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Bericht der Großloge für Deutschland · 1917-05-01 · Nr. 5 - Mai · p. Seite 66

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1917
Issue
Nr. 5 - Mai
Date
1917-05-01
Page
Seite 66 (sequence 6)
Language
German
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stellen. Das humanitäre Gebiet ist wohl das einzige, auf dem es unter den Judin Polens keinen Ring- und Parteiunterschied gibt; da spannen sie alle ihre Kräfte an, da stellen Mäiner und Frauen alle-G;selischittskllssen, selbst der polnisch-nationalen 'Richtung, DJenste freudig zur Verfügung. L . Mit der wirtschaftlichen Not hängen innig aidere Mißstände zusammen, die dem Westeuropäer ai gewissen Schichten der polnischen Bevölkerung — nicht nur der jüdischen allein —so unangenehm auflallen. Diese Fehler betreffen in stärkerem Maße das äußere als das innere Wesen der Juden, und sie bekennen, heißt sie bessern und entschuldigen. Aeuß jrlich lassen sie in Hillung und Verhaken, in K eidungt und Benehmen häufig sehr viel zu wünschen übrig; dieser Vorwurf richtet sich keinesfalls gegen die jücjische Nationaltracht als sticht Ebenso mmgelt es hnen an Verständnis für Hygiene und hygienisch^ Vor Schriften; wenigstens liegt die Befolgung derselben bei ihnen sehr im arg:n. Sicherlich ist es hauptsächlich diesem Umstände zuzuschreib:n, da 5 der Flecktyphus, jene furchtbare Kra»kheit, als derer Verbreiter die Kleiderlaus gilt, die jüdische Bivö kfcrung am stärksten heimsucht. Freilich is:'unter den jloschen Flecktyphuskranken auch die geringste verblichkett zu beobachten, ein Beweis, daß die Juden von alters her mit dem Gifte des Flecktyphus durchseucht und jetzt gegen dasselbe immunisiert sin d Während von den Westeuropäern, die an Flecktyphus erkranken, mehr als 50* c und von der Christ ichen polnischen Bevölkerung 20*,• slerben, fallen von den jüdischen Kranken kaum 10°,, ihr zum Opfer. Es ist ein großes Verdienst der deutschen Regierung und ein Beweis ihrer Fürsorge, daß sie in sanitätsdolizeilicher Hinsicht auch bei den Juden Wandel geschaffen und die in Fragekommenden Wohnungen und ihre Bewohner saniert hat. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß. dies« Mißstände beim weiblichen Geschlecht, dessen Typus im allgemeinen mehr an den Orient erinnert, viel weniger zu Tage treten. Selbst bei den hier in Frage kommenden ärmeren Familien wird auf die äußere Erscheinung der Mädchen und Frauen, auf die Pflege des Körpers und die Kleidung, eine oft rührende Sorgfalt verwandt. Bei den Frauen der reicheren Stände artet] freilich diese Sorgfalt j nicht selten in einen übertriebenen Luxus aus, der sich nicht nur in der Kleidung, soadern auch im Tragen von reichen Schmuckgegenständen bemerkbar macht. Wie in diesen rein äußeren Dingen unterscheidet sich auch die sonstige Erziehung der Mädchen, zumal in den Kreisen chassidischer Richtung derjenigen der Knaben. Während be Ausbildung der VerstandesssiteJ auf ihre Kenntnis des Talmuds und dife streWreligiöse Gesinnung—dir chissidische Vater mö aus seinem Sohn einen berühmten lehrten machen — das ausschließliche Giwicht ge legt wird, wird die Erziehung der die religiöse, vielfach ganz venuchlä nicht selten vor, daß ein Mädphen wesentlich von i diesen auf die die' tiefgründige hte am liebsten rabbinischen Ge- Mä leben, sogar sigt. Es kommt hebräisch kaum ändert ist. Dahl: denen sonst nicht gar die traulesen, geschweige denn schreiben kann, während der jüngere Bruder im Tilmud recht be* gegen hat man in diesen K-eisen, jede moderne profane Bildung von dbm Knaben fern gehalten wird, nichts einzuwenden, w< nn das Mädchen sich diese zu eigen macht. Dieses g inze Erzielungssystem ist natürlich verfehlt und rieht sich oft im ' s»ä eren Leben. Eine der traurigsten, wenn rigste Erscheinung im sozialenI Leben der polnischen Juden ist die in den Großstädten zu lehmende Prostitution jüdischer Mädchen,'welche (ine erschreckend große Beteiligung — wenn zwar : ie im Verhältnis hinter der polnischen Bevölkerung z irückbleibt — an diesem Volksühel aufweisen. Sj befanden sich, um nur ein Beispiel anzuführen, in Warschau unter den 2543 Prostituierten, welche in der 3eit vom Oktober 1915 bis März 1916 allein wegen Geschlechtserkrankungen dem unter deutscher miütärärztlicher Leitung stehenden Dirnenlazarett eingeliefert wurden, 738 Jüdinnen. Von diesen waien 9W0 Analphabeten und das beweist, daß sie den ä-instenjj schichten entstammen, da in jüdischen Volksbesseren S änden Bildung besitzen. den die Mädchen doch schon mehr Wohl erfüllt diese traurige Erscheinung die maßgebenden jüdischen Kreise mit tiefer Besorgnis und sie versuchen diesem Uebel^ soweit es in ihren schwachen Kräften liegt, zu begegnen. So entfaltet der jüdische Frauenschutzbund, der sogar in Warschau (Hozastr. 57) ein eigenes „jüdisches Heim für gefallene Mädchen" unterhält, nach dieser Richtung eine sehr ersprießliche Tätigkeit, indem er alljährlich eine größere Anzahl dieser unglücklichen und bedauernswerten Jüdinnen einem nutzbringenden Berufe zuführt und sie einem anständigen Leben wied:rgibt. Doch diesen Krebsschaden an jüdischen Volkskörper ganz beseitigen heißt, die soziale und wirtschaftliche Lage der Juden von Grund aus be.sern. Denn die hier gerügten Mißstände sind ein getreues Spiegelbild

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