Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 6 - Juli
- Date
- 1917-07-01
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
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iiimann Zeit nicht angetan, und man kann Br. Baumann nur dankbar sein für seinen Warnungsruf, wenn auch sein Blick etwas zu sehr umflort in die kommenden Tage schaut. Ob das angegebene Mittel die Heilung bringen kann? Politisch und sozial muß nach Br. Biumanri das Judentum gehoben werden, um: Ehre und Vorzug zu genießen, und teilhaftig wird es dieser beiden* Dinge werden, wenn es ihm gelingt, den breiten Zugang zum höheren Beamten und-j noch' höher - zum Berufsoffizier zu gewinnen. In unserem Vaterlande sei der heroische Typ der führende: und < i "• I das auf der Stufe eines Händlertum; mittleren Ranges stehende Judentum könne niemals hoffen, volle Geltung zu erlangen, wennes nicht Führer, Männer vom heroischen Typ, stelle. D.ese Beweisführhg ist. nicht ohne ernste Bedenken. Wir haben bisher unsere Aufgabe darin erblickt, die5 ärke und die] Dauer des Judentums auf eine innere .Neuorientierung" der edeldenkenden Israeliten zu-gründen, die Erkenntnis der unzerstörbaren Kräfte unserer Gtaubensgjemeinschaft zu verbreiten nnd zu zeigen, in wie hohem Miße unser jüdisches Ideal mit dem von allen Guten erstrebten Menschbeitsideal zusammenstimme. Jn dem Rüstzeug unseres Kampfes gänzt als starkite Watfe das Streben nach Gerechtigkeit. Sie, die immer wieder getretene, zum Triumph zu führen, muß das Ziel bleiben, für dessen Erreichung wir uns begeistern und stählen wollen. Mit anderen Worten: unser Heroismus hat sch dirin zu z;igen, daß wir verlangen, dem Staate gegenü;er als Deutsche und nur als Deutsche gewertet zu werden, s> wie es unserer Hingabe an das Vaterland, Unserer Nützlichkeit als Stattibürger entspricht.- Ist es im Sinne eines edel gerichteten Juden gehande't, wenn er nach einer Laufbahn verlangt, d.ie ihm zuiä;hst do:ti Bur vermeine* äußeres Ansehen geben soll? Könnte man nicht vielleicht mit besserer Beg ündung den breiten Zugang etwa zum Lehramt fordern und einen Juden, der würdig gehalten wird, deutsche Geschichte an einem Gymnasium zu lehren, für ebenso wünschenswert halten als einen aktiven Hauptmann oder einen lebenden Regitrungsp äsrJenten unseres Bekennni*se<? Fragen, die mit den lebenswichtigsten Gruncitä zen des Judentums zusammenhängen, Ussen sich entweder gar nicht oder ganz lösen. Es ist unserer nicht würdig, teilweise Lösungen zu erstreben, und wenn sie in noch so schö.ien Furoen s.chiHern.1 Neben diesen grundlegenden, aus unserer jüdischen geläuterten,Weltanschauung sichergebenden Bedenken taucnen noch-andere auf. Ist es denn unbedingt richtig, daß der führende Typ Deutschlaads der heroische in dem von Br. Baumann aufgestellten Sinne ist? Könnte'man nicht vielleicht mit,besserer Begründung behaupten, daß der kapitalistische Typ, der sich als großindustrielle Entwicklung auslebt, der führende sei, und daß seine inneren Zusammenhänge mit der Klasse des Offiziers und des höheren Beamten wohl tiefer sind, als es dem nicht ganz aufmerksamen Blicke erscheint? Und ist der heroische Typ bei uns und anderswo nur in Rock und Amt ausgeprägt? Dann könnten ja gewisse Negerrepubliken und südamerikanische Staatengabilde als Musterbeispiele gelten. Ist etwa ein Jude, der unter äußerer und innerer Not sich selbst wie seiner Gemeinschaft treu bleibt, weniger heroisch als ein Offizier, der einen von Geschlecht zu Geschlecht überlieferten Beruf ausüb', für den er ja gegebenenfalls mit seiner ganzen Persönlichkeit einzutreten hat, der ihn] aber auch mit den größten greif baren. Vorteilen und Annehmlichkeiten ausstattet? Und kann man ernsthaft aus dem Heldentum des deutschen Volkes den Beweis versuchen, daß ein kleiner Teil desselbea den heroischen Typ in seiner vortrefflichsten Farm vorstelle, und daß für uns daraus die Notwendigkeit fojge, in der Erreichung des Zugangs zur Offizierslaufbahn eine Schicksalsfrage zu sehen? Die Geschichte, nicht zuletzt unsere, eigene, lehrt doch zur Genüge, wie oft Völker, in welchen dieser heroische Typ herrschend war, schmählich zusammengebrochen sind, während andere mit ausgesprochen friedlich-bürgerlichen Neigungen und Einrichtungen ein Heldentum entfalten, vor dem ein hochentwickeltes Kasten- und Heerwesen nicht standzuhalten vermochte. | Ich habe mich gefreut,, in dem Vor- und Nachwort zu Br. Baumanns Ausführungen den gleichen Gedankengängen zu begegnen. Br. Goldschmidt weist darauf Um, daß wir den Anforderungen, welche der Heroismus an uns stellt, in vorbildlicher, jeder Prüfung g recht werdender Weise zu genügen ber strebt sind, und noch mehr als aus seinen kurzen Bemerkungen darf man aus den Sätzen von Br. Maretzlci den Schluß ziehen, daß Forderungen von solcher Tragweite, wie sie Br. Baumann stellt, [nicht an Zustände und Erscheinungen geknüpft werden sollten, die wahrhaltig nicht die Gewähr der vollkommenen Dauer in sich tragen. Und hier dürfte wohl der Kern der Unstimmigkeit liegen, die Br. baumann in bester Absicht doch vielerorts erregt haben könnte, — 80 —