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Bericht der Großloge für Deutschland · 1917-10-01 · Nr. 9 - Oktober/November · p. Seite 126

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1917
Issue
Nr. 9 - Oktober/November
Date
1917-10-01
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
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Heinrich Graetz. Zu seinem hundertsten Geburtstage (31. Oktober 1917). Von Br. E In einer Feslbelrachtung zu S. J. L. Rapoports hundertstem Geburtstage, des Erweckers und Mitbegründers 4er jüdischen Wissenschaft, zeichnet der unvergeBIiche David Kaufaeann die Bedeutung der Geschichte für Israel mit folgenden beredten Worten: ^Sie ist die Quelle unserer Verjüngung, der Brunnen, aas dem wir Leben schöpfen und Fortbestand, aber auch unser Bollwerk nack außen, unsere Schutzwehr gegen Verkennung und Verkleinerung. Sie schmiedet die starke Kette der Ueberlieferung,"Jdie in» an unseren Ursprung schließt, sre hält die Esse warm, aus der die Glut der Ueberzeugung und Gesinnungstreue Strömt, und in der das Eisen gehärtet wird, gegen Angriff and Uebertal!" Diese Charakteristik trifft aüfadie „Geschichte der Juden" von Heinrich Graetz in besonderem Maße ia. -H- ~ . * Aus dem Leben dieses Geistesheros, den eine gütige Vorsehung unserer Glaubensgemeinschaft zur rechten Zeit erstehen ließ, seien einige Daten ktirz hervorgehoben.') , Graetz wurde in Xions, einem kleinen, armseligen Städtchen in der Provinz Posen, am 31. Oktober 1817 geboren. Seine Jugend, seine Lehr- und Wanderjahre bilden eine ununterbrochene Kette von Kämpfen mit Schwierigkeiten, Entbehrungen und Hemmungen mannigfacher Art. — Nachdem er die Chederschule in Zerkow beendet hatte, kam er in seinem vierzehnten Lebensjahre nach Wollstein in der.Provinz Posen, um dort beim Ortsrabbiner dem Talmudstudium obzuliegen. Nebenbei erwarb sich dar begabte lerneifrige Kaabe ohne jede Anleitung aus Büchern verschiedene Kenntnisse aus den profanen Wissenszweigen. Sein Plan, nach Prag zu gelangen, wehin zu jener Zeit . I. Bd. ' und * Literatur über Oraetz : Rippner: Heinrieb Oraetz (abgedruckt der Geschichte der Juden von Oraetz). Philipp Bloch: Heinrich Oraetz, ein Lebens >£jZeitbiH. Posen 1904. *tj2 M Brann: Geschichte des jüdisch-theal. Seminars in Breslau, FestscbriM zum fünfzigjährigen Jubiläum der Anstalt, Breslau 1914. tl □ r a e t z : Aus dem Leben des Prof. Dr. Graetz, in „Ost und West". 1904, Heft 11. '. D. Kaufmann: Gesammelte Schritten Bd. I fürt a. M. Ifta. Jesef Meisl: Heinrich Oraetz, eine Würdiguag Historikers uad Juden zu seinem 100. Oeburtstage, Berlin 1917, Verlag Louis Lamm. Fjankdei Finkel. viele Talmudjünger zogen, um dort ihr theologisches und weltliches Wissen zu vervollkommnen, scheiterte an dem Mißgeschick, daß er außer Stande war, den Wächtern an der österreichischen Grenze die damals vorgeschriebenen zehn Gulden in bar vorzuzeigen. Er mußte daher unverrichteter Sache in die Heimat Zurückkehren. Um seinen Durst nach Bildung und Wissen zu stillen, wandte er sich in Samson Raphael Hirsch, den damaligen! Rabbiner von Oldenburg, dessen „Neunzehn Briefe über das Judentum" ihn begeisterten, und bot sich ihn] als Schüler an. Von Hirsch aufs herzlichste eingeladen, kam Graetz im Mai 1837 nach Oldenburg, wo er im Hause seines Lehrers als Famulus drei Jahre verblieb und sich für das Universitätsstudium vorbereitete. Im Jahre 1842 bezog er die Universität zu Breslau, wo er historische, philosophische und orientalische Studien trieb und promovierte im April 1845 zu Jena. Seine mit Freimut und Kühnheil, mit Witz und Laune geschriebenen und in der Zeitschrift „Orient" abgedruckten Berichte über die in da Breslauer Ge raeinde tobenden Parteikämpfe, seine Bücherbesprechungen im „Literaturblatt" des „Orient", insbesondere seine erweiterte Dissertation „Gnostizismus und Judentum", die im Jahre 1846 erschien, sowie seine gediegene Abhandlung über die „Konstruktion der jüdischen Geschichte" brachten dem ju igen Gelehrten verdiente Beachtung und wachsende Anerkennung ein. Nach einer mißglückten Oastpredigt in Qleiwitz und nach einer kurzen Amtstätigkeit als Leiter einer öffentlichen S*ule in Lundenburg In Mähren, die ihn nicht befriedigte, ließ er sich im Jahre 1852 in Berlin nieder, um sich ganz der Wissensch ift zu widmen. Die Ergebnisse seiner Forschungen veröffentlichte er in der von Dr. Zacharias Frankel begründeten „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums". Dadurch hatte Frankel Gelegenheit, das Wissen des jungen Gelehrten immer aaehr zu schätzen und veranlaßte seine Berufung als Dozenten an das neu begründete „Jüdisch-Theologische Seminar" zu Breslau, wo er fast 38 Jahre bis zu seinem am 7. September 1891 erfolgten Tode zum Segen und Ruhme dieser Anstalt wirkte. Noch bevor Graetz sein Amt antrat, erschien von ihm im Jahre 1853 der vierte Band seiner „Geschichte -126-

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