Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 7 - August
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 103 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueberdenke ich all die Gaben, die mir im verflossenen Jahre für unsere Loge überreicht worden sind, dann fühle ich' einen Hauch von jener beglückenden Empfindung, die den selbstlosen Geber beherrscht, und ich kann den Wunsch auszudrücken mir nicht versagen, daß die Wohltätigkeit auch ferner hin die starke Stütze unseres Hauses bleiben möge. Das gesamte Vermögen zeigte am 31. März 19|7 folgendes Bild: Simon Hamburger Fond M Nathan Littauer " Albert und Herrmann Hamburger Fond Leopold Scheyer Witwen und Waisen Heimstiftung der Loge Ferien-Kolonien jahrzeitkasse Unterstützungifond Kriegshilfsfond <>00.- f- 500. - 10000.- 5C00. „ 7824,16 4930.- 554,10 325.— 358,49 3166,84 insgesamt M davon geht.ab ein Fehlbetrag im;Logenfond M somit beträgt das tatsächliche Vermögen ' M 33 258.59 310,62 32^48,97 Die Wohltätigkeit habe ich eine wichtige, aber eine leicht zu übende Tugend genannt, leicht, weil bei ihrer Ausübung in der Regel nichts vom eigenen Selbst geopfert zu werden braucht: das liebe Ich leidet nichts an Einbuße, die Leidenschaft braucht nicht gezähmt und nicht zurückgedrängt zu werden. Das aber bedingt die einträchtige und brüderliche Gesinnung und Tat. Wohl kann ich berichten, daß hier in unserem trauten Tempel kaum ein Wort dir Leidenschaft, des Unfriedens von den Lippen kam. Gegensätzliche Meinungen wurden in vorbildlicher Weise erledigt, nicht trat jene üble Rechthaberei zu Tage, die ein hervorstechender Fehler unseres Stammes sein soll. Mit dieser Feststellung ist viel gesagt, doch umfaßt sie nur einen geringen Bruchteil Begriffs der Brüderlichkeit. Hier sind wir Stunden im Jahr«laufe beisammen, hier findet der Widerstreit der weitverzweigten persönlichen Interessen nicht Nahrung und nicht Raum, anders aber da draußen im Getriebe des Alltagslebens. Da ist zu wünschen, daß jeder sich in Selbstzucht nehme, zu bedenket, daß erst im Kampfe um Ehre und Dasein sich die rechte Brüderlichkeit zeigen kann, da hat jeder bestrebt zu sein, daß die Leidenschaft gebändigt wird, daß man nicht Richter und Vorsehung über den Bruder zu spielen hat, und da ist endlich die Weisheit des größten deutschen Dichters großer, kluger Mutter zu beherzigen, Auge und Zunge nicht auf die Schwäch en, sondern auf dieVorzüge der ant, uiid il des dem einzustellen: Brüderlichkeit und Eintracht. — Wohl mag in dieser Beziehung noch, viel, gar viel zu tun übrig bleiben, aber mir will es doch scheinen, dal: von Jahr zu Jahr mehr und immer mehr sich der eine mit dem Schicksal des andern verwoben fihlt, daß des einen Leid vom andern im Busen empfunden wird, daß wir uns durch feste Bande aneinander gekettet wähnen. Das haben w ir in jener Stunde gefühlt, als wir von dem tragischen Schicksal unseres 1. Bruders May er erfuhren, als wir.klagten um den . H e 1 d e n t o d unseres I. Bruders Dr. S ü ßui a n n — u kI doch waren sie nur Stundea und Tage die Unsern gewesen. Was Wunder, daß unsere" Klage lauter (orte, als einer, mit dem wir gewissermaßen die Jug :r d unseres Logendaseins durchleb! hatten und mit dem wir hinein ins ernste Mannesalter geschritten waren, v )ii uns ging: Bruder Expräsident Professor G ra e t z. Ergriffen wie Brüder standen wir -an seirer Bahre, 'bewegt hörten wir in jener Sitzung, die seinem Gedächtnis gewidmet war, aus Freundesmunde über die ' Os judenfrage, dije Arbeit, die uns von dem-jäh Dali ^geschiedenen bestimmt war. Gott gebe diesen Brüdern allen den ewigen Frieden und bewahre uns v jr fernerem Leid! Doch das Leben ist hart,: ein Kampf, e<n Krieg: ei fällt der Tapfere vor-dem Feinde, die Wunde brennt, die Lücke klafft; doch die Reihen schließen sich wieder, und neue, mutige Krieger stehen am Platze derer, die Idahin sind. So konnten auch wir ia unserer Bruderschaft neue Freunde begrüßen und . T ' ■ ' ii 11 unsere Gemeinschaft feierlich aufnehmen, drei Freunde, die gewillt sind,' mit. uns zu streben und zu arbeiten und uns den schweren Verlust, der uns betroffen, zu ersetzten. Noch immer kann ich das Buch, das von der Brüderlichkeit handelt, nicht schließen, noch einmal r luß ich darin lesen. So unzertrennbar sind die geschlungenen Bande, daß wir uns nicht in jenen Mor aten, die der Erholung gewidmet sind, trennen wollten. Wir fühlten einhellig' das Bedürfnis, auch während der Ferien unsere Sitzungen, wenn auch in zwangloser Weise, fortzusetzen und uns immer in dieser ernsten, schweren Zeit nahe zu sein — und nicht nur die hiesigen Brüder, auch die aus der Ferne nahmen an diesen Zusammenkünften teil; wissen doch auch diese, daß wir zu ihnen stehen! Das haben wir wieder gezeigt, als wir vor nunmehr Jahresfrist in großer Schar die Reise zu ihnen antraten, und diese Wanderloge in Seesen gehört mit zu unseren reudigen Erinnerungen. Bruder Strauß gab uns aus - 103