Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 9 - Oktober/November
- Article
- Beilage zu Nr. 9
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 3)
- Language
- German
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Arbeit eintraten. Stärker als vorher ist das Band geworden, das uns aneinander knüpft, und wir wissen es zu schätzen, daß die Bruderliebe unseren Kämpfern allen folgt über die zum. Schlachtfelde gewordene Erde, wie sie Herz und Hand bewegt zu jedem Hilfswerk gegen das zu Riesenmaß gehäufte Weh. Und weiter müssen wir uns dankbar * vergegenwärtigen, daß wir es als heilige Pflicht ansehen, den dunklen Mächten entgegenzuarbeiten, jdie im Gefolge des Krieges emporgestiegen sind und das sittliche Gefüge des Staates schwer bedrohen: der Gier nach Erwerb um jeden Preis, dem Fluch des Mammonismus, der sein Gift in die Seele des Volkes träufelt und manche bisher ehrenvolle Laufbahn so häßlich beendet hat. Und endlich muß auch das bitterste Erlebnis, der völlige Bruch des Burgfriedens, das Wiederaufleben des Antisemitismus in seiner widerwärtigsten Form uns zum Heile dienen. Wie hat nun der Beamtenrat, vor allem sein geistiges Haupt, der Präsident, diese Erfahrungen für die Zukunft zu verwerten? Halten wir uns zunächst gegenwärtig, daß diese Zukunft keine abgesteckte Grenze bedeutet; sie braucht nicht erwartet zu werden, sie ist da, wir leben beständig in ihr, und was* 'der Krieg lehrt, das muß in jedem Augenblick seinen Einfluß auf Denken und Handeln äußern. Das vornehmste Ziel der Logenarbeit ist die Bildung der Persönlichkeit und des Charakters. Wo wir sie nicht erreichen, da schleppen wir eine Last mit, und von der Anzahl der Brüder einer Loge auf ihre Bedeutung zu schließen, ist gewagt. Das äußere Gedeihen kann glänzend sein, während das innere Leben verkümmert. War es,von jeher notwendig darauf zu achten, daß unser Wachstum nicht allein durch Zahlen blendet, daß Ausdehnung und Tiefe des Wirkens eng Hand in Hand gehen, so legt der Zeiten Lauf uns nun mehr, noch zwingender die Pflicht auf, für einen Nachwuchs zu sorgen, dem wir Aeltere dereinst ohne Besorgnis das Schicksal des Ordens anvertrauen können. Der Beamtenrat soll bei der Werbung lediglich die Eignung iür die uns eigene und eigentümliche Arbeit berücksichtigen. Man kann überzeugter eifriger Jude sein, Wohltä Jgkeitssinn, Bildung und gesellschaftliche Stellung besitzen und doch der Anlage zur Selbstentäußerung, zum Verstehen unseres Verzichts auf so manche anscheinend weltbewegende Frage, zur Beschäftigung andererseits mit so viel anscheinend kleinen und unwichtigen Dingen ermangeln. Und wiederum können uns ein begeisterungsfähiger Sinn, ein warmes Herz, eine aufrechte jüdische Gesinnung Vermögen gesellschaftliche Stellung, ja bis zu einein gewissen Grade auch die formale Bildung ersetzen, vfen diesem Stand sunkt gehen insbesondere die wiederholten Anregungen Br. Lissers aus, dazu bestimmt, uns die wertvollen jungen Kräfte in den Kreisen der Sedierenden, cer Beamten, der Künstler in erhöhtem Maße als bsher auch durch Entgegenkommen in bezug auf die geldlichen Leistungen nutzbar zu machen. Icti halte es für äußerst wichtig, daß man sieb über die jüdische Gesinnung und das jüdische Interesse mit großer Sorgfalt vergewissere. Die Streitfrage,, ob wir ein jüdischer Ofden oder ein Orden jüdischer Männer sind, sei heute nicht angeschnitten : sicher ist es, daß wir wahre Eintracht und wirkliche Stärke nur besitzen, wenn! vir im Punkt „jüdische Ueberzeugung" geschlossen sind. Vielleicht sind unserer Gesamtheit schwere Belastungsproben gar nicht so fern, Und wir' sollten daher die Prüfung eines Bewerbers nicht mit einem schnellfertigen Wohlwollen vornehmen, welches hart an Nachlässigkeit und Verleugnung wichtiger Ordensinleressen grenzt. Gewiß schützt auch die genaueste Erkundigung nicht : immer vor Fehlschlägen, aber im Beamtenrat muß die Auffassung feststehen, daß niemand bei uns aufgenommen werde, der nicht weil}, was Loge und Orden von ihm verlangen. Neben dem makellosen Ruf, der gesicherten Stellung, der allgemeinen Kultur behalten gewisse Imponderabilien, nicht wägbare und greifbare Dinge, ihre Wichtigkeit, und . ihre Nichtberücksichtigung kann ein unerfreuliches Verhältnis zwischen Loge und Mitglied schaffen, ohne daß auf einer Seite ein eigentliches Verschulden vorliegt. Daher halte man auf Klarheit und Bestimmtheit in den für den Anschluß gesonderten Voraussetzungen, und der Präsident mache es sich1 zur Pflicht, den Qbmann des Erkundigungsausschusses in jedem einzelnen Falle vor der Zusammenkunft mit dem Bewerber eingehend zu unterrichten. Es darf nicht vorkommen, daß ein Bruder bei uns eintritt, ohne auch nur eine annähernd richtige Vorstellung'vom Orden zu haben, und obschon wir keinen- Mangel an Aufklärungsschriften haben und das Vertrauen zu dt m Präsidenten besitzen, "daß sie jedes Aufnahmeverfahren, mit Ernst und Sachkenntnis überwachen und bei der Auswahl des Erkundigungsausschusses wie namentlich des Obmannes sorgfältig verfahren,