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Bericht der Großloge für Deutschland · 1917-01-01 · Nr. 9 - Oktober/November · p. Seite 16

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1917
Issue
Nr. 9 - Oktober/November
Article
Beilage zu Nr. 9
Date
1917-01-01
Page
Seite 16 (sequence 8)
Language
German
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des Gebäudes ist die Jugendfürsorge in der weitesten Ausdehnung. Es wäre fast lächerlich, dies zu beweisen, aber es ist dringend die Notwpndigjkeit des einig gerichteten "Weges 'mit größferji Nachdruck zu betonen. Auch hier fehlt es uns weder an Mitteln, noch an geeigneten Kräfte i noch an gutem Willen — und doch entsprechen die Erfolge nicht den Erwartungen, doch erleben ffir ai unserer Jugend gar manche Enttäuschung. Die jüdische Politik muß weit mehr als bisher \ das Erziehungs- und Fürsorgewerk durchdringen, d^e Politik, die sich nicht nur damit befaßt, gesunde, Kr die Allgemeinheit nützliche Glieder heranzuziehen, sondern die Erziehung in allem und vom ersten Augenblick an auf die Erweckung und Festigung des jüdischen Zugehörigkeitsgefühls zu richten, wenn wir noch an uns und unsere Sendung glauben, wenn wir überzeugt sind, daß es nicht unser Geschick sein darf, unterzutauchen und zu verschwinden, sondern in und durch unseren jüdischen Charakter für Heimat und Welt etwas zu bedeuten, dann dürfen unsere Kinder weder Mußjuden, noch bloße' Namen;uden sein; es genügt ebensowenig, daß sie nur eine Art Ehrbegriff abhält, untreu zu werden. Freudige und überzeugte Geschlechter müssen uns erwachsen, und um das zu erreichen, müssen wir mit liebevollem Ernst, mit geläuterter Sorgfalt die Jugend vom Eintritt, in die Schule bis zur Selbständigkeit umfassen. Das Elternhaus sei die Stätte, wo das Kind den ersten Eindruck von der sinnreichen Schönheit und dem gemütsbildenden Werf seines Bekenntnisses erhält, die Schule erfülle es mit der Erhabenheit der Lehre, dem standhaften Geist der,Väter, dem Verständnis einer Sprache, die man mit Recht die heilige nennt; hier sprudelt nicht nur die Quelle einer machtvollen und reinen Religion, sondern auch eines dichtefischen Reichtums, dessen vornehmste Hüter zu bleiben unser Stob sein muß. Ein ' Ziel aufs innigste zu wünschen ist es, unser Unterrichtswesen dementsprechend zu gestalten, dem Rückgang der jüdische» Volksschule nach. Kräften vorzubeugen und im übrigen dem Hebräischen als einem wesentlichen Bestandteil des Religionsunterrichtes zur Anerkennung zu verhelfen. Bei dem heutigen Stand der Volksschule erblicke ich keinen Vorteil darin, daß das jüdische Kind in ihr seine Ausbildung erhält Bis der Traum der Einheitsschule erfüllt und die religiöse Belehrung ohne Dazwischentreten des Staates alleinige Aufgabe der Religionsgeme:nschaffen sein wird, dienen wir den Kindern und dem Frieden der Bekenntnisse am besten, wenn wir dafür sorgen, daß die Kintiesseele vor jeder unzarten Berührung bewahrt bleibt Neben dem erziehlichen Zweck, an sich gibt diesem Wunsche die Tatsache der stärkeren nervösen Veranlagung des jüdischen Kindes Nachdruck. Ihr Umfang und ihr Ursprung, einerseits auf die dunkeln Zeiten der Unterdrückung,, andererseits auf die übersetzte und einseitige Teilnahme an dem Kampfe ums Dasein zurückführend, verlangt ferner eine besonders sachkundige Hand für diejenigen Fälle, die sich an der Grenze bewegen, wo Arzt und Erzieher sich in gemeinsamer Arbeit begegnen müssen und die in das eigentliche Gebiet der Fürserge gehören. Hier dürfte die Wohlfahrtsvereinigung eine hochwichtige- Aufgabe darin finden, den bestehenden Anstalten und Vereinen beratend und helfend zur Seite zu stehen damit ein nach einheitlichen und erprobten Grundsätzen gegliederter Aufbau zustande komme, der den geistigen und körperlichen Forderungen in gleicher Weise Rechnung trägt, und die in irgend einer Weise gefährdete Jugend schü'zt und bildet. In engerem Zusammenhange hiermit steht die Berufswahl. Sie geht zweifellos vielfach nicht von der Rücksicht auf Veranlagung und Neigung aus, sondern vorwiegend von dem Wunsch, dem Kinde eine materiell und äußerlich günstige Lebensstellung zu schaffen. Nach ihrer idealen Richtung und ihrem Einfluß sind die Logen auch hier berufen, an der Aenderung und Gesundung weitverbreiteter Anschauungen mitzuhelfen und die Gebote des Gemeinwohls zur Geltung zu bringen. Auf eine Lücke in der Jugendfürsorge hat Br. F i n k e 1 verwiesen; sie betrifft die schulentlassene Jugend von 14—18 Jahren, die bei unentwickelten Verantwortlicbkeitsgefühl und noch vorherrschender kindlicher Eindrucksfähigkeit sich oft in eine gefährliche Ungebundenheit versetzt sieht Ein Zusammenwirken van Lehrern und erfahrenen Mitgliedern der jüdischen Jugendvr reine dürfte leicht Mittel und Wege finden, diese Altersklassen zu umfassen und ihrer Gefährdung dadurch vorzubeugen, daß den körperlichen und geistigen Übergangserscheinungen gebührende Achtung geschenkt wird. In Bezug auf die jüdischen jugendvereine dürfen wir voraussichtlich der Zeit nach dem Kriege; hoffnungsvoll entgegengehen. Ein stark idealistischer bewußt jüdischer Zug durchzieht diese Bewegung, an der wir einen ge- 16 -

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