Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 5 - Mai
- Date
- 1917-05-01
- Page
- Seite 65 (sequence 5)
- Language
- German
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Warschauer Logenleben und Betrachtungen über das Ostjudenproblem von Dr. med. P. M ü n z, Nürnberg-Bad Kissingen. III. Teil. (Schluß) Ist das Los der polnischen Juden in politischer Beziehung schon düster genug, so erscheint ihre wirtschaftliche und soziale Lage in eineni roch traurigerem Lichte. Wohl nirgends findet man ein so elendes und verarmtes Proletariat wie unter der jüdischen Bevölkerung Polens, wohl nirgends ein so trauriges, verdüstertes Judentum. Ohne Frohsinn und Lebensfreude, stets von Sorgen und Kummer niedergediück», ist ein Zug von Melancholie und Schmerz seinem Gesichte eingeprägt, eine einzige s'öhnende und klagende Masse. Man kennt das Grundübel dieser wirtschaftlichen Not. Durch das in seinen Folgen so grausame Gesetz von 1881 wurde das Wohnrecht der Juden auf die zehn Gouvernements Kongreßpolens, beschränkt, sie wurden in einem Riesenghetto zusammengepfercht und iüaen jeJe Erlitt icklungs'ähigket in wirtsshaftlicher Beziehung genommen. Von den zjvei Millionen Juden, d.e den 15 Tfeil der Gesanvbevölkerun? Polens ausmachen, wohnt der bei weitem größte Teil in Stadien; in Warschau und Lodz bilden die Jud?n ungefähr 3V , der ^inwohner^cha't, in anderei S'ädien bei weitem mehr. Da 751 a der jüdischen Bevölkerung dem Handel und Gewerbe angehört, entstand ein scharfer und aüfreiberdf r Konkurrenzkampf, aus dem nur sehr wenige 2ls Sieger, die meisten als Besiegte hervargirgen. In'den letzten Jahren kirn eine von den . Pölert aus ganz nichtiger, aber ihnen willkommener Ursache enfachle Boykottbewegung gegen den jüdischen Handel hinzu, welche in ihren Fdgen noch 'jetzt Zu spüren ist. Es kam den Po'en nicht nur darauf an, die Juden wirtschaftlich zu schädigen, sondern auch den Handel.'find die Ircduslrie an sich.zu' rejßen. Der Krieg bat diese Wunden noch mehr vertieft und zur weiteren Prolehirisierung und Verarmung der Juden nicht wenig beigetragen. Djrch die Russin wurden beim Abzüge viele jü fische Gemeinden in geradezu sinnloser Weise; vernichtet und vie e Tausende | jüdischer Existenzen an den Bettelstab gebracht. Am meisten a-er haben Handel und Industrie gelitten durch Ausschaltung desl russischen Hinterlandes, des hauptsächlichsten Absatzgebietes für die industriellen und sonstigen Erzeugnisse Polens. Viele Tausende von Kaulleuten, die wirtschaftlich mit Rußland eng . , — 65 verknüpft waren, gingen vq lig zu Grunde. H mdel und Industrie, fast ganz lahmgelegt, stehen vor einer Krise, welche die ganze Existenz des Wirtschaftslebens der polnischen Juden' bedroht. Zu jener großen alten Armee des Proletariats in zerlumptem -Gewände gesellt sich e,in neues Proletariat mit Gehrock und Glacehandschuhen, von Leuten, die einst bessere Tag: ge sehen, jetzt aber plö'zuch zu Bett'ern geworden. So starrt uns besonders in'Großstädten, in Warschau und Lodz, ein vie'gesta t ges Massenelend entgegen, wie es entsetzlicher und grausiger kaum die regste<Phan tasie auszudenken vermag. Dab Gespenst «"es Hungers und seine Begleiter, Hungertyphus «nd Hungertod, zehren am Mark der polnischen Juden und lichten ihre Reihen Gestalten sehen Volksküchen! gesehen, Wer hicl t die abg jeden Alters und Geschlechts in den hat mfen. ,l nd armsqligtn wie sie'za Tausenden wer nie in ihre dunipferi Kellerwohnungen h nabwas.Nöt' yhi Elend is.. jüdische Organisatisnen nerika urrd Deutschland, die teils durch Verarmung, teil, des russisch-litauischen! Elemlents nach "Rußland zusrnim^pgeschmalzeri ragem en Leistungen auf hiimanitärem Gebiete auszeichren und die deutschen Jaden weit in den ScHatten I*) Darl diese ist, i bereit; von mehreren Logen ineTBrüdern ge"scbehei ist. jüdisich hier zusammendrängen, und vor Armut starrenden tes'iegen der weiß nicht, Zwar 1 vei suchen zahlreche in Pojen, unterstürzt von A besonders der .HiHsvcrein deutstrr'cr Juden und hoehw. Großlege für Dcubc!and*) da,s traurige Los ihrer polnischen Glaubensge osseu zu. lindern; aber was bedeutet cies alkjt grgeiüber, j.».nein~ gewalligen Massenetend, in dem v e!e Hundt rttausende Juden schlachten? Ein Tropfen auf dJi heißen Gar groß ist in deH [S'ädtei Polens d e Zahl jüdi-chen Wohlfahrt-elnricht angert^. welche aus N»t des Krieges en'slknden smdj ."Volks- und toffelkuchen, Teehallen|j KinduHom,: Asyle fflr F 1inge und Krarke, Datlehnsl^scn, Brat- und X: abg?beste len, H atidfetiigkeitt schulea usw Es hier rühmend icrwähnjt werden, daß, überhaupt vermögenden Juden Holen?, deren Kreis freilich Stein, der der Karach^- Ichmuß die jetzt durch Flucht, besonders stark ich durch ihre hetvorch verweise .nochmals auf die von ihr begründete ehnskasse i i Wa rs.qh au mit der Bitte, segensreiche Inst tution zu .unterstützen, wie dies