Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 9 - Oktober/November
- Date
- 1917-10-01
- Page
- Seite 128 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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keit und Unerschrockenheit des dcuischen Gelehrten des reichen Anteil dargelegt, welcher dem Judentum an der Kulturarbeit des Menschengeschlechtes gebührt.* Sie priesen das Oeschicbtswak, „in welchem der Genius des israelitischen Volkes in seinem vollen Glänze sich offenbart und in seiner inneren Entfaltung, wie in seiner Einwirkung auf die Entwicklung der Menschheit zutage tritt" Die moralische Wirkung und der wohltuende Einf uß, die das Geschichtswerk von Graetz auf unsere Gemeinschaft ausgeübt, waren mächtig und tiefgreifend und machten sich auch ba'd bemerkbar. Dieses echtj idische Buch hat in die vertrockneten Adern der jüdischen Bekenner frisches Blut gegossen und sie zu neuem Leben erweckt. Viele, die dem Judentum^ nur noch dem Namen nach angehörten, die ihm teilnahmslos, kalt gegenüberstanden, und die nur infolge des Beharrungsvermögens in unserer Mitte verblieben, kehrten mit Begeisterung zu uns zurück, -4 Insbesondere hat Graetz mit seinen historischen Schriften die jüdische Jugend in Deutschland sowie in den anderen Ländern aufgerüttelt und sie lür das Erbe der Väter begeistert. Es ist sicherlich kein Zufall, daß noch zu Lebzeiten Graelzens in Breslau, an der Wirkungsstätte dieses großen Lehrers in Israel, d>e erste jüdische Studentenverbindung (Viadrina) gegründet wurde, deren Mitglieder sich eifrig mit der jüdischen Geschichte und Literatur beschäftigten. Zu dieser neuen Gründung bat Graetz seine Billigung ausdrücklich ausgesprochen, da er mit dem intuitiven Blick, der ihm eigen war, voraussah, daß aus diesen jüdischen Studentenvereinen aufrechte, bewußte, opfermutige und kampfbereite Manner hervorgehen würden, die neben ihrer Liebe zum Deutschtum die Fahne des Judentums hochhalten werden. — In weiten jüdischen Kreisen machte Sich dann das Bedürfnis nach einer gediegenen, vertieften Kenntnis der jüdischen Geschichte und Literatur immer - mehr fühlbar. Infolgedessen wurden bald die „Vereine für Geschichte und Literatur* ins Leben gerufen, die die Aufgabe haben, durch die Pflege der jüdischen Geschichte unsere Glaubensgenossen mit Selbstachtung und jüdischem Selbstbewußtsein zu erfüllen. Auch die im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderls erfolgte Begründung der verschiedenen Organisationen zur inneren Sammlung und Veredelung des Stammescharakters, zur Abwehr und Verteidigung des Judentums sind auf die Wirkungen, die aus dem Geschichtswerk von Graelz ausstrahlten, zurückzuführen. Denn Graetz hat — wje es in einer .Huldigungsadresse einer Gemeinde beißt — „unserer Jugend in farbenreichen Gemälden die Bilder aus der jüdischen Vergangenheit entrollt und die kommenden Geschlechter an die Schuld gemahnt, die das Vermächtnis hoher Ahnen ihnen auferlegt"] . Neben seinen historischen Arbeiten hat Graelz auch die Bibelforschung *) gefördert und die hebräische Sprachwissenschaft bereichert sowie zu Streit- und Tagesfragen lebhaft Stellung genommen. (Siehe Jos. Meisl a. a. O.) 'Seinen Weltruf und seine Volkstümlichkeit aber hat er sich hauptsächlich durch sein großes Geschichtswerk erworben. Mit diesem nicht hoch genug anzuschlagenden Geschenke hat er die Judenheit der ganzen Welt bis in die spätesten Geschlechter zuewigem, unauslöschlichem Danke verpflichtet Denn dieses Buch bedeutet für uns „einen Waffensaal, eine Zuflucht und Schutz wehr, Trost im Leiden, Kraft im Dulden, eine Pflanzstätte der Hoffnung, einen Jungbrunnen der Zuversicht". •j Bei seinem Bibelwerke „Emendationen ...", mit dessen Veröffentlichung Oraetz wenige Monate var seinem Heimgänge begann, hatte ich den Vorzug, als Korrektor mitzuarbeiten und die kindliche Freude mitzuempfinden,, die den greisen Autor beim Forttchieiten des Druckes erfüllte. F.. Bericht über die 130. Generalkomitee-Sitzung, Sonnabend den 8. September 1917, aberdi 8'/, Uhr, in den provisorischen Logenräumen Kantstr. 8 Br. Greßpräsident Timendorfer eröffnet um 8 >/, Uhr e Sitzung und begrüßt die erschienenen Brüder Alexander-Kalz, Apfel, Baerwald, Baumann, Beer, Cehn, Coldschmidt, Heinemann, Hirsch, Kuznitzky, Lang, Lewinsky, Liebhold, Lisser, Merzbach, Moritz, Nußbaum, C llendorff, Peiser.P S .ein. Entschuldigt fehlen die Brüder August, Ginsberg,. Jeselsohn, und Wolf. Mit herzlichen Worten begrüßt Br. Großpräsident auch den anwesenden Vizegroßpräsidenten des öster. reichischen Distrikts Br. Dr. Edmund Kohn-Wien, der ck,Schleyer,Schulhöfer,Maximilian als Vertreter seines Distriktes an der Sitzung teilnimmt- 128 — I-