Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 4 - April
- Date
- 1917-04-01
- Page
- Seite 52 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Unser Orden und der Krieg. Nach jeinet Festrede von Br. Rabbiner Dr. Das gewaltige Erlebnis, dessen Zeugen wir nun an die 31 Monate schon sind, ist auch zsm furchtbar ernsten Lehrmeister unserer Tage geworden. Ein Ueberwinden von Natur und Gewöhnung, ein Um werter der Werte, feg! der Kr eg unerbittlich mit eiserner Strenge tausendfältig blühendes Leben und lachendes Glück hinweg, und auch j^egen das Reich des- Geistes scheint er seine verderbenbringenden Wiffen zu schwingen. Da drärg; sich uns wie von qe'bst die Frage auf: Schont er: wenigiteas die gtit'gcisegneten Fluren unteres Ordens? Haben die .leuchtenden und strah'eidei Säulen, von decen dieses. Heiiigtum ge- I Ii' T trafen wird, ge^e?üb^- der alles zerse z^ndeX Macht *<les Sturme?, wie er jejzt durch die We't rast, immer furchtbarer, i»mer wei'ere Kreise erfassend, sich fest und widerstandsfähig er «wiesen, odevermögen st die bisher noch nicht dagewesene Belastungsprobe nicht zu bestehen? Es beletutet doch die.ejO"ie^ stndergleichen geradezu eine Erschütterung allpr Ideale und darum auch derejr unsere; Ordens. Es ist uns als ob der Engei der! Liete die Erde verlajssen und die Licbtgestilt der Wahrheit' in Trauer ihr Haupt verhüllt hätte, uns dünkt, a'ts ob m't dis'ert beiden Genien alle guten Geister aus der Mitte der Menschen geschwunden wären, so sehen wjr uns inj unserem Sehnen und Hoffen betrogen und bis ins tiefste Mark getroffen. Und diese sich äußernde letrübnis ist keineswegs das Zeichen eineschwachen und furchtsamen Sre'e Sie ist ja selbstlos, j nicht der penönlichen Sorge geweiht Und wurzelt in [der Ehrfurcht vor dem Göttlichen und Erhabenen «nd wird zu einen Zeugjiis für die ediere Menschennatur. Sind aber Zweifel und Unmut, so erklärlich sie auch jetzt sein mögen, in ihrem vollem Umfange benicht auf eine Geschichte zusie haben, und aus dem ewig rieselnden Born unseres Glaukens wie aus dem belebenden Quell unserer Ord&nsgemeinschaft jene heitere das Leben unter allen Umständen bejahende Weltanschauung schöpfen, um etwa in unserer Ueberzeugung wankend zu werden- und uns den:Glauben rauben zu Tassen/ daß der Triumph dies Reinaenschlichen wohl niedergehalten und verzögert» niemals aber ganz Verhindert werden kaiin, ' daß schließlich die Schatten dieser Schicksalsnacht, die die Menschheit in so tiefes Dunkel gehüllt, vor den Strahlen lechtigt? Wir müßten rüekblicken, wie wir in der Amicitia-Loge Lewin in Wreschen. « einer neuen Morgensonne weichen werden. Fort also mit der alles frohe und frische Streben henmenden Zagnis! Arbeiten und nicht verzweifeln, so ist es jüdische Art und darum auch Losung Unsen :s Ordens in Sturm und Drang, die ein jedes sei ter Glieder zu einem würdigen Ben-Briss weiht. Mit dieser Ueberzeugung beweisen wir den Ewigkeitswert der Ideen, deren Durchsetzung unse e edelste Arbeit ge'iören soll, und wächst uns die Erkenn'nis: Wie gewaltig auch der Krieg ist, gewaltiger ist dich die Liebe, — die Liebe, die lindert und heilt, die häufig das Heilmittel reicht, nech eiie die Wunde geschlagen ist. Daß solche Liebe unserer Vcrei.iigun J flammendes Panier ist, erfahren wir gerade in unseen Tagen. - Drei sind die Ströme, «!ie unser Logenleben be fruchten und unermeßlichen Segen i i die Fernen sehaffen. Sie entspringen aber alle in dem Eden der Liehe und münden in das unermeß iche uferlose Meer der Selbtverleugnung, die den Leben erst Sinn und ' Bedeutung, Wert und Inhalt ve leiht. Leben heißt ja wirken und schaffen im Dienste der Gesamtheit, leben heißt verzichten, entbehren und entsagen für andere, leben heißt opfern und, wenn es sein muß, sich selbst hingeben zun Segen des Ganzen. Dazu will uns der Orden erziahen, anf daß das wi ire Menschentum in uns zur Geltung komme, unc die Priesterkrone der Entsagung sich uns aufs Hat pt setze. Von diesem Gesichtspunkte aus erscheint die stille, ruhige und friedliche Arbeit, wie sie unsere Logen vordem Kriege geleistet — so paradox es auch Illingen mag — wie eine Vorbereitung für den Krieg, d. h. für die Bereitschaft zur Selbstopferung, zur Entfaltung jenes Geistes, der den Krieger beseelen miß soll er ohne' Zaudern und Zagen seine Aufgabe losen und die Probe schwerster Hingabe bestehen. Der Idealismus, den unsere hl Arbeitsstätten in die Herzen ihrer Besucher senkten, wurde mit seiner Lehre: Für Großes und Heiliges ist gerade das Beite gut genug, zur Weisung und Mahnung: Das Leben ist der Güter höchstes nicht, höher steht der Tod, der einem hohen und höchsten Zwecke dient Unser Orden hat sich also unserem vaterlande wie in allen seine* Aufgaben und Pflichten so auch für den Krieg als eines getreuen und hilfreichen Diener erwiesen. Seine Ideen durchdringen den ganzen inneren