Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 9 - Oktober/November
- Date
- 1917-10-01
- Page
- Seite 127 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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«der Juden", umfassend die Zelt vom Untergange des jüdischen Staates bis zum Abschlüsse des Talmuds, ■4. i. vam Jahre 79 bis etwa 550 der ablieben Zeitrechnung. Diese Veröffentlichung erregte greßes Aufsehen; man hatte den Eindruck, vor einem gewaltigen .literarischen Ereignisse zu stehen, und man wußte nicht, was van an dem Verfasser zuerst bewundern sollte: die tiefgründige Gelehrsamkeit, die meisterhafte Stoffaeherrsebung den weiten.'divinateriscben Blick, die geniale Kombinationsgabe oder die hinreißende Erzählerkunst. Mit Spannung erwartete man die weiteren Bände, deren neun in kurzen, Zwischenräumen bis 1870 folgten. Nur der erste Band, der die [Urgeschichte Israels umfaßt, ließ ejnige Zeit auf sich warten, da der Verfasser den Wunsch hegte, das Land der Väter, dessen Geschichte er schreiben sollte, vorerst mit eigenen Augen zu sehen. — Das Geschichtswerk von Graeiz erwarb sich durch seine Vorzöge eine große Schar von Freunden und Verehrern; es erfuhr aber auch zahlreiche Angriffe und / war von rechts und links in unserer eigenen Mitte wie auch von nichtjüdischer Seite. Manche Ausstellungen sind zum Teil auch berechtigt, aber die Kritiker vergaßen, daß trotz der „Geschichte der Israeliten" von Jost nur spärliche Vorarbeiten vorhanden waren, und daß Graeiz noch sehr viele Bausteine mühsam zusammenzutragen und zu ordnen hatte. Da waren Fehler und Irrtümer unvermeidlich. Wer sich der Mühe unterzieht, die Noten am Ende, eines jeden Bandes sorgfältig zu studieren, der wird den immensen Fleiß, die staunenerregende Arbeit % dieses gattbegnadeten Forschers ermessen können. Graelzens Geschichte war nicht nur für einen kleinen Kreis von Gelehrten berechnet, sondern für jeden gebildeten Menschen und insbesondere für jeden lernbegierigen Volksgenossen. Darum vermied Graeiz mit Absicht, „die gelehrten Gerüste zu zeigen, an ■denen er seinen Bau in die Höhe gezogen hat. Er verwies den Troß mit der Munition hinter die Front, das oft bewunderungswürdigste Beiwerk in gelehrte Exkurse und Neten am Schlüsse des Buches." Graetz schrieb seine Geschichte mit der Glut seines Herzens, und die Hammende Begeisterung, die den Verfasser beseelt, teilt sich dem Leser mit Die «unvergleichliche, lebendige, frische Darstellung packt und reißt den Leser hin, erwärmt ünd begeistert ihn für das Judentum, das der Meister selber über alles «Siebte, an denen glorreiche Zukunft er fest und unaaschütterlich glaubte. Oradezu zu einer Prophetenu rede voll KraftfcSchwung und Leben gestaltet sich sein zündendes Pathos, wenn er von der Zukunft Israels spricht und dem messianischen Gedanken des Judentums Ausdruck verleiht. ' „Ich gestehe übrigens — so schließt Graetz das Vorwort zu seinem ersten Bande — „daß mich die Liebe zu dem Valke, dem ich durch Geburt und Ueberzeugung angehöre^ bei der Ausarbeitung geleitet hat; ich hoffe'aber, daß der Leser finden wird, daß diese Liebe mich nicht zu Parteilichkeit und Beschönigung verleitet hat." Diese heiße Liebe zu Israel wurde Graeiz von seihen Glaubensbrüdern mit Liebe reichlich vergalten. Kein Gelehrter oder Schriftsteller hat sich einer solch allgemeinen Liebe, Würdigung und Verehrung in ganz Israel erfreut wie Graeiz. Sein Geschichtswerk erlebte mehrere Neuauflagen und wurde ins Hebräische, Englische, Französische, Russische, Ungarische und nach seinem Tode auch ins Jiddische! übersetzt.') Dazu kam seine „Volkstümliche Geschichte der Juden" in drei Bänden, von der eine billige Ausgabe hergestellt werden mußte, um der großen Nachfrage zu'genügen.—Sein 70. Gebar'stag gestaltete sich zu einem Ehren- und Festtage für die Bekennerschaft des Judentums auf dem ganzen Erdenrunde.i Nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus allen Ländern der alten und der neuen Welt, selbst laus Australien, liefen zahlreiche Huldigungsdepeschen und telegraphische Olückwünsche ein. Neben'einer in klassischem Hebräisch verfaßten Adresse aus* Wilna wurden dem Jubilar Adressen aus den verschiedensten Größgemeinden . überreicht. In diesen dankten die Gemeinden.dem Meister, der „die Geschichte des jüdischen Volkes auf seinem tausendjährigen Schmerzenswege mit. dem warmen Herzblut des Sabnes geschrieben! und mit der Gründlich- *) Orac tz, d<r das Jiddische in seiner Jugend vielfach gel ort .und vielleicht auch selbst gesprochen bat, betaß eine große Abneigung gegen diese Sprache. Er nannte sie: „ein lach erreget eres Kauderwelsch, ein unverständliches Gelalle." — Als er im Jahre 18S8 von russich-jüdischen Kreisen ersucht wurde, die Erlaubnis zu einer Ueberiefzung seiner „Volkstümlichen Oetchichle" ins Jiddische zi erteilen lehnteer dies mit Entschiedenheit ab. Ina einem Antwortschreiben an Dr.Skomorowski, Kiew, das Graeiz uns, seicen Schillern, zeigte, spielte er auf einen Ausspruch des Patriarchen Rabbi Jehuda Ha- Natsi an: „Im Lande Israel die syrische Sprache wozu? entweder die heilige Sprache oder die griechische (Baba Kama 43a)". Diesen Ausspruch wandte er auf das an ihn ergangene Ersuchen an und meinte, daß seine Geschichte nur ins Hebiäiscfce oder fn eine Lindessprache überie'zt weiden solle, nicht aber in eine Mischsprache. 137 — ".'-■) -1'