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Bericht der Großloge für Deutschland · 1917-07-01 · Nr. 6 - Juli · p. Seite 81

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1917
Issue
Nr. 6 - Juli
Date
1917-07-01
Page
Seite 81 (sequence 5)
Language
German
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und die Veranlassung an den Fundamenten unseres Ordens zu zweifeln. Ich weiß dazu nichts Besseres zu sagen als das, was Br. Mare'zki in seiner milden, von Erfahrung, echtestem Wohlwollen und abgeklärtestem Verständnis getragenen Art ausgeführt hat. „Der Orden soll uns lehren, den Sinn des Lebens besser, emster und tiefer zu erfassen." Er soll uns das Bleibende von dem Vergänglichen, das Äußerliche, wenn auch Glänzende, von dem innerlich Wertvollen unterscheiden lehren, und uns stark machen durch eine Lebens- und Weltanschauung, die dem unverrückbaren Ziel aller menschlichen Bestrebungen entspricht. ■• " , - . _ Werl diese Anschauung auf dem Boden unentwegtester Anhänglichkeit an sein Judentum j pflegt, wird durch keine Zeitströmung, durch, keine gelegentlichen Rückschläge, durch keine persönlichen Enttäuschungen dem Zweifel oder der.Verneinung in die Arn e getrieben; werden; er wird da, wo ihn das Schicks il hinstellt, feststehen und nicht beirrt werden in dem Glaupen an die still aufbauenden Mächte, deren Dienst wir uns als Brüder geweiht haben. Heroismus oder Militarismus? Eine Entgegnung auf den Aufsatz des Br. Baumann von Br. Dr. Heinemann-Fratikfurt a. X. Die Frankfurtloge halte zur Aussprache über den Aursatz d*s Br. Baumann einen Abend bestimmt und den einleitenden Bericht mir übertragen, leb war durch .einen Trauerfall am Erscheinen verhindert; die Aussprache ergab indessen, daß die J5rr. in der Ablehnuzg des Aufsatz; s vollkommen mit mir einig waren. Ich versuche im folgenden, meine Stellungnahme unter Verwertung einiger in der Sitzung vorgebrachter Momente zu begründen. Br. Baumann stellt in der vorletzten Ausgabe der Berichte der Großloge (April 1917 Nr. 4) das Judentum vor eine „Schicksalsfrage*'. Großstädtische „Degeneration und Abfall der in die Höhegelangten Schichten" bedrohen .seine Existenz. . Dagegen hilft nach Br. Baumann nur ein Mittel: wir müssen den „breiten Zugang" zu den gesellschaftlich am höchsten bewerteten Laufbahnen des höheren Regierungsbeamten und des Offiziers gewinnen und, um das zu können, unseren Charakter umbilden: an Stelle des „industriellen' Ideals, das bisher auch von den Logen gepflegt worden sei, solle das „heroische" treten. Von den. Tugenden des ersteren — Friedfertigkeit, Eintracht, Arbeitsamkeit, Intellektualilä', Wohltätigkeit—könne der heroische Typus „ein gut Teil entbehren. Unerläßlich aber sind für ihn persönliche Aufopferung Mut, Tieue, körperliche Ausbildung." Br. Baumann wünscht also nichts weniger als eine Umbildung unseres jüdischen Gemeinschaft scharakters.andtr der Orden führenden Anteil nehmen soll. Zu dieser Forderung gilt es daher, vor allem Stellung zu nehmen. Die Frage, ob das weitere Eindringen der Juden in sozial geachtete Berufe den von Br. Baumann mit Recht beklagten Ab all wirklich verringern würde, mo erör ert bleiben. / Heroismus ist Heldentum Und Heldentun zeigt sich nieht nur auf {dem Schlachtfelde, wo es übrigens der Musketier nicht minder zu beweisen hat als der Armeeführer. Heldentum ist, wie Br. Biutmnn ganz richtig bemerkt, die Bereitschaft, „seihe Person einzusetzen und sein Leben zu opfern": Dann aber hat keine Gemeinschaft mehr Heroismus bewiesen als das Judentum in jahrtausendelanger Prüfungszeit. Und weder die Rechte, die wir heule genießen, wärer. erstritten worden ohne die Unerschrockenheit, den Mut und die Selbstlosigkeit jüdischer Kämpfernaturen, noch Btünd: irgend eine fortschrittliche Bewegung da, wo sie steht, wenn nicht jüdische Männer in ihren vordersten Reihen gestritten und jene „Zivükurage" gezeigt hätten, die nach Bismarcks bekanntem Wort seltener ist als der Mut im Felde. Auch die Freude an körperlicher Leistungsfähigkeit ist, wie Br. Goldschmidt mit Recht hervorgehoben 'hat* in jüdischen Jugendvereinigungen aller Art zu berechtigter Geltung gelangt. h. \ ' Natürlich bleibt für die Erziehung der jüdischen Gesamtheit zum Heroismus noch Raum, genug. Der Jude etwa, der sich der Eigenart seines Bekenntnisses und seines Stammes schämt, der bei Beleidigungen seines Glaubens schweigt und beim Synagogengange das Gebetbuch durch behutsame Einhüllung christlichen Blicken zu entziehen sucht, ist keine ganz seltene und' gewiss keine heroische Erscheinung. Wenn also Br. Baumann etwas mehr jüdischen Stolz und berechtigte Steifnackigkeit forderte, so wäre sein Ruf nach „mehr Heroismus" sehr zu begrüßen und — 81 — ,Vy ' * C

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