Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 4 - April
- Date
- 1917-04-01
- Page
- Seite 51 (sequence 7)
- Language
- German
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der Groß löge. Zunächst die Ausbildung jüdischer Krankenschwestern. Hier ist das Bedürfnis so groß und gleichzeitig die Schaffung einer Gelegenheit für die würdige Versorgung so vieler durch den Krieg zum Zölibat verurteilten j [ingen Mädchen so wichtig, daß der Ausbau dieser schönen Einrichtung ohne Rücksicht auf Rivalitäten nur befürwortet werden kann. — Die Versorgung des weiblichen Geschlechts wird auch eine gesteigerte Le istung der „Vereine lür Arbeitsnachweis" erfordern, denn sobald unsere Soldaten aus dem Kriege zurückkehren werden, stehen zahlreiche Entlassungen der weiblichen Eisatzkräfte zu gewärtigen. Der Arbeitsnachweis wird ferner aber auch einen Ansturm der Kriegsbeschädigten und der aus ihrer Laif bahn 'Herausgerissenen zu gewärtigen haben. Ich bin sicher, daß er sich auf die großen Aufgaben, die seiner harrtn, bereits rüstet, und daß er hinsichtlich der Kriegsbeschädigten sich an die interkonfessionellen Bestrebungen anschließen und sich mit der gut arbeitenden, jüd. Berufsberatungsstelle Im Büro des Zentral Vereins deutscher Staatsbürger jüdischer Glauberns in Verbindung setzen wird.*) Vor allem; iber ist ei berechtigt, auf die opferwilligste Förderung von unserer Seite Anspruch zu erheben. r Die Förderung von Jugend vereinen bildet eine Unserer wichtigsten Aufgaben innerhalb unserer Bestrebungen für geistige Fürsorge und .Volksbildung. Die engen und freundschaftlichen Beziehungei zum Verband der jüdischen Jugendvereine ncc'i fester 2u knüpfen erscheint ebenso notwendig wie uns sjtärker und häufiger als bisher an den Arbeilen (ler Berliner Abteilung des Verbandes, des jüdischen Jugendbundes Berlin, zu beteiligen, wie icli denn aus dessen Berichten gern entnehme, daß unler den Vortragenden die Zahl unserer Brüder eine besondere hohe ist. Wir wollen uns ferner vornehmen, jede ■legenheit zu benützen, um die Jugend durch Auflärung über unsere eigenen Ziele und Bestrebungen diese zu gewinnen, denn wir stehen Her auf inserem größten und ergiebigsten Rekrutierungsfelde. - Ueber die beiden anderen Institutionen füi Volksjildung: die jüdische Toynbeehalle und die üdische Lesehalle, die so außerordentlich leilsam wirken, wüßte ich nichts Neues zu sagen und wünsche, daß sie in bewährter Weise auch nach -~ *> Ist bereite geschehen. Vgl. den Artikel: „2ur Frage der Berufsberatung" im Monatsbericht 1917 No. 3 S. 31. L Die Redaktion dem Kriege zur Ehre des Ordens und des Judentums weiter wirken mögen. Nun aber komme idh mit der Anregung, die ich mir zum Schluß aufgespart habe. Unsere g e i s t igen Institutionen, Toynbeehalle, Lesehalle! und ebenso der jüdische Arbeitsnachweis wenden sich an Personenkreise, die sich vielfach decken. -Da liegt der Gedanke nahe, den mir Bruder Spiewkowskr zuerst ausgesprochen, und der bei Bruder Miretzki begei sterten Wiederhall gefunden hat, es zu versuchen, die Institute unter einem Dache zu vereinigen; zweifellos würde die Wirksamkeit aller eine starke Förderung erfahl en. Ich möchte den Gedanken noch weiter führei; wir sollten versuchen, zu einem ^V o 1 ksh aus der Berliner Logen" zu; gelangen, in dem möglichst viele der Logen Institutionen eine Heimstätte, und' soweit sich dies nicht tun . läßt,- eine Beratungsstelle finden, wo sie ihre Sitzungen abhalten und so in innige räumliche Berührung kommen. Natü lieh bin ich nicht der Meinung, daß wir für schweres Geld ein solches Heim erwerben sollten, denn dieses Geld wird uns fehlen.' Aber seilte es so schwer halten, einen begüterten Bruder zu finden, der uns in sein Haus aufnimmt, das in einer für den Besudherkreis günstigen Stadtgegend gelegen sein mü ßte, und es für den. edlen Zweck der- Berliner Logen erblich überläßt? Nach meinen Erfahrungen beim Gemeindebund ist eine solche Hoffnung nichts weniger als utopisch. Unserem Gemeindeband hat ein Gönner bereits ein Haus vermacht. Ein anderes Haus, dasjenige, in dem wir jetzt, wthnen, das bereits den „Verband der Deutschen Juden" beherbergt, und voraussichtlich in Bälde noch weitere jüdische Zentralkörperschaften umschließen wird, ist bestimmt, durch Erbgang in Besitz des" DJGB überzugehen. * Auch an ähnlichen Angeboten fehlt es nicht. Sollte es bei den so viel ausgebreiteteren und intensiveren persönlichen Beziehungen der Loge so schwer fallen, einen kinderlosen Bruder zu einer so aussichtsreichen Stiftung zu vermögen? Wer diesem Gedanken (zustimmt, möge ihn propagieren und vielleicht ist es dieser Idee, die, sich erweiternd, durch drei Köpfe hinc urchgegangen ist,—wir machen übrigens keinen Ansiruch auf Priorität—beschieden, im Wortsinne Boden zu fassen. Dann würde der Anstoß des Bruders Spiewkowski, die Erfahrung des Bruders Maretzki und mein bescheidenes Referat, für dessen Mängel die Schwierigkeiten, unter denen es abgefaßt wurde,—ich kamt mit dem preußischen Könige sagen: „In tormentis pinxi"—entschuldigen mögen, reiche Früchte tragen.