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Bericht der Großloge für Deutschland · 1916-12-01 · Nr. 9 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1916
Issue
Nr. 9 - Dezember
Date
1916-12-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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ster geiiue ' er p a Es wäre vom preußischen Kriegsminis^erium in deutschem Interesse zweckmäßig gewesen, wenn solche Auffassung niemals verdunkelt worden wäre. Daß sie verlassen werden konnte, ist ein Beweis wofür? Wir Juden werden vielfach als ein Teil der deutschen Bevölkerung betrachtet, der nicht nur in religiöser Beziehung eine Sonderstellung einnimmt. IjDtese Auffassung zurückzuweisen, haben wir ein "Recht. Wir fühlen uns als Deutsche, und wir wollen Deutsche sein mit allen Rechten undj^ilichten eines, Deutschen. Die Pfichten wollen wirbingebend er'iilen, aber die Rechte soll man uns nicht vorenthalten. Nun ist es .bezeichnend,*daß der bayerische Kriegsminister einer jüdischen Deputatron, die sich am 22. November in der gleichen Angelegenheit zu ihm begeben hatte, nach amt lieber Angabe das Folgende erklärt hat: L . Die Tendenz de$ Erlasse» richte sich nicht gegen die Israeliten bezwecke vielmehr Beschaffung von Unterlagen^ um" den Anschuldigungen gegen die jüdischen Heerespflichtigen entge^enireten zu können. Der «Minister erktä'te-weiter, lach wie vor auf dem von ihm im .vorigen Jahre im Landtage eingenommenen Standpunk e .zu ste ien, wonach er bei den. Soldaten keine Konfession, sondern "nur die Pflichterfülhangr kenne und würdige. In Uebereinstimmung. hiermit werde er einfc anders- \ [" , i ■ i artige Auslegung und Anwendung des Erlasses I nicht nur im lntere;se.der Juden, sondeijn hn allgemeinen väter ändischen Interesse nicht dulden. Wie der Kaiser gesagt hat bei Beginn des Krieges: Er kenne nur noch Deutsche, so sagte der bayerische Kriegsminister folgerichtig, er kenne nicht jüdische und christliche Soldaten, sondern für ihn gebe es nur bayerisches Militär, das seine Pflicht zu tun habe und das seihe Pflicht vollauf auch tut. Das ist der Standpunkt, der schließlich überall in Deutschland eingenommen werden muß. i L Und wenn er bisher nicht überall eingenommen wurde, was folgt daraus? Daß antisemitische Vorurteile — bewußte und unbewußte — zuf völligen Machtlosigkeit im staatlichen Leben Deutschlands bisher nicht verurteilt sind. Das wußten wir, und das bes ätigt auch die; neueste Erfahrung; J— leider. Aber in anderer Beziehung dürfen wir auch nicht vergessen, daß so korrekte und so erfreuliche Auffassungen, wie sie der bayerische Kriegsminister zum Ausdruck gebracht hat, keineswegs vereinzelt dastehen. " f' ener An der Spitze des Generalgouvernements Warschau steht auch ein Militär: General von Beseler, und von ihm ist eine Verordnung über die Organisation der jüdischen Religionsgesellschaft in Kongreßpolen unterzeichnet, die als ein Muster gerechter und Vorurteils loser Regierungsweisheitj in jüdischen Angelegenheiten anzusprechen ist. Man muß diese Tatsache anführen, damit der Blick von uns Juden nicht nur auf die Schatten, sondern auch auf die Lichtpunkte hingelenkt wird, die sich heutigentages für uns in Deutschland zeigen. * Es ist sicher, der Antisemitismus gehört in Deutschland nicht der Vergangenheit an. Es ist aber auch sicher, dali trotz allem eine aufgeklärte Auffassung über das für den Staat Juden und Christen zu lande Fortschritte macht. ersprießliche Verhältnis von einander in unserem v/ater- Daß ein neuer Rückschlag undenkbar wäre, wer könnte s ch dafür verbürgen. Vorurteile, die.-sich in Jahrhunderten und Jahrhunderten eingenistet, haben, verschwinden nicht in einigen Jahrzehnten, aber sie mildern sich, ^tnd sie müssen sich weiter mildern und mildern, und das ist um so zweifelloser und sicherer, da wir Juden nicht für uns allein' stehen^ sonden da mächtige und große Parteien Deutschlands im Interesse unseres gemeinsamen Vaterlandes jedeI Verkümmerung und Beeinträchtigung von Rechten der Juden Zugleich als einen Schlag gegen die Zusammenfassung aller Krale des deutschen Vaterlandes and als' eine Herabsetzung Deutschlands vor der zivilisierten Welt betrachten. Wir deylsche Juden sind gewiß nicht verpflichtet in Demut antisemitische Angriffe über uns ergehen zu lassen. Wir haben uns zu fragen, was sind wir uns selbst schuldig; aber wir haben uns gleichzeitig zu fragen, was sind wir unserem deutschen Vaterlande schuldig,, und die Abwehr muß bedingt sein in besonnener Abwägung der Verpflichtungen gegen unser Vaterland und gegen uns selbst. Wir können in dieser schweren Zeit nichts unternehmen, was in vielleicht noch so berechtigter Abwehr doch auch unser Vaterland zu schädigen geeignet wäre. Mit einem solchen verfehlten Vorgehen würden wir uns selbst entwurzeln. Und wenn ich auf den Ausgangspunkt dieser Betrachtungen jetzt noch einmal zurückkommen darf, so will ' es mir scheinen, daß, jene jüdischen Kreise, die sich in nachdrücklicher Weise damit beschäftigt haben, was | in der Frage der Judenstatistik ' zu geschehen habe, den richtigen Weg ge- — 118 —

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