Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 9 - Oktober/November
- Date
- 1917-10-01
- Page
- Seite 134 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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und wegen, der zugespitzten Form, in der er sich gibt. — Mir ist vom w. Präsidenten unserer Loge der Auftrag geworden, diesen Artikel in Ihrer Mitte, meine lieben Brüder, zu besprechen. Die Notwendigkeit, den Irrtümern und Fehlschlüssen des Br. Baumann entgegenzutreten, machen mir die Erfüllung dieses Auftrags zu einer ernsten Pflicht. Ich nehme an, daß ßie alle den Artikel gelesen haben, und will doch der Vollständigkeit halber, und um dem Verdacht zu begegnen, als stelle ich einseitig dar, die Hauptpunkte möglichst mit den j eigenen Worten des Verfassers rekapitulieren. Baurrann sagt: „Will das Judentum in Deutschland nicht immer w.eiter abbröckeln und schließlich zu Grunde gehen, so muß es einen erheblichen Zuwachs an Geltung und Ansehen erstreben, damit es seinen Bekennern eine Ehre und ein Vorzug wird, ihm anzugehören. Die Masse der deutschen Juden darf nicht dauernd auf der Stufe eines Jiändlertuois tnittleren Ranges stehen bleiben. Die eigentliche Führung und die eigentliche Ehre in den deutschen Staaten hat und wird haben: der höhere Regierungsbeamte, und mehr noch als dieser: der Berufsoffizier. Deutschland ist von Feinden umgeben und wird sich semer Feinde immer zu erwehren haben. Daher kann ein Bestandteil des deutschen Volkes, der nicht in großer ZiU berufsmäßige Führer für die * militärischen Aufgaben stellt, nicht; hoffen, jemals volle Geltung in seiner Mitte zu erringen." Auf den politischen Kampf, der zur Erreichung dieser Ziele notwendig ist, geht B. nicht ein, wohl aber untersucht er, wie diese Ziele die Logenarbeit beeinflussen müssen. „Der Orden stammt aus Amerika; dort herrschen ganz andere Daseinsbedingungen. Der führende Typus jensets des Ozeans i-t der industrielle. In Deutschland ist der führende Typus der heroische. Die industriellen Tugenden sind mehr zivilisatorisch: Friedfertigkeit, Eintracht, Arbeitsamkeit, Intellektualität, Wohltätigkeit. Für den heroischen Typus kommen mehr in Betracht: persönliche Aufopferung, Unerschrtckenheit, Mut, Treue, körperliche Ausbildung. Der eine Typus gibt zur Ausgleichung fremder Not und Gefahr gerne seine Mittel, der andere opfert seine Person und setzt sein Leben ein. Die deutschen Juden müssen die heroischen Tugenden zum Mittelpunkt der Erziehung machen, damit sie nicht nur zum Offizierberuf Zugang erhalten, sondern auch sich in ihm voll bewähren. — [st dieses Streben von Erfolg begleitet, so wird die deutsche Judenschaft zu einer wirklichen Adelsschicht Im deutschen Volke; anderenfalls wird sie zerblasen, aufgerieben, zunichte werden. Ist der Orden bereit, dies anzuerkennen undsene weitere Arbeit dem anzupassen? * Diese Auslührungen haben in ihrer Zuspitzung etwas Bestechendes. Die Frage ist, wie weit sie sei einer Prüfung selber Stich halten. Es muß zugegeben werden, daß der Eintritt in den Offizier- und Beamtenstand für uns im hohen Grade wünschenswert ist, — aber nicht, weil sie ingeblich die führenden Slände sind, sondern weil die Sperrung dieser Stände eine unerträgliche Beeinträchtigung ^unserer staatsbürgerlichen Stellung' bedeutet, eine dauernde Minderung unseres Ansehens, nicht" nur in den Augen der Andersgläubigen, sondern auch in unseren eigenen Augen, vor allem in denen unseres Nächwuchses. f Die Ansicht, der Offizier- und Beamtenstand sei der führende Stand, ist nur zu begreifen unter dem Gesichtswinkel des jüdischen Bürgers in den kleinen und mittleren Pr«vinzialstädten. Dort, wo der Ober¬ oder der Regierungspräsident die Zivilspitze und der kommandierende General oder der Divisionär die Mililärspitze ist, wo die Mitglieder der Regierung «der das Offizierkorps eine gesellschaftlich von den übrigen. Bürgertum geschiedene Kaste bilden, wo der Kaufmann sich geschmeichelt fühlt, wenn Exzellenz oder, Herr von so und so eine Bestellung bei ihm macht, wo der Redakteur des Lokalblattes stolz darauf ist, von Zeit zu Zeit eine Personalnachricht aus jenen exklusiven Kreisen in die Oeffentlichkeit lancierer zu dürfen, dort kann die Meinung aufkommen, der Verwaltungsbeamte oder der Offizier sei der führende Mann. — Aber gehen Sie mit offenen Augen im übrigen Deutschen Reich umher und sehen Sie sich um: wer sind die führenden Männer bei une, die Männer von Einfluß und Autorität, deren Wort gehört und deren Leben beichtet wird? Auf dem platten Lande.ohne Zweifel der Grundbesitzer, der im Kieise eingesessene Eigentümer, der sein Gut nach großen Gesichtspunkten bewirtschaftet, der zahlreichen Menschen Arbeit uni Br«t gibt. Auf ihn wird Rücksicht genommen; er wird befrag», auch von der Regierung; er nimmt die gesellschaftliche Stellung ein, die ihm zukommt Gewiß, er ist in den meisten Fällen auch Reserve- oder Land weh roflizier, aber er hat seine überragende Position, nicht weil er Offizier ist, sondern umgekehrt suchen die Offizierkorps eine Ehre — 134 -