Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 9 - Oktober/November
- Date
- 1917-10-01
- Page
- Seite 135 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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darin, ihren Bestand aus den Angehörigen des Grundbesitzes zu ergänzen. Im Westen unseres Vaterlandes konkurriert mit dem Grundbesitz um die Autorität .bei der Bevölkerung und bei den Staatsbehörden höchst erfolgreich die Industrie. Der Fabrikberr, der Gruben- oder Zechenbesitzer, der Inhaber eines Hüttenwerks, sie regieren die Gesellschaft und die öffentliche Meinung, von ihrifn ist nicht nur der Arbeiter, sondern letzten Endes jedermann in der Stadt abhängig, der Arzt, der Rechtsanwalt so gut wie der r^änd'er und der Handwerker. Auch die Behörden legen auf ein gutes Verhältnis mit diesen Ständen Gewicht, urd es ist schon häufig dagewesen, daß ein Beamter um seine Versetzung einkam eder im Interesse des Dienstes versetzt wurde, wenn er sich zu diesen Kreisen nicht zu stellen vermochte. In Hamburg und anderen Seestädten bilden die Reeder, die Großhändler, die. Exporteure und Importeure die führende Oberschicht; in Berlin und Frankfurt a. M. gesellen sich die Vertreter der Hochfinanz hinzu; im Königreich Sachsen und in Oberschlesien liegen die Verhältnisse ähnlich wie im i ndustriereichen Westen. Alle diese [Stände unterhalten [selbstverständlich Beziehungen zum Offizierkorps, nicht nur indem sie Wert darauf legen, daß ihre Söhne im Militärverhältnis ms der untergeordneten Stellung und dem schweren Dienst des einfachen Soldaten bald in das bequemere -eben des Reserveleutnants aufrücken, sondern auch indem sie — raufig gegen ihren Wunsch — ihre mitgiftreichen Töchter an schlechtbesoldete Uniformträger verheiraten. Aber sie würden alle energisch Einspruch erheben, wollte | man ihnen gegenüber den Offizierstand als den höheren proklamieren. Wenn wir von den führenden Ständen sprechen, wollen wir schließlich nicht unsere Gelehrten vergessen, insbesondere die ordentljehen Professoren an den Universitäten. Sie werden nicht bloß als tonangebende Vertreter ihres Fachs, als Autoritäten und Kapazitäten von der Regierung und dem Volke gehört und in hohem Msße respektiert, sie üben auch auf die studierende Jugend, also auf die künftigen Lehrer, Beamten, Oeistlichen einen Einfluß aus, der oft das ganze Leben hindurch währt. ' So bereit ich also bin, für die Juden die ungehinderte Freigabe der Offizier- und Beamtenlaufbahn zu fordern, ebenso sehe ich mich veranlaßt, dafür einzutreten, daß ihnen im höheren Maße als bisher der Zugarg zum Grundbesitz, zu gewissen Zweigen Hill -135 der Industrie, zu den Professuren der Universitäten möglich E i n gemacht werde. i - I ilse.it ig war der Br. Baumann orientiert, alser den Regierungsbesmten und den Offizier die führenden Sande nannte; er wird ungerecht und ungeschichtlich, wenn er nun die Mittel aufzeigt, die uns den Eintritt in diese Stände ermöglichen sollen. 'Wir müssen heroischer werder, meint er; peisönlii he Aufopferungsfähigkeit, Unetschrvckenheit, Mut.Tre ue, körperliche Ausbildung müssen in höherem Grade van uns gepflegt werden." Wieder liegt es mir fern die V«rsch'äge selber,zu bekritteln; ich bekenne mich gern und freudig als Anhänger einer Erzithutg, die auf Willensbildung ebensoviel Wert legt wie auf Verstandesbildung, die Tapferkeit so hoch einschätzt wie Weisheit. Aber ich frage den Br. Baumann: 1 Offiziers egt die Sache wirklich so, daß man uns die und Verwallungslaufbahn vorenthält, weil wir nicht tapfer, nicht mutig, nicht schneidig genug sind? Sind da nicht andereGründe maßgebend? Wer wollte sich erkühnen zu behaupten, da ß alle die Juden, die bei der Wahl zum Reserveoffizier 'durchfielen oder vorher zurückgewiesen wurden, es an. der« erforderlichen persönlichen Tüchtigkeit hätten fehlen lassen? Und war diese Tüchtigkeit, der erforderliche Heroismus mit einem Male da, als die Taufe genommen wurdet Meine lieben Brüder, ich denk: anders über Hermsmus. Wenn man nicht mit gewissen orthodox-christlichen Kreisen,[von denen auch Schmoller in seinem letzten vielberunenen Artikel über die Judenfrage 'gesprochen hat, annehmen will, daß die paar Tropfen Weihwasser auf mystischem Wege aus dem Renegaten einen völligneuen Menschen machen, so muß man in dem Juden, der sich durch die Verleugnung seiner Ueberzeugung, sagen wir deutlich, durch eine Lüge den. Eintritt in das Off zierkorps erkauft, eher einen Feigling als einen Ausbund von Tapferkeit erblicken! | Auch u n ges c h i c h 11 i c h nenne ich die Ausführungen des Br. Baumann über die Mittel. Ein kurzer Rückblick auf das letzte J ihr hundert der preußischen Geschichte wird mir recht geben. ' Noch bis zur napeüeon'schen Zeit rekrutierte sich der Off zier- und höh :re Beamtenstand unseres engeren Vaterlandes einzig urd alfein aus dem Adel. Nach der Regeneration Preußens durch Stein und Hardenberg einerseits, Scharnhorst andererseits erlangte .das Bürgertum .Zutritt zu diesen Berufen. War es inzwischen «heroischer geworden? Nein, die Not der Zeit hatte die Regierung gezwungen, mit dem alten Sjstem zu brechen- und föltlg£-ffl