Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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sehen und rsiioralis ifchfn Parteien und auch ein Teil der Chassidim, d.h. ein g« ßer Teil der dortigen Juden, die Anerkennung der jüdischen „Nationalität" oder „Kulturgrmeinsthatt" in dem Statut schmerzlich entbehren. Es ist jetzt eine vielleicht nie wiederkehrende Gelegenheit, der jüdischen Sprach- und Kulturgemeinschaft die Mindtrheitsrechte in der Verfassung zu sichern und einigen , ihrer Vertreter als Wihrem ihrer Rechte Sitze im Nationalrat (Oberhau-) zu verschalten. Bei sehr vielen Juden herrscht vor allem der Wunsch, ihre Schulangl legi.nheiten selbständig zu ordnen und über die Mittel dazu frei zu verfügen, während jetzt, z. B. in Warschau, die Munizipalität darüber zu bestimmen hat Die Folgen haben wir .oben kurz erwähnt iWird im künftigen Königreich, wie wir bestimmt arten, die Gleichberechtigung durchführt wetden, n wird es tür die Juden kein Hindernis mehr gebe), sich in verschiedenen Berufen zu betätigen. Sie werden ihre Sonders eilung im Hindel aufgeben, dafür in .Industrie und Landwirtschaft — 'und gebet hoffentlich auch in die Beamtenberufe —, über- Dadurch wird ihr Gesichtskreis sich können. erweitern und ihre Täligkci über verschiedene Zweige der Wirtschaft ausgedehnt werden. Ei ist durchaus zu wünschen, daß Polen und Juder sich näher kennen und schätzen lernen, damit eine bessere Vers ändigung ermöglicht wird. Dadurch wird die gegenseitig? Gereiztheit, die bei einem großen Teile der Polen Und der Juden n>cn zur Zeit besteht, sich mildern, und in finur Zukunft vielleicht ganz aufriven Das Ausspielen der Polen gegen die Juden und umgekehrt wie es die Russen' nach dein bekannten Grundsatz: „divide et impera" so meisterlich verstanden, wird in einem freien' Polen die Versöhnung zwischen den Volksteilen. nicht mehr stören. Zum Aufsatz „Patriotismus in Nr. 9 1916 der Monatsberichte Der wie stets glänzend und klug geschriebene Artikel des Br Dr. Paul Nathan über ,P«tnoti mus und Antisemitismus" hat mich auf das höchste interessiert, aber ich möchte; ihn nicht unwidersprochen lassen. Ich will mich einmal auf den Standpunkt stellen, daß es trotz der maßlosen Empörung, die jeden Juden angesichts des Beschlusses dts Haushalrsausschusses und der bekannten Verfügung des Kriegsministers erfüllen muß, je'zt schon möglicr?*ht, „zu einem objektiven Urteil über die Vorgärge zu gelangen". Jedenfalls scheint mir Br. Dr. Nathan in seinem Artikel zu obj ktiv zu sein. Er will zweierlei dartun, einmal daß „jene jüdischen Kreise, die sich in nachdrücklicher Weise damit beschäftigt haben, was in der. Frage der Judenstatistik zu geschehen habe, den richtigen Weg gewählt haben", indem sie „ohne lärmende und übereilte Demonstrationen" zu veranstalten, das Erforderliche getan haben. | Das mag rieht g sein, obwohl meiner Meinung nach mit gutem Recht eine öffentliche Kundgebung der schver beleidigten und erregten Jaden sicher ihren Zweck nicht verfehlt hätte. Aber wie gesagt über die Zweckmäßgkeit der einen oder andern Art der Abwehr kann man, besonders unter Berücksichtigung der Kriegsverhältnisse, verschiedener Meinung sein. — 5 - und Antisemitismus" Dann aber bezweckt Br. Dr. Nathan ein weiteres. Er will offenbar die deutschen Juden überhaupt sowohl über den Beschluß des Hiushaltsausschuises, wie auch über den Erlaß des Kriegsministers beruhigen. D eser Tendenz des Artikels, die nicht au-d ücklich ausgesprochen ist, aber wie ein ro er Faden durch den ganzen Artikel hindurchgeht, kann aber m. E. nicht scharf genug entgegengetreten , werden. Es ist nicht fraglich, oaß die Mehrheit des Haushaltsausschusses antisemitische Ziele verfolgt hat, das kann nicht, wie Br Dr. Nathan meint, „glücklicherweise unbedingt in Abrede gestellt werden". Einen andern als antisemitischen Zweck kann der Beschluß des Haus-' haltsausschusscs leider gar nicht gehabt haben, daran ander die Tatsache gar nichts, d-tß weder die Zentrumspartei, noch die nationalliberale Partei später den entsprechenden Antrag g-stellt haben. Offenbar ist diesen Parteien vor den nicht erwarteten Folgen, dieses Antrags binge geworden und deshalb ist der Amra;r im Orkus verschwunden und im Reichstag nicht mehr zur Beratung gelangt Er war ja auch durch die zwischenzeitlich bekannt gewordene Verlügung ies Kriegsministers über Judenzählung überflüssig gewo den. Di: Bitterbösen Folgen dieser kriegsmini.teriellen Verfügung und diese selbst dürfen wir sobald nicht I