Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 7 - August
- Date
- 1917-08-01
- Page
- Seite 96 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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bekennt, daß er „auf. dem Boden der Evangelien steht". So kann leein Jude sprechen, der sich der Eigenart der jüdischen Sittenlehre Idar bewußt ist und die besondere Form der christlichen Ethik kennt Die beiden Grundsätze, auf denen die ethischen Normen des Judentums ruhen, haben im Christentum eine entschiedene Umbildung erfahren. Das Prinzip der Gerechtigkeit ist in ihm seiner Wucht und Strenge entkleidet, und der biblische Gedanke der Menschenliebe ist ins Schwärmerische gesteigert und überspannt Die Selbstsucht, die im Judentum eingedämmt wird, gilt in) Christentum als sündhaft Im Gegensatz zur Diesseitigkeit des jüdischen Glaubens, der die Kulturarbeit und die Bildung der sittlichen Persönlichkeit, die sich in ihr vollzieht, als die wesentliche Aufgabe des Menschenlebens hinstellt, blickt die religiöse Sehnsucht des Christentums über die Welt hinaus ins Jenseits. Jüdische und christliche Ethik sind demnach zw« grundverschiedene Typen des sittlichen Wertens un Empfindens. Uns Juden aber ist es eine unentreißbar Gewißheit, daß die maßvollen sittlichen Forderungen der Bibel und ihre ethischen Hoffnungen, weil sie mit der Natur des Menschen und den Bedingungen des Lebens im Einklang stehen, den wertvollsten Besitz der Menschheit bilden und die höchste und reinste Form der sittlichen Wahrheit darstellen. Nicht deshalb, weil das Judentum uns mehr Freiheit als das dogmatische und kirchliche Christentum seinen Bekennern läßt, halten wir an unserem Glauben fest, sondern weil wir uns als Träger der religiösen and sitt liehen Wahrheit fühlen und die Pflicht empfinden, die Lebensarbeit unserer Väter fortzusetzen. Hebung des Logen besuch es ' Von Br. Rabbiner Max Ein unerschöpfliches Thema ist für den aufrichtigen Ben Briß die immer zunehmende Klage über den mangelhaften Logenbesuch. Diese Tatsache muß auf offenbaren Fehlern beruhen, welche von allen Seiten begangen werden. Höchst dankenswert ist der Großloge, daß auch andere Brüder sich an der Erörterung dieser Frage beteiligen sollen. Mit Recht bemerkt Br. David Fürth in Nr. 8 des Großlogenberichtes(1916), die Hauptschuld liege daran, daß die Brüder bei ihrem Eintritt in den Orden sich von dem herr- * .. 'II liehen Gedanken bewegen lassen, in einen Kreis zu kommen, in welchem man echte Freundschaft, liebevolles Verständnis, edlen Umgang finden und pflegen kann, in welchem man Vergessenheit findet von den Leiden und Sorgen des Alltags, in welchem man sich mit höheren Dingen beschäftigen darf und dadurch leicht an seiner eigenen Veredelung; arbeiten kann. Diese Voraussetzungen erweisen sich aber leider sehr oft als falsche; sie haben allenfalls Geltung für die kurzen Augenblicke der Arbeitszeit. So wie sich die Tür des Tempels hinter den Brüdern schließt, gehen alle mehr oder minder fremd an einander vorüber, besonders in großen Logen, wie Br. Fürth richtig bemerkt Kleine Kreise sind es höchstens, die sich •J Vergt. Monatsberichte 1916 Nr. 8, S. 116. Ellgut he r-Neiße. zu echter Freundschaft, oder auch nur zu privater Unterhaltung zusammenfinden. Man zieht sich zum Skat oder zu sonstiger geheimer Besprechung zurück; den andern bleibt es überlassen, sich selbst überlassen zu bleiben. Einige wenige, durchdrungen von den hohen Zielen des Ordens, lassen sich dadurch nicht zurückschrecken; sie harren ans, sie suchen den Zusammenhang mit den andern dennoch herbeizuführen und bleiben treu, auch dann noch, wenn es ihnen trotz aller Bemühungen nicht gelingen will. 'Sehr viele aber fühlen sich enttäuscht; sie sehen sich in ihren Erwartungen tietrogen, und am liebsten würden sie so bald Wie möglich dem Orden wieder den Rücken kehren, wenn sie nicht eine gewisse Scheu, in ihren Motiven mißverstanden zu sein, als geizig oder unverträglich zu gelten, davon zurückhalten würde. Sie leisten aber passiven Widerstand, indem sie einfach fern bleiben und dadurch den Zusammenhang mit der Loge vollständig verlieren. Da sind es die Stiftungsfeste, die wissenschaftlichen Vorträge, die geselligen Zusammenkünfte, welche dem oberflächlichen Beobachter eine reiche Teilnahme am Ordensleben vortäuschen. Ein Stamm echter treuer Brüder bildet sich heraus, die regelmäßig bei den Arbeitssitzungen erscheinen, — 96 -