Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1917-03-01
- Page
- Seite 30 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4864325-6029093-6074389--2174-4866271- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Schrift für die Reinheit unteres Glaubens Und für die Wahrung unserer staatsbürgerlichen Rechte ein. Sein „Offener Brief an den. Reichtagsabgeordneten Liebermann von Sonnenberg" fand eine ungewöhnlich große Verbreitung (über 20000 Exemplare), und mächtig erscholl sein Ruf an die regierenden Fürsten und Staateoberhäupter der Kulturwelt, als im Jahre 1906 die Judenmetzeleien in Rußland so gräßlich wüteten. Eine blutende Seele, ein zu Gott klagendes Herz kommt in dieser Verteidigungsschrift-zurr^ Ausdruck. . Fein und geistvoll ist die Schrift: „Es werde Licht", die er in der vielerörterten Bibel und Babelfrage veröffentlicht hat. Er weist unter anderem nach, daß die Methode, die Professor Friedrich leirizäch gegen das thrwürdigste und heiligste luch der Welt, geg»n di« Bibel zur Anwendung iringt, hohl und oberflächlich sei. Als ein feinfühliger Dichter, als ein Künstler der Darstellung zeigt sich Münz in seiner Schrift „Einsames Land". Es ist das ewige und allgemein Menschliche, das uns in diesem Buche fesselt und erschüttert. Den Schluß dieses Buches bilden abgeklärte philosophische Betrachtungen, die unter dem Titd „Erwachen der Seele" zusammengefaßt sind. Hier kömmt der Denker zu Wort. In das Gebiet spekulativer Forschung gehört auch die von Münz verö'fentlichte tief grün d ge Schrift: „Die Grundlagen der Kant'schen Erkenntnistheorie. Eine Einführung in die Kritik der reinen Vernunft". Die „Breslauer Zeitung" schreibt über diese Arbeit : „Die Münz'sche Einführimg ebnet den Pfad zu dem Kant'schen Riesenwerke. Es ist das System der reinen Vernunft in Taschenformat, ein Tableau in verkleinertem Maßstabe, aber von der Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Deutlichkeit einer preußischen Generalstabskarte. Es ist klar, daß eine ausgezeichnete Karte eines Landes nur der entwerfen kann, der das Terrain genau kennt. D es ist aber im höchsten Grade der Fall bei dem Verfasser der „Einführung." . Am 23. Januar ist Br. Wilhelm Münz unter den größten Ehren zu Grabe getragen worden. Die jüdische Gemeinde trauert um ihn; seine Gatt n und drei Kinder, sein greiser Vater und seir sind von tiefem Weh erfüllt, aber auch deutsche Judenheit hat in ihm einen iti Vertreter und Wortführer verloren. Möge seinesgleichen niemals in Israel fehlen! Secher Zadik librocho. e Geschwister die gesamte er würdigsten \ Zur Frage der Berufsberatung. ] Von Br. E. F i n k e I. Vorbemerkung der Redaktion: Zur Frage der Berufsberatung für Juden gedenken wir in nächster Zeit mehrere Artikel von sachkundiger Seite zu bringen; die heute hier folgenden allgemeinen Bemerkungen sind als Einführung | . gedacht . Wenn man mit Aufmerksamkeit die Gedanken und Anregungen verfolgt, die unseren Orden seit sejnem fünfunddreißigjährigen Bestehen in Deutschland beschäftigen, kann man folgende interessante Beobachtung machen. Manche Anregungen haben dank den günstigen Zeitverhältnissen, in denen sie gegeben wurden, bald Verwirklichung gefunden; manche dagegen haben lange warten müssen, bis sie in die Tat umgesetzt wurden. So hat beispielsweise die Frage der Jugendbewegung, die uns nach. we islich seit 1891 beschäftigte, eine geraume Zeit in An Spruch genommen, bis sie im J ihre 1909 (30. Mai) durch die Begründung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine von Seiten der Oroßloge eire befriedigende Lösung gefunden hat. Aehnliches läßt sich bezüglich der Frage der Berufswahl feststellen. Lange, lange vor dem Kriege haben sich unsere Logen mit der überaus ernsten, für den Forlbestand der deutschen Judenheit überaus wichtigen Frage der Berufswahl befaßtjA- Auf Anregung des unvergeßlichen Expräsidenten Br. Julius Plotke sollten an'angs der neunziger Jahre des verflössenen Jahrhunderts umfassende Erhebungen über die Verhältnisse der Juden in Deutschland angestellt werden, um der Not und den unliebsamen Erscheinungen auf geistigem, sittlichem, sozialem usw. Gebiete zu begegnen. Die im Auftrage der Großloge vom Büro für Statistik der Juden veröffentlichte Schrift: „Die Juden im Großherzogtum - 30 - ffafri hr^t^^t WT»*^^ * WM^^T^4^^ ^^t^itfttf~W