Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1916
- Issue
- Nr. 8 - November
- Date
- 1916-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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TW LH. Die vorliegenden Nummern der „B'nai B'rit|i N-ews" berichten ausführlich über allerlei soziale Einriebtungen zu Gunstender in Amerika, eingewanderten Glaubensgenossen". Auch bei uns in Deutschland ist das Interesse für das Ergehen und die Leistungen dieser ehemaligen Russen rege. Was aus, einem solchen Einwandererkinde werden kann, wenn es von allen Bildungsmöglichkeiten der Neuen Welt Gebrauch machen darf, das erzählt Mary A n t i n in ihrer Autobiographie „Vom Ghejto ins Land der Verheißung" (Stuttgart, Lutz). Dies überaus fesselnd geschriebene Buch bietet reichlichen Stoff zu einem Logenreferat. Die von . der Verfasserin gerühmte schrankenlose Freiheit, die ihren Gebrauch beständig mit dem Bemerken „Amerika ist nicht Plozk" entschuldigt, hat freilich auch ihre Schattenseiten. "Gerade die vorliegenden Nummern unseres Ordensorgans hallen wieder von Klagen über die zunehmende Zuchtlosigkeit der jüdischen Jugend in Amerika, die weder die Autorität der Eltern noch die des Religionsgesetzes anerkennen will. Das hochw. Exekutivkomitee hat sich deshalb veränlaßt gesehen; einen sozialen Hilfsdienst einzurichten, der den verurteilten jüdischen Jugendlichen den Weg zu einem ehrbaren f-ebenswandel ermöglichen will. Diese Zuchtlosigkeit ist freilich — Gott sei Dank!^ — kein Kennzeichen der jüdischen Glaubensgemeinschaft. Br. Dr. JuJius Rappaport berichtet in einem diesbezüglichen Aufsatz: im Jahre 19K3 kamen in Chicago ,bei einer Einwohnerzahl, von zweiundeinhalb Millionen 221 Morde vor, in New Yoik — mit fünf Millionen — „nur" 198 Morde; in Deutschiana" kommen auf eine Million Einwohner 3 M -Je, in England 9, injCanada 13, in den Vereinigten Staaten im Durchschnitt 90. Der neue Leittr des sozialen Hilfsdienstes, Br. Rabbiner Dr. Kaffee, will für jeden inhaftierten jüjdischen Jugendlichen einen „großen Bruder", d. h. einen Bruder B. B. stellen, der dem aus dem Gefängnis Entlassenen nicht mit Geld, sondern mit Rat und Hilfe zur Seite, steht und ihn vor dem Rückfall bewahrt. Die Sache ist nicht schwer: im Innern des Staates Illinois befand sich beispielsweise nur ein einziger jüdischer! Knabe in Haft, in Chicago waren es deren siebzehn) Unter den Brüdern in Chicago, wo die Logen jüngst einen Zuwachs von tausend Mitgliedern erhalten haben, werden sich sicherlich siebzehn finden, die sich dieser entgleisten Jugendlichen persönlich'.annehmen. Die Aus Amerika. ersten Erfahrungen, die Br. Dr Kaffee mit seinem Hilfswerk gemacht bat, sind freilich nicht sehr ermutigend für ihn: er hat bei 21 jüdischen Arbeitgebern um Beschäftigung für einen entlassenen Sträfling vorgesprochen — vergebens, keiner von ihnen vorurteilslos genug, die von dem Arbeitsuchenden begangene Schuld durch die Gefängnisstrafe nunmehr als gesühnt anzusehen! Ein bedeutender Advokat hat dem Br. Dr. Kaffee bestätigt, daß 25 Prozent aller Sträflinge rückfällig wurden, weil sich nach ihrer erstmaligen Entlassung aus dem Gefängnis niemand fand, der sich ihrer annahm und ihnen durch den Nachweis ehrlicher-Arbeit die Rückkehr in die bürgerliche Gesellschaft ermöglichte. Aus allen seinen Aeußerungen sehen wir, daß Br. Dr. Kaffee seine neuen Aufgaben mit ungewöhnlichem Ernst und Eifer auffaßt. Ke ne Reise ist ihm zu weit, keine Loge zu klein, kein Abend zu spät, um für sein Werk, d. h. des Ordens Werk, Stimmung zu machen und Mita-beiter zu gewinnen. Eine Anerkennung hat der Orden für diesen neuen Zweig seiner Liebestätigkeit bereits gefunden: der Rabbinerverein zu Chicago hat dem Br. Großsekretär A. B. Seelenfreund Dank und Glückwunsch ausgesprochen und seine Mitarbeit zugesagt Der Gedanke, den der Orden mit diesem „Sozialen Hilfsdienst" verfolgt, ist auch in England bereits auf fruchtbaren Boden gefallen. Br. Maurice Meyers von der London-Loge ist im Begriff, nach amerikanischem Muster einen „jüdischen sozialen Hilfsdienst" ins Leben zu rufen. Auch die übrigen Leistungen unserer amerikanischen Brüder zeigen einen erfreulichen Zug zur Erfüllung unserer Ordensideale. So will sich jetzt der Orden persönlich jedes einzelnen Bruders annehmen, den das Geschick aus der großen Stadt in die kleine Stadt hinaus schleuderte. Die Ordensleitung hat nämlich Erhebungen anstellen lasser, warum so viele Brüder wegen Nichtbezahlung ihrer Beiträge aus den Logen ausgeschlossen werden. Die Antwort lautete: viele Mitglieder übersiedeln in kleine Städte, wo sich keine Logen befinden und kümmern s ch von dort sich nicht, um s macht den aus nicht mehr um ihre Loge, wei diese sie kümmert. Br. Martin A Mark Vorschlag, es möge nicht nur jede Loge den Zu samtnenhang mit dem in die Provinz /erschlagenen Bruder aufrechterhalten, sondern zugleich diesen mit dem erforderlichen Werbematerial ausrüiten, damit er an dem Orte seiner neuen Tätigkeit eine Loge er — l?6