Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 4 - April
- Date
- 1917-04-01
- Page
- Seite 57 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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wirtschaftliche Abhängigkeit von der jüdischen Plutokratie und der Wunsch, sich dieser einflußreichen Partei dafür erkenntlich zu zeigen, daß sie ihre Kreise nicht stört, eine wichtige Rolle. eine der polnisch nationalen Partei entgegengesetzte Haltung nehmen zwei andere Richtungen, die jüdisch Nationalen und Zionisten, ein. Beide betörten ihre jüdische Nationalität und erstreben für sich die nationale Autonomie und Selbständigkeit. Und doch besteht zwischen beiden ein wesentlicher Unterschied. Die jüdisch Nationalen glauben ihre nationale Eigenart, ihre Kultur und ihre Nationalsprache, den Jargon, in dem Lande, in dem sie leben, und das sie lieben, in Polen entfalten und entwickeln zu können und verlangen darum in Polen für sich die politische Gleichstellung. Wiewohl diese Partei noch ganz jung ist,—(litauische, nach Polen gewanderte Juden ihre haupUächlichsten Pioniere—so ist^ ihr Anhanj r doch sehr groß, und sie verlügt bereits auf dem Gebiete der Lyrik, des Dramas und der Prosa über reiche schöngeistige Literatur, die auch außerhalb detGrenzpfählePolens Beachtung gefunden hat In ihrem nationalen Programm konsequenter, erstreben die Zionisten politische und kulturelle Selbständigkeit auf eigenem Boden; sie tendieren deshalb nach Palästina, Lande der Väter, als dem Sarhmel- und Brennpunkt nationaler Betätigung und erblicken in der Sprache der Bibel ihre Nationalsprache. Die Kenntnis der hebräischen Sprache wird von ihnen in War- . schau in stark besuchten Unterrichtskursen eifrig ge- ■ pfleg*; es gibt freilich nicht sehr viele, die sich derselben auch wirklichalsUmgangssprache bedienen. In Warschau existierenvtrotzdem ejwa 200 Familien, in denen hebräisch gesprochen wird. Wiewohl die Zionisten in Polen keinen allzu großen . Anhang besitzen, -in Warschau gibt es kaum 3000 Schekslzahler—.so muH doch anerkannt werden, daß sie sehr rührig sind und besonders in Warschau bereits eine reiahe pos live Arbeit geleistet haben durch Begründung von kaufmännischen Vereinen, von Turnvereinen,* von Kinder-' schulen und Kindergärten, in denen das Hebräische I als Unterrichtssprache gilt So wird, wie wir sehen, das polnische Judentum durch so 'zahlreiche und verschiedenartige Parteien getrennt, wie, wir sie in dieser Eigenart zum zweiten Male unter Juden wohl nirgends in der Welt \ antreffen. Und doch gibt es für alle mit Ausnahme vielleicht der polnisch nationalen Partei einen gemeinsamen Berührungspunkt Mögen auch die Parteiströmungen nach ganz verschiedenen, weit auseinander liegenden Richtungen fließen, so treffen sie letzten Endes {sich doch in einem Punkte,' in der Betonung und Betätigung jüdischer Eigenart und jüdischen Wesens. Und das verleiht, von höhere« jüdischer Warte gesehen, den einzelnen Parteien ihren Reiz und ihren Wert. (SchWfolg*.) Aus den Logen des VIII. Distrikts. , Henry Jones- und Steinthal-Loge, Hamburg. Die Schwestern Vereinigung der Steinthal-Loge in Hamburg hat seit Kriegsbeginn einen rituellen Mittagstisch für Angehörige gebildeter Stände betrieben, der gegen sehtmäßiges Entgelt ausgezeichnete Speisen (Mittags und Abendsj lieferte. (Siehe Monatsb. 1917 Nr. 3 S. 43) Jetzt, nachdem ein großer Verein für Kriegsmittagstische entstanden ist, der in allen Teilen der Stadt Mittagslische errichtet hat, in denen zu 75 Pf. gespeist wird, ist durch die Initiative der genannten Schwestern- Vereinigung ein Abkommen mit dem Verein für Kriegsmittagstische getroffen, demzufolge dieser Verein einerituelle unter Rabblnatsaufsieht stehende Mittelstandsküche errichtet. Das Lokal haben die 5 vereinigten Hamburger Freimaurer- Logen hergegeben. Von Brüdern und Schwestern der Henry Jones- und Steinthal-Loge sind für die Zwecke dieser Küche M. 10 000 gespendet worden. Der ehrenamtliche Dienst wird ebenfalls von Schwestern der beiden Hamburger B. B -Logen versehen. I . Libanon-Loge, Insterburg,. Die Räume unserer Loge stehen dea Hseresangenörigen der -Garnison jeden Sonntag nachmittag zur Verfügung. Die erscheinenden sind stets unsere Gäste Natürlich sind auch die Brüdtr und Schwestern anwesend. Für unterhaltende Vorträge ist stets gesorgt. Diese gemeinsamen Zusammenkünfte mit den jüdischen Soldaten der Garnison erfreuen sich größter Beliebtheit Die Feldgrauen fühlen sich wohl, bei uns und wissen nicht genug zu danken, daß ihnen ein so — 57 —