Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 7 - August
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 97 (sequence 5)
- Language
- German
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die anderen aber sind und bleiben fremd. Was ist zu tun? , Neue Ausschüsse und Komitees werden kaum daran etwas bessern können. Ein hoffnungsreich es M i tt el sehe ichin der Arbeil an uns selbst Wenn die maßgebenden Logenkreise sehen, daß während ihrer Skatpartie andere Brüder sich überflüssig vorkommen, dann müßten sie im Interesse des Ganzen manches Mal auf ihr eigenes Vergnügen verzichten und die Geselligkeit derart gestalten, daß im gemütlichen Gespräch sich alle an der Unterhaltung beteiligen; es müssen die Tische zusammengerückt werden; die hohen Fragen des Ordenlebens müssen in zwangloser Unterhaltung weiter behandelt werden; die Stunden der Geselligkeit sollen dort Fortsetzung halten, wo die Fragen im Arbeitsraume abgebrochen wurden. Nicht die Sorge für das eigene Wohl, sondern die liebevolle Rücksichtnahme auf das Wohl der andern muß eine bedeutungsvolle Rolle spielen, muß den Ben Briss vor anderen Israeliten auszeichnen. Hier hat der Beamtenrat ein großes Feld vor sich.. Sehen die Brüder, daß sie beachtet werden, daß man sie nicht gerne von der Bildfläche verschwinden sieht, dann werden sie sich w*hl fühlen und werden gern die Mußestunden im Bruderkreise verbringen, sie werden sich nach dem Tage der Logensitzung sehnen und nur selten fehlen. Es dürfte nicht vorkommen, daß an den für die Loge bestimmten Abenden — hier spreche ich von kleinen Logen — Privatfestlichkeiten stattfinden, die einen größeren Teil der Brüder dem Logenraum entziehen, so daß die übrigbleibenden sich vereinsamt zurückgesetzt fühlen. Es dürfte nicht vorkommen, daß aus den Kreisen der Brüder ausgewählte Männer sich zu besonderen Vereinigungen zusammenfinden, zu denen manche Brüder nicht hinzugezogen werden. Es dürften sich nicht in den Räumen der Geselligkeit Zirkel und Konventikel zusammenfinden, die den Anschein erregen, als ob es zwei oder drei Klassen in der Loge gäbe. * Das scheinen Kleinigkeiten, unbedeulende Dinge zu sein, sie aber tragen sehr viel zu augenblicklichen ■ und dauernden Verstimmungen bei und dürfen deshalb nicht übersehen werden. Man müßte des demokratischen Charakters unserer Logen eingedenk bleiben, daß die Zugehörigkeit zum Orden und die damit gewährleistete Ehrenhaftigkeit dem Bruder die Oleichberechtigung mit anderen verbürgen muß.! ' :. - Ur Es ist ja richtig, daß die Verschiedenheit der Sande nicht aus der Welt geschafft werden kann, dall der Millionär wenig Berührungspunkte mit dem V anne findet, der sich sein ] bescheidenes Brot mit Kummer und Sorge erwirbt, daß der Gelehrte wenig Gesprächsstoffe zur Verfügung hat, diejden einfachen" Bruder interessieren können; abwr der eine große Gedanke müille doch gerad« die höher Stehenden bewegen, über den unvermeidbaren Gegensätzen das Gemeinsame, alle Umfassende herrzuhe b e n u n d zu unterstreichen, was so formvollendet und schön in unserem Rifual gesagt ist. Aber auch hier kommt uns der alte Satz i 1 Erinnerung: Worte, Worte, nichts als Worte, wann qndlich werden wir die Taten sehen? I. . Es liegt dem Schreiber dieser Zeilen fern, irgend jemanden verletzen zu wollen, aber er hat doch die efürchtung, daß sie ihai 'anstatt der Anerkennung ines ernsten Wollens manche Mißdeutung einbringen önnten Wäre dem aber so, dann müßte dies nur ine Bestätigung seiner Anschauungen sein; denn orte brüderlicher Liebe und Treue, auch wenn sie eisen Tadel enthalten, dürfen in .einem Bruderu n d e nicht mißverstanden werden. Wollen wir bessern und-einen wirklichen ersprießic len Logenbesuch aller Brüder erzielen, dann dürfen wir uns nicht scheuen, von Offenbaren' Fehlern offen und ehrlich zu sprechen und sie zu erkennen. Einige solcher der Besserung bedürftiger Punkte mögen hier angeführt sein. Ist es richtig und für das Logenleben zuträglich, daß gewesene Beamte und Expräsidenten, sobald sie nicht mehr im Amte sind, fortgesetzt die Arbeitsstile meideü, daß die Männer, die vermöge ihrer, K aft und Begabung die Loge h a 11 e n sollten, sich plötzlich zurückziehen? Mir sind eini je solcher Fälle bekannt. Dem jungen, begeisterten, eben erst in den Orden getretenen Bruder kann solche > Beispiel kaum bewundernswert oder nachahmungswürdig erscheinen. Ich glaube, daß gerade die gewesenen Beamten den Grundstock] des Logenlebens bilden müßten, daß d irch häuiige Neuwahlen djeser Grundstock sich virstärken sollte, daß jedem Bruder, die Stufenleiter zur höchsten Würde offenstehen könnte, und daß man n chts so sehr zu scheuen hat wie eine Beamtenh erarchie. Der Platz in 'der Reihe der einfachen Brüder müßte jedem ebenso ehrenvoll erscheinen wie der des kurulischen Sessels. Wohl weiß ich, daß nicht jeder Bruder sich zum höchsten Amte, egnet, aber systematisch zurückhalten ist ungerecht