Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1916
- Issue
- Nr. 9 - Dezember
- Date
- 1916-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Juden; aber etwa nur für die Juden? Keineswegs. War: es den Juden gelungen, sich in unverhä'tnisroäß ger Zahl in die Kriegsgesellschaften einzunisten, und wäre es ihnen gelungen, sich gleichfalls in unverr ältnismäßiger Zahl als Soldaten in getich rle Stell ungen hinter der Front außer Gefahr zu bringen, so r.üßte sich die allgemeine Empörung nicht allein gegen diese Prü.keberger wenden, sondern gleichfalls geg n jene militärischen Vorgesetzten, die die Hand dazu geboten haben, die Juden aus der Gcfahrenlinie herauszubringen.. Die antisemitischen Ankläger verung impften durch ihre Hetzereien also nicht allein die uden, sondern zugleich jene Militärs in'mKtleren und höheren Stellungen, die den Juden angeblich als Hellershelfer gedient haben. Als Ahlwardt, „der Rektor alfer Deutschen", in einer Vergangenheit, die noch nicht allzuweit zurückliegi, seine Broschüre über die Juden schrieb, schädigte er durch seine erlogenen Anklagen schwer das militärische Ansehen Deutschlands vor der ganzen Welt. Es st das damals im Reichstage rund heraus erklärt worden, und zwar auch von den-Regierungsvertretern; und die Vorausse'zungen für. die jetzige Verlügung des Kriegsministers wären, wenn sie zu Recht beslär den, gleichfalls geeignet, nicht nur das Ansehen der | deutschen Juden, sondern zugleich das der deutschen Militärverwaltung vor Deutschland und vor J der Welt herabzusetzen. Die Verlügung des Kriegsministers erscheint also als eine unglückliche nicht nur, weil sie das jüdische Gefühl verletzt, sondern zugleich, weil sie geeignet ist, Zweifel an der unbeirrbaren Sachlichkeit unserer - > Militärbehörden großzuzüchten. Es war nicht schwer, die Folgen der Verfügung an Jen in Betracht kommenden entscheidenden Stellen klai zustellen. Diese Klarstellung ist nicht ohne Wirkung geblieben, und so ist auf das erste Rundschreiben des KriegsminisUriums ein weiteres gefolgt, das) den nachstehenden Wortlaut hat: * .„Die unterm 11. 10. 16 angeordnete Nachweisung übir Angehörige des israelitischen Glaubens hat in der Oeffentlichkeit und auch bei einigen Kommandostellen eine den Absichten des Kriegs-Ministeriums nie it entsprechende Auslegung gefunden. Zum Erlaß wird daher bemerkt: Die verlügte Erheburg ist nur zur eigenen Unterrichtiuig des Kriegsministeriums bestimmt, sie soll die Unterlagen bie'en, um Klagen und Beschwerden über Versuche der Juden, sich dem Heeresdienst zu entziehen, nachzuprüfen. 3|. Keineswegs so'lten Behörden usw.. daraus Ge- J. , legenheit nehmen, Jucien aus ifrren bisher innej gehabten Stellungen zu entfernen Füf "eine i solctie Maßnahme dti fert nur sachliche Grunde [• in Frage kommen" r f ■ *i *• * i * * * D esc neueste Darlegung stellt zunächst Idar, di die voraus gegangene Verfügung — sie stammt nichjt vom jetzigen Kncgsministir, sondern -von seinen: Vorgänger — tatsächlich m ßdeutet worden ist. Pap solche1 falschen Auslegungen stattfinden konnten, ist In höchstem Grade bedaueilich, -denn cir.e Maßregel, wie [diese,, von einer durchaus nicht geringen Trag-- weite, sollte jeder falschei Auffassung durch d e Klaiheit, die s e auszeichnet, entzogen sein. |st denn nun aber der Kommentar zum ersten Erlab ein derartiger, daß jede ütelwolleride Auslegung als aujgeschlosstMi erachtet wer den muß? _ Daß d e Absicht dieses zweiten Erlas; es eine gute war, steht außer jedem Zweifel für jere, die über die Vorgänge unterrichtet sind, die schließlich zur neuesten Aeulkrunjg I des Kilegsroinisteriuns'gefühlt, haben. Qb dieser guten Absicht aber ai:h ein so unzweideutiger Ausdruck gegeben worden ist, wie es im Interesse der Juden und zugleich im Interesse Deutschlands wünschenswert erscheinen muß, das bleibt zweifelhaft. Es muß unumwunden'ausgesprochen werden, daß . sich das deutsche Kriegsmi listerium auf eine schiefe Bahn hat lockert lassen,: als es die Judenstatistik angeordnet hat. Öder würde man es wagen, eine Untersuchung darüber vorzunehmen, ob die militärische (Pflichttreue der deutschen > Katholiken oder der deutschen Protestanten eine größere sei: Eine solche Untersuchung ist glücklicherweise undenkbar, und' undenkbar sollte es auch st in, daß eine Untersuchung darüber angestellt wjrd, ob die deutschen Juden ihn;, patriotischen Pflichten in diesem Kriege erfüllt haben | -Für uns Juden steht es unverrückbar fest, daß diese Pflichten auch von uns in vollstem Maße erfüllt worden sind, und jeder Zweifel in dieser Beziehung erscheint uns tiefverletzend für uns und komprqmit tierend für die deutsche Mil tärverwaltung, ohne deren Beihilfe die angebliche Neigung der Juden zur militärischen Drückebergerei ni:mals hä te emporsprießen können. Von diesem Standpunkt können und werden wir Juden uns .nicht abdrängen, lassen, was keineswegs bedeutet, daß nicht jedweder Deutsche, sei er Jude oder Christ, strengster Strafe und allgemeiner Verachtung zu verfallen hat, der dem Vaterlande nicht willig und mit höchster Hingabe gibt, was das Vaterland von ihm zu fordern berechtigt ist.