Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 8 - September
- Date
- 1917-09-01
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
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- Isaiah 1× ep/1005097
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II blieben ist, das wir durch den Lauf der Geschichte immer neu erworben haben, um es zu besitzen, kann auch ihm nicht völlig verloren gegangen sein, muß vielmehr nach .ewigen, ehernen Gesetzenlauch in ihm im tie'sten Gruude der Seele fortwirken. Freilich, die prophetischen Verbeißungen der mtssianischen Zeil unter dem Bilde: „Sie werden umschmieden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Lanzen zu Winzermessern," Sind in dieser furchtbarsten Katastrophe, die je über die Menschheit hereingebrochen ist, in ihr Gegenteil verkehrt: was sonst jdem friedlichen Leben diente, wird in Schwert i^mJ Kriegsgerät umgewandelt. Aber das kann unsere Zuversicht nicht "umstürzen. Wird denn nicht gerade jetzt, mittenin dem mörderischen Kampfe, ernster und lauter als je, ja vielleicht zum ersten Mal, ein Bund der Völker gefordert? Dringt-nicht dieser Ruf ebein jetzt vom Throne, des Oberhauptes der katholischen Christen-' heit schwerwiegend in die;We't? Untl das ist ja das Gebet, das seit Jahrtausenden an den beiligsten Tagen;des Jahres ach aus der Seeje j gant Israels emporringt, und auch an diesem.Neujahr: wierden es Millionen und Millionen"von Juden, nur inbrünstiger denn je, zum Himmel emporsenden, „daß Gattesfurcht die Menschen erfülle, daß sie | alle einen Bund bilden," und unsere tapferen,! todesmutigen Brüder draußen im Getümmel der Schlachten werden .11 sich wiederum mit uns in diesem Gebete vereinen. Was für uns Juden aus alledem folgt? Zunächst, daß wir daraus S'ärkung für unser Bewußtsein schöpfen können, daß das Judentum noch eine große Aufgabe in der Welt zu erfüllen hat Es ist die Sendung seiner Bekenner, Träger der reinen Qottesidee, Träger der Menschheitsidee zu sein, und daß diese Sendung-noch nicht .erfüllt ist, hat nichts schauerlicher als dieser Krieg enthüllt. Der; Begriff der Menschheit, den noch lange nachher i die größten griechischen Philosophen nicht kannten; ist von den Propheten entdeckt worden. Seine Wurzel hat er allerdings schon in der biblischen Schöpfungsgeschichte, die alte Geschlechter der Erde von einem Menschenpaar abstammen, und den Menschen im Ebenbilde Gottes geschaffen sein läßt*) jSo werden Gottesidee und Menschheitsidee einander! kprrelat, und *) bjti-diese Arscbauung. durchaus vor lehrern geteilt wird, ergibt sjch u. a. aua auf-den übrigens, Br.'F i h k e I. beim Lesen satzes hingewiesen,' hat'. Darin wird ei zwischen R. Akiba und Ben-Asai mitgeteilt ertteren wird" der Ausspruci überliefert einem Du den Talmud- Midrasch, dieses! Auf- Kontrdverse Von dem sollst deinen aus der Bibel, dem teuersten Kleinod, das „das Volk des Buches", wie Israel genannt ward, in die Zerstreu ung unter den Völkern hinüberrettete, mußte in die Weltanschauung des Juden eine weltbürgerliche Note hineinklingen. Im achtzehnten Jahrhundert galt aas Weltbürgertum als das selbstverständlich; Ideal auserlesener Geister, das jedoch allmählich dem einge engtesten Nationalismus weichen mußte. Allein Nationalismus und Kosmopolitismus schließen einander nicht aus, vielmehr ergänzen sie einander. Letzterer kann freilich nur auf dem Boden des ersteren erwachsen,-aber er ist wohl der Gipfel der Menschheftsentwicklung. Und es ist ein großer Irrtum, «zu wähnen, daß weltbürgerliche Anschauung die Vaterlandsliebe irgend beeinträchtigen müsse. Gerade das Gegenteil scheint uns der Fall zu sein. Denn wenn die Vaterlandsliebe sich vor allem in der Sorge um das Wohl des Vaterlandes bekundet, so kann dieses -auf keine andere Weise besser gewahrt werden, als wenn atichj die Umwelt sieb in einer gleich glücklichen Lage befindet, so daß von ihr dem Vaterlande keine Störung droht. Und |so heißt das Wohl der Völker zu er streben, zugleich das Wohl des Vaterlandes fördern Die Sendung Israels, von der wir oben sprachen, ist wahrlich leine moderne Erfindung; sie bildet las Mark und, die Rechtfertigung der Mahn-, Straf- und Trostreden der Propheten; sie ist der Sinn der Aüserwähltheit Israels, die in der göttlichen Verheißung durch den Mund des Propheten Jesaja: „Ich mache Dich zum Licht.der "Völker," ihren prächtigsten Aus druck gefunden hat. Man hat sie als Hochmut verschrieen und mit billigem Spott belegt. Allein, wei nicht am Buchstaben klebt, sondern in die literarischer Denkmäler einzudringen und die Stimme der Ge schichte zu hören vermag und gewillt ist, der weit! daß dieser Begriff fern von jeder Perspektive materi eller Macht ist, daß er auch nichts gemein hat mi der öden, verlogenen Rassentheorie, die gerade it unserem Vaterlande Unheil genug angerichtet hat unc anrichtet, sondern daß er uns auferlegt, voranzu leuchten in der Erkenntnis der reinen Gottesidee unc der Menschheitsidee und alle Leiden auf uns zi nehmen, die nun einmal mehr oder weniger mit jeder großen Idee, die sjich durchsetzen Will, Nebenmenschen liebeniwie dich1 selbst (3. M. 19.18), dai ist das bedeutungsvollste Wort der Thora." Ben Asai aber sagt: „Noch bedeutungsvoller als dieses ist der Sa[tz: „Dies ist das Buch der Geschlechterfolge d e s Menschen," da —so lautet es weiter im Te^ct — Oott den Menschen schuf, hat er Ihn in Qottesk-Eben>ilde gemacht (I.'M.S, )Y — ltfj — :