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Bericht der Großloge für Deutschland · 1917-10-01 · Nr. 9 - Oktober/November · p. Seite 138

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1917
Issue
Nr. 9 - Oktober/November
Date
1917-10-01
Page
Seite 138 (sequence 14)
Language
German
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Herrn den gewünschten „Trunk aus der JnJPhilister ■Händen befindlichen'Zisterne von Bethlehem und damit den Beweis seiner Aufopferungjfäligleit brachte? Erinnert er sich nicht der Stelle im 'deuteronomisch« Gesetze, die den Aengitiichen und Furchtsamen den Austritt aus dem Heere vor dem Kampfeausdrücklich gestattete, damit Ihr Kleinmut nicht auf andere überginge? Welches moderne Heer könnt: sich, im Vertrauen auf seinen wahrhaft heroischen Grunäkem, eine solche Mißregel gestatten! Und wenn wir der Erhebung der Mikkabä :r gegen die Bedrückung des Antiochus und die zwangsweise Graez sierung, wenn wir des heldenhaften: Opfermutes hei den Kämpfen gegen die römischen Riesenheere unter Vespasian und Titus gedenken, da müssen wir fragen, wie man von neuen Idealejn sprechen kann, da diese Eigenschaften dem jüdischen Volke d«ch v«n alters her anhafteten und nur jdirch jihrtausendlange Absperrung in ihm gedämpft und erstickt wurden! Unsere Jugend wird mit römischem H:ldentume erfüllt: nicht nur Oncinatus, auch Saul wurde •dnrcri die Abgesandten vom Pfluge fort zum Herrscheramt geführt! Ehre sei Männern,, die, wie Br. Joseph, in einer Lebensarbeit die Logenarbeiten erfolgreich firdern halfen! Aber neue . Zeiten stellen neue Aufgaben, und es heißt nicht „neue Ideale suchen", wenn wir uns erinnern, daß unsere Vorfahren nicht immer auf der Stufe eines „Händlertumes mittleren Ringes" standen, auch nicht nur Geistesstreiter waren und die von Br.-Heinemann erwähnte Bismarcksche „Zivil-, kurage" besaßen, sondern ihre Heroen hatten, ihre Kriegsgewaltigen und ihren männliche! I leale, wie nur irgend ein anderes großes Volk unseres Erdbills. Und warum soll nach Br. Jaseph eine selche für uns Juden so überaus wichtige Frage nicht im Rihmen des Ordens erörtert werden dürfen? Ihre Besprechung mag mit den Ordensgesetzen nicht voll im Einklang stehen, aber sie hat mit Politik nichts zu tun, und es hieße,. die Bedeutung des Ordens unterschätzen, wollte man seinem Forum Angelegenheiten van teicher Tragweite für das'Judentum verschließen. Auch wenn man dem Br. Biumann nicht beizu- J . Ff - . - . TT rT-• r\j ' ' ■ - TV 7 .1 stimaen vermag, muß man ihm danken,: daß er mit seiner Anregung ditse Frage einmal angerührt hat. Wir deutsche Juden verlangen nichts weiter, als daß wir als vollberechtigte Bürger unseres Vaterlandes mitarbeiten dürfen zu seiner Ehre. Nach dreijährigem Kampfe ersehnen wir hier drauf en einen ehrenvollen frieden, den äußeren und fast noch mehr den inneren. J i LA Der Schrei nach der Heimat tön1, in uns, lauter und gebieterischer, als bei den Bridern daheim, dihea es nicht vergönnt war, mit j.der Waffe dem Vaterlande zu dienen. Was ist denn „H:imitu? Etwa ddr Platz, den wir uns „auf der Stufe mittleren Häidleriunes" mühselig erringen od:r mit größerem oder geringerem Aufwand erkaufen können? Oder vielleicht der Ort, den uns eine hohe Obrigkeit mit Brief und Siegel als Aufenthaltsort anwds:? Nein! Ujsjre -lefmat ist der Platz, den wir uns durch unsere Lebensführung und unsere Ideite in den Herzen unserer Mubürger erobern, das Winkelchen, das uns unsere Volksgenossen freiwillig in ihren Hirzen anbieten! Das allein gib! uns Heimi!s[£efüil dis »Hein vennir, ms die Heimat zu schaffen. 1 Wie richtig fragt darum di r Bruder aus des Felde im Juli-Bericht, was wir wohl damit erreichen wu den, wenn uns durch Gesetz de* Zugang zum iktiven Offizierkorps und zu den höchsten Verwaltungsstellen verbrieft würde. Wir wären bestenfalls dort nir geduldet und dauernde Reibungen unvermeidbar. Und deshalb ist es nötig, daß der Empfindung einmal deutlich Ausdruck gegeben wird, die die aus dem Felde zurückkommenden Brüder heimbringen werden, die aber denen sicher viel weniger stark vor Augen getreten ist, die ihr L?ben in ihrem mehr oder weniger engen Kreis der Glaubensgenossen verbrachten: „Diese Heimat" haben die deutschen Juden heute noch nicht in den Herzen (hier Mitbü-ger gefunden! Keine Täuschung! Es gilt jetzt mehr denn je, dieses Vorurteil zu bekämpfet, denn die NMwmdigkeit des Zusammengehens zwischen den Bekenntnissen verträgt keine Vergrößerung der Reit ungsflachen mehr. -! ,.. Darum wäre es falsch, e ne Vogel-Strauß - >olitik zu treiben und sich im Bewi ßtsein seiner jahrelangen Vereinsarbeit und seines inneren Wertes zu verschließen. Jetzt beißt es arbeiten, um helfend und fördernd eingreifen zu können, um für unsere Jugend die wahre Heimat in den Herzen der wohlwollenden, ehrbaren Mitbürger zu erringen, die allein für uns in Betracht kommen. Aber auch bei edlen Christen ist meist ein aus Jahrhundert :n nachdämmernder Rest von Abneigung vorhanden, g enährt aus Erinnerungen einer Zeit, in der der zu« Schacher gezwungene Jude seine besonders gezüchtete Begabung ojftmils zum Schaden der Einfalt ausgenützt haben mag. Es gilt für uns Jaden daran zu arbeiten, gewisse, jetzt, mit allen Kräften von der .Gegenseite so

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