Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 9 - Oktober/November
- Article
- Beilage zu Nr. 9
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 10)
- Language
- German
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I Wesen in sonst durchaus unterrichteten, dabei einwandsfrei und vornehm denkenden Personen spuken, mit denen uns' angenehme Verkehrsbeziehungen Jahre hindurch vobinden und trifft häufig auf eine Scheu vor Gesprächen über jüdische Dinge, die ein anerkennenswerles Taktgefühl verrät, aber für uns doch recht unerwünscht ist. Unbegreiflich wird diese Scheu, wenn sie in gemischten privaten Kreisen von jüdischer Seite auftritt, wenn der Gastgeber mit einem wahren Angstgefühl jede Abirrung zu verhindern sucht. In beiden Fällen ist Unkenntnis die Ursache, entschuldbar dort, wo für uns jede Einwirkungsmöglichkeit in der ausschlaggebenden Zeit des Schulunterrichtes entfällt und die Schule die T ersten geistigen Schranken aufrichtet, tief beklagenswert bei uns selbst. Darum ist die Hebung des Persönlichkeitsbewußtseins, die Ausbildung zum Mut des Bekennens und der Abwehr in den Logen eine so unendlich wichtige Aufgabe. Wir wollen nichts als Gerechtigkeit, wir sind nicht besser, aber auch nicht schlechter als unsere Volksgenossen und lehnen jeden Sondermaßstab für unsere Beurteilung auf; das alterentschiedenste ab. Es darf uns den Mut nicht stören, daß die unselige Verquickung des Staatsgedankens mit den anfech:barsten völkischen und! rassischen. Lehrenwohl nicht so schnell verschwinden wird : wir müssen an unserem eingeborenen Optimismus festhalten und hoffen, auch die letzten Hindernisse zu überwinden, die der Befreiung weiter nicht jüdischer Kreise von anerzogenen und überlieferten Vorurteilen entgegenstehen. Aufklärung, Belehrung und Abwehr sind nicht die einzigen Waffen. Wir haben auch durch eine rege Betätigung im öffentlichen Leben den Beweis zu erbringen, daß wir den Vollwert des deutschen, christlichen Bürgers besitzen. Man. wird' entgegenhalten, daß gerade dieser Punkt die Veranlassung zu schweren Angriffen gibt, zu der Klage einer Durchsetzung der öffentlichen! Wirksamkeitmit dem höchst schädlichen jüdischen Einfluß. Wir rechnen nicht darauf, Gegner, die nicht überzeugt sein wollen, die nicht Sachlichkeit, sondern Haß leitet, eines Besseren zu belehren, ihre Unschädlichmachung bleibt dem nicht aufhaltbaren allgemeinen Fortschritt vorbehalten; wir müssen es als Recht und Pflicht ansehen, jeder Einrichtung des Öffentlichen Lebens unsere Kraft zu leihen, nicht von Ehrgeiz geleitet, sondern von dem Willen, als Deutsche und als Juden das Beste zu leisten. Und will man1 uns heute : - '. 1 ' ' ' " ' '\ ■ noch nicht als Beamte und Offiziere, mißt man uns Richter- und Lehrerstellungen mit einer ebenso lächerlichen als aufreizenden Aengstlicbkeit zu, — als ob jeder jüdische Richter und Lehrer eine Gefahr für das Vaterland bedeute — wir werden uns dadurch nicht irre machen lassen in unseren Bürgerpflichten und das Wohl des Ganzen Iordern, wo und wie wir können, taktvoll und bescheiden, aber unseres Wertes bewußt und vertrauend auf den endlichen siegreichen Durchbruch des Rechtsgedankens. Am Schlüsse des Versuchs, die bedeutsamsten Aufgaben de* Beamtenrais und der Logen zu zeichnen, bedarf es nicht der Feststellung, daß die Besprechung als notwendigeErgänzung dieser Ausführungen dienen muß. Bei der Ausdehnung und Wichtigkeit der -Fragen konnte es sich vielfach nicht um eine halbwegs erschöpfende Darstellung, sondern nur um grundsätzliche Hinweise und Richtungen handeln. In dieser Beziehung vertraue ich, mit Innen einig zu sein. Ein Menschenalter der Ordenstätigkeit in unserem Distrikt hat bewiesen, was wir zu leisten vermögen für uns selbst wie lür die staatsbürgerliche Gesamtheit, und heute, da Gegenwärtiges und Zukünftiges uns eine erhöhte Verantwortlichkeit auflegt, gilt es, mit verdoppelter Ausdauer die Quellen unserer Kraft klar und fließend zu erhalten, zu zeigen, daß unsere Arbeit bedingt und beseelt ist durch die teuerste Sorge: die sittlich werbende und wirkende Emporführung des Vaterlandes und aller seiner Bürger. » 1 ■ l Leitsätze $' p * 11 *' '■'*'"* '' Der Krieg bedingt keine grundsätzlichen Aenderungen der Ordensarbeit. Die Kriegserfahrungen verpflichten den Beamtenrat: II. nach innen: 1) der Werbetätigkeit und / der Persönlichkeit des Aufzunehmenden erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen, 2) die geistige Selbstständigkeit der Logen durch sorgfältige, nicht eng begrenzte Wahl des Stoffes fürVorträge, Bericht und Besprechungen zu fördern unter tunlichster Rücksicht auf Neigungen oder Wünsche der Brüder, 3 a) die Kenntnis der auf das soziale, wirtschaftliche und berufliche Leben der Juden wirkenden Ursachen planmäßig zu verbreiten, — 18 —