Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 9 - Oktober/November
- Date
- 1917-10-01
- Page
- Seite 137 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4864325-6029093-6074405--2287-4866378- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wir konnten den Feind deutlich reden hören und mußten auf jede Deckung bedacht (ein, um nicht seinen sicher treffenden Geschossen zum Opfer zu fallen. Seine Stärke war viel größer als die unsrige und sein Hauptlager kaum eine Stunde von uns entfernt Ein Ueberschreiten der Schlucht erschien undenkbar, trotzdem sie sich im Osten auf kaum zehn Schritte Breite verengte. Was sollten wir tun? Blieben wir, so wurden unsere Vorrate und damit der Mut der Unsrigen immer kleiner; gingen wir zurück, so wurden wir durch die nachsetzende Reiterei des Gegners von Osten her aufgerieben! Und bei allem Unglück hatten wir den größten Teil unserer Waffen in den voraufgegangenen Kämpfen eingebüßt. Es war eine verzweiflungsvolle Lage! Da sah ich im Dämmern des dritten | Morgens unseren Führer leise zur Waffe greifen und sich behutsam erheben. Ich wollte ihm folgen, aber er bedeutete mich, ihn allein zu lassen; so folgte ich ihm in einiger Entfernung mit meiner Waffe. Er stand in sich gekehrt und erst nach geraumer Zeit erkannte ich sein Tun: er betete — mit einer Innigkeit, wie ich weder vorher noch nachher je einen Menschen den Herrn anrufen körte. Als er geendet hatte, winkte er mich heran und sagte mir, daß er mit mir allein das Ueberschreiten der Schlucht wagen wolle. Es war ein solch sieghaftes Oottvertrauen in seiner Stimme und in seinen Augen, daß ich ihm wortlos die Hand drückte und ihm begeistert in die Schlucht hinunter folgte. Der Abstieg ging leidlich, wenn wir auch oftmals ganze Strecken ins Gleiten kamen und Mühe hatten, unsere Waffen wiederzufinden. Aber der Aufstieg an der anderen Seite! Bald waren Kniee und Hände über und Iber mit blutigen Schrunden bedeckt, der Schweiß rann uns in Strömen über das Gesicht, so daß wir kaum sehen konnten, — aber es gab kein Halten: Vorwärts mit Gott! Jeder Fehltritt hätte uns in die Tiefe und in den sicheren Tod gestürzt. ' Endlich 1 Was kein Verständiger für möglich gehalten, was die ruhige Ueberlegung als unsinnig erkannt hätte, — das erreichte das Oottvertrauen und die Zähigkeit des Führers, der mich durch Wort und Tat anfeuerte und unterstützte: Wir waren oben, allein, dem Feinde im Angesicht! Die Ueberraschung desselben ist kaum zu schildern, als wir, von allen Unser igen und unserer rückwärts gelegenen Hauptmacht fieberhaft beobachtet, den Rand der Schlucht drüben erreichten. Wir erwarteten sogleich 10 wenii I die ersten Geschosse. Aber der Feind schien darauf vorbereitet von der Schlucht aus angegriffen zu werden, daß er unsere auftauchenden Köpfe wie eine Erscheinung anstarrte; vielleicht wollte er auch erst noch mehr Leute hinaufklimmen lassen, um dann einen lohnenden Fang zu machen. Wir hörten nur spöttische Ausrufe, Hessen uns aber durch nichts beirren, sondern schössen knieehd unsere Waffen mehrfach hintereinander ab, in dich'em Ziele Tod und Verderben verursachend, jeder' Schuß traf, waren wir doch beide aus unserer Heimat her von, Kindesbeinen auf mit der Waffe innig vertraut Und ehe der Feind sich recht besinnen konnte, lag bereits eine ganze Reihe der Seinigen auf dem Boden. Entsetzen prägte sich auf den Zügen seiner Leute aus; ein Blutrausch i'oerkam uns, wir sprangen auf und stürmten vor, und der Feind wandte sich zur Flucht nicht anders denkend, als daß'uns eine starke Abteilung aus der Schlucht heraus gefolgt sei. Als unsere Hauptmacht die Vorgänge erkannte. Umging sie mit den Unser igen im Eilmarsch die Ostecke der Schlucht und nun fiel alles unserer Kampfeswut zum Opfer, was sich nicht freiwillig ergab. Aus dem kleinen Oefecht entwickelte sich ein entscheidender Schlag und ein voller Sieg würde unser, den wir allein dem todesmutigen Oottvertrauen unseres. Führers verdankten." .—T * . Einer! der Herren bemerktet „War das Kut-el- Amara? Ich kenne eine Stelle, die dieser Beschreibung genau entspricht" Ein anderer Kamerad fiel ein: "Gott bewahre! Das ist ja eine dieser großen Schluchten in Mazedonien vor Monastlr, die uns daunüberbrückbar erschienen." Nichts von alledem. Die Geschichte ist dreitausend Jahre alt i und erzählt den Kampf, des Jonathan, des- Jbnes König Sauls, über die Philister zwischen leba und Michmas, den dieser jüdische König durch Eingreifen mit seinen 600 Tapferen zu einem irollständ gen Siege der an Zahl weit unterlegenen, über die Philister gestaltete! wo die Ueberlieferung solcher Beispieleheldenhafter Begeisterungsfähigkeit, herbischer Ideale eines Volkes nachweist die sich immer und immer wieder in der Geschichte der Juden bis in die neueste Zeit wiederholen, da können wir hier draußen nicht stille sein zu Aufsätzen im Berichte der Qroßloge, wie demjenigen mit der Uebisrachrift: „Neue Ideale?" Denkt der Verfasser nicht an den. Zweikampf David1 s mit Goliath, ah das herrliche Dreigestirn der Paladine dieses Königs in Jsrael, das kämpfend seinem Israeliten Und