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Bericht der Großloge für Deutschland · 1917-03-01 · Nr. 3 - März · p. Seite 31

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1917
Issue
Nr. 3 - März
Date
1917-03-01
Page
Seite 31 (sequence 3)
Language
German
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erster Hessen* (Vertag Louis Lamm, Berlin 1909) ist als Bei Versuch nach dieser Richtung anzusehen, der Begründung der Israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem, die bekanntlich von der Oroßloge mit einem namhaften Betrage gefördert wurde, bei der Begründung des Bodenkulturvereins und der Arbeitsnachweise spielte die Frage der Berufswahl eine große Rolle. Bereits anfangs dieses Jahrhunderts ging das Streben der Großloge dahin, ein Netz von Arbeitsnachweisen über ganz Deutschland zu schaffen sie/ in einem Verbände zusammenzuschließen, um Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkte besser regeln zu können. (Vgl. Monstab. 1904 No. 3). Für die einzelnen Arbeitsnachweise war ein Beirat für Berufsberatung in Aussicht genommen. Im Jahre 1904 'ging der Oroßloge eine Anregung zu betr. Zuführung jüdischer junger Leute zum Linker-' offizierberuf. Es wurde damals von verschiedener Seile betont, daß es vornehmste Aufgabe einer jüdischen Organisation sei, neue Erwerbszweige der1 jüdischen Jugend zu erschließen. Außer der Zurfirkführung der Juden zur Landwirtschaft und zum Gartenbau müßten die jüdischen jungen Leute weh denj Stande kleiner Beamten bei der Post, Telegraphie, Eisenbahn, Schutzmannschaft, elektrischen j Straßen-' •bahn usw. zugeführt werden. Auch die Beeinflussung junger Mädchen, daß sie. einen Beruf ergreifen und nicht tatenlos zu Hause bei den Eltern sitzen, um auf eine passende „Partie" zu warten, bildete in unseren Logen den Gegenstand eingehender ratungen. Intensiver mit der Frage der Berufswahl beschäftigten sich unsere Logen in den Jahren 1910 und 1011 und folgenden, und zwar einmal mit der Erziehung und beruflichen Ausbildung der h I bedürftigen Jugend (siehe Monatsbericht Be- I fs- 1910, NoL7 und 1911 No. 4; ferner Großlogenverhandlungen 1911 S. 196 ff) und zum zweiten mit dem wirtschaftlichen Antisemitismus, der sich darin zeigte, daß die Juden in Banken, Industriebetrieben und Fahr kunternehmungen immer mehr zutückgec rängt wurden. Die Anregung zur letzten Frage galt das stimmungsvolle Referat: „Was wird aus unseren Söhnen" von Br. Dr. Nathan Strauß, Karlsruhe (vergl Monatsb. 191 i No. 3), so daß dieses Thema auch in mehreren Ausschußsitzungen und zuletzt in der 122, Sitzung des Generalkomitees im März 1913 behandelt wurde, in welcher Sitzung Br. Baumann die Einsetzung eines „volkswirtschaftlichen Beirats" vorschlug <«är|£ Monatsb. 1913 No. 4). Da der Orden, wie hier nur sprunghaft gezeigt worden ist, sich mit den Fragen der Berufswahl seit geraumer Zeit bereits befaßt hat, ist es nur begreiflich, daß de' Verband der Arbeitsnachweise' es für seine Pf ich t Ii Seit, sich der inzwischen begründeten Haupt stell«: für jüdische Berufsberatung zur Verfügung zu stellen, um mit ihr und den anderen in Betriebt' kommenden Organisationen die für die wirtschaftliche Existenz unserer Glaubensgenossen unaufschiebbarai Aufgaben zu lösen. Der Verband der Arbeitsnachweise der-OrofHoge tatdies in der Erkenntnis, daß eine Berufsberatung ohne Arbeitsnachweis ein wesenloses, schemenhaftes Ding ist, eine Form ohne Materie, eine Theorie ohne Praxis, ein Wort ohne die befruchtende Tat. '—> Wh* hegen daher die zuversichtliche Hoffnung, daß unsere Arbeitsnachweise und Logen dem Rufe des Verbandes der Arbeitsnachweise willig folgen und überall bei der Begründung der Berufsberatungsstellen im Reiche wacker mithellen und eifrig mitarbeiten werden. Es seien hier nur noch einige Bemerkungen gestattet. Man pflegt gewöhnlich die Frage der Berufsberatung unter dem Gesichtswinkel des Antisemitismus zu behandeln Weil die Antisemiten den Juden den Vorwurf machen, sie leisteten keine produktive Arbeit, glaubt man unsererseits die jüdische Jugend von "den bisherigen Berufen ablenken und sie neuen zuführen zu sollen. Dieses Moment möchten wir bei den Arbeiten der Berufsberatung ausgeschaltet wissen. Wir wollen und dürfen dem Antisemitismus keine Zugeständnisse machen. Jede Arbeit, gleichviel, ob sie auf geistigem oder manuellem Gebete, auf dem des Handwerks oder der Landwirtschaft ausgeübt Wird, ist produktiv und bringt dem einzelnen sowie der Gesamt heit Nutzen. Gerade der gegenwartige Krieg hat uns gezeigt, welchwertvolle Dienste beispielsweise die Presse und das Bankwesen dem Vaterlande in dieser schweren Zeit geleistet haben. Auchdie hervorragenden Taten unserer Heerführer haben-alle Denkfähig« n darüber belehrt, daß die geistige Arbeit keine iwegs zu unterschätzen ist: Wir brauchen daher die Vorwürfe der Antisemiten bezüglich der allzu« vieler geistigen Arbeit der Juden nicht zu berücksichtigen. Vielmehr wollen wir durch unsere Bemühungen unseren Glaubensgenossen die Erwerbszweige erschließen, von denen sie bis jetzt aus den sattsam bekannten Gründen ferngehalten' wurden. Dadurch holten wir, einzelne Berufsgebiete, auf denen schon seit langem eine Ueberproduktion herrscht, zu entlasten, die allzu große Konkurrenz zu beseitigen 31 -

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