,' und wir vertrauen, daß dieser Gedanke stetige Ausbreitung gewinnt. Die vertiefte, ernstere Auffassung unserer Zeit und ihrer Ansprüche, welche die Mehrzahl der Kämpfer aus dem Felde heimbringt, wird sich gewiß in dieser Richtung geltend machen und der Geschlossenheit der Jugendbewegung zugute kommen. Wir hoffen auf diese Jugend als die Fortsetzer und Mehrer unseres Werkes und müssen ihr die tätigste Teilnahme entgegenbringen Die Beamtenräte sollen es sich namentlich angelegen sein lassen, während des Krieges die Jugendvereine in ihrem Bestreben durchzuhalten und zu unterstützen, auf daß die Zurückkehrenden die Grundlagen ihrer so verheißungsvoll entfalteten Organisation unversehrt und zu neuer Arbeit für .das Judentum einladend finden. Im einzelnen wollen wir nicht vergessen, daß es unsere Pflicht als Deutsche ist, in der Wahrung unserer Interessen keinerlei schädlichen Uebertreibungen Raum zu geben ünd keinen Parteistandpunkt da hineinzutragen, wo er nicht begründet werden kann. Niemals sollten wir die Hand dazu bieten, das Gebiet turnerischer und sportlicher Betätigung konfessionell oder gar parteipolitisch zu bebandeln: das friedliche eigene Zusammenleben wie das vaterländische ist schon so vielen Gefahren ausgesetzt, daß wir ohne dringende Not una hier nicht absondern sollten. So abstoßend und entmutigend mancherlei Vorgänge inj uns wirken, wir dürfen nicht müde werden, den Kampf um Gleichberechtigung und gerechte Wertichätzung zu führen und uns an die glücklicherweise auch noch vorhandenen besonnenen vorurteilsfreien Elemente zu wenden. ) Der Kampf um geselchte Wertschätzung und Oleichberechtigung wird durch den Krieg nicht beendet werden, und die Aufklärungs-, Belehrungs urd Abwehrtätigkeit bedarf unablässiger Verbreitung. Ich beziehe mich hier gern auf die ausgezeichneten Ausführungen eines allzu früh , Dahingeschiedenen, des Bit. Baum-Wiesbaden. Was er über Art und Ursache des Vorurteils, über den Einfluß der gemeinsam bestandenem Gefahr, über Fähigkeit und Willen zu objektivem Urteil bei unseren Gegnern, wie bei den nicht minder .gefährlichen Lauen : und Gleichgültigen sagt, ist in höchstem Grade beherzigenswert. So unbestreitbar und so oft d|e Tapferkeit der jüdischen Soldaten hervortritt, unsere Gegner werden sich nie dazu bewegen lassen, ihre Meinung aufzugeben, daß es Sich nur um Ausnahmen handele und der feige Soldat den jüdischen Typ vorstelle, und so wenig jüdische Verfehlungp im Kriegserwerbsleben den Schluß auf die allgemeine moralische Minderwertigkeit zulassen, um so dreister wird diese als Glaubenssatz verkündet. Es hieße wirklich etwas zu viel Vertrauen in die Wandlungsfähigkeit und den Gerechtigkeitswillen der Menschennatur setzen und die reinigende Kraft des jetzigen Erlebens, die ja in allen Teilen schon so starke Erschütterungen erlitten hat, wollten, wir im Ernst hoffen, daß nach dem Kriege ohne unser Zitun darin eine Aenderung zum Besseren Platz greifen würde. Wenn wir erfahren müssen, daß entartete Gesinnung nach wie vor ■ vor keiner Verleumdung zurückschreckt, selbst angesichts der Gräber unserer Helden und des Schmerzes der Hinterbliebenen keine Anwandlung von Mitgefühl oder Ehrfurcht hegt, wenn militärische Auszeichnungen und Beförderungen, so wohlverdient sie sein mögen, nur als Preis einer in unseren Augen schmachvollen Handlung erscheinen, wenn jedes Verschulden der Einzelnen die Handhabe bietet, der Gesamtheit einen Makel anzuheften und alles dies mehr Verteidiger und Befürworter als überzeugte Gegner in unserem Volke, findet, dann werden wir wohl oder übel den Schluß ziehen müssen, daß wir in .der] Abwehr gar nicht zu viel tun können. Die Vorbereitung und Ausrüstung müssen die Logen durch ihre Beamtenräte unablässig' betreiben, damit krir in der Presse, üi der Literatur, in Vereinen und Versammlungen, nicht minder aberauch im privaten Verkehr der um sich greifenden Vergiftung entgegenwirken. Ich betone den Wert der Aufklärung im vertraulichen und offenen Gespräch ganz besonders, denn ich glaube, daß sie im Verhältnis "zuThrem Wert stark vernachlässigt wird. Man'staunt jasimmer wieder,- welche Vorstellungen von uns und unserem

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