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Bericht der Großloge für Deutschland · 1916-11-01 · Nr. 8 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1916
Issue
Nr. 8 - November
Date
1916-11-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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wate über die Schicksale der polnischen Juden und ihre Entwicklung in politischer, wirtschaftlicher und kultureller Beziehung seit der ältesten Zeit bis zur Oe^Ut Bei - der außerordentlichen Fülle von Tatsachen, die der Verfasser trotz sichtlicher Beschränkung in der Anführung von Details in dieser überaus lehrreichen und interessanten Skizze bietet, mögen hier nur einige Punkte herausgegriffen werden, deren Besprechung mehr zur Lektüre des Ganzen anregen alt sie' entbehrlich machen soll. Schon die ä'testen Beurteiler, zuerst wohl Voltaire in seinem Karl XII, erkennen die wichtige wirtschaftliche Rolle an, diej die Juden in Polen, wo es einen „dritten Stand" nicht gab,, als Träger des Handels für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes hatten. Meisl gibt uns hierzu die geschichtliche! Erläuterung und Begründung. Er zeigt, wie die Juden in Polen, die erst in kleinen Scharen Im achten und neunten Jahrhundert über den Kaukasus nach Polen eingewandert waren, im zwölften und dreizehnten Jahrhundert starken Zuwachs durch jüdische Einwanderer aus Deutschland erhalten haben, die sich vor dem durch die Kreuzzüge angefachten religiösen Haß und Fanatismus nach Polen und Littauen geflüchtet hatten. Nicht etwa nur aus edelmütiger Tole anz, sondern in nüchterner Erkenntnis des eigenen Vort :ils und der hohen Bedeutung der Juden für die Erschließung der wirtscbaflichen Quellen des Landes haben die polnischen Könige sie in ihr Land aufgenommen und mit Privilegien ausgestattet, die teilweise über die christlichen deutschen Kolonisten gewährten hinausgingen. Einen Höhepunkt und zugleich die Grundlage für Vorrechte auch in späterer Zeit stellt das Privileg Kasimirs des Großen aus dem vierzehnten Jahrhundert dar. Ea räumt ihnen Autonomie in ihren inneren Angelegenheiten ein, nimmt ihre Syna- •J. Es ist nur zu begreiflich, daii sie ihm den Stempel ihr 's Geistes aufdrücken, ihre Kultus- und Kulturformen durchsetzen und ihm die Sprache geben. Es. konnte nicht ausbleiben, daß auch ihrem bescheidenen Wohlstand Feinde und Neider erwuchsen, Fei idschaft von der immer mehr erstarkenden Macht der Kirche, der die Ungläubigen je länger je mehr ein Dorn im Auge wurden, Neid von dem deutschen, :h ihnen eingewanderten Pfahlbürgertum, ihren schcelsüchtigen Konkurrenten in den Städten. Doch trotz mancherlei Anfeindung und Unterdrückung bewegt sich ihre wirtschaftliche Lage in aufsteigender Linie, um ihren Höhepunkt am Anfang des sechzehnten Jahrhunderts zu erreichen. Hand in Hand mit ihrer wirtschaftlichen Erstarkung geht, an Tiefe, Umfang und Bedeutung zeitlich und örtflch sie wejit überragend, ihre geistige und' nationalsoziale Entwicklung. Nicht nur nimmt das Studium des Talmuds bei ihnen einen Aufschwung, den min geradezu als eine ihn nur Renaissance bezeichnen darf und wie man Inden glänzenden Epochen der'jüdischen Oeichic'i'te beobachten kann, daspohische Judentum entwickelt sogar eine eigne nationale Kultur mit neten Gemeinschaftaformen und Institutionen,« wie sie im Mittelalter sonst nur selten zu finden sind. Nun tritt aber eine jähe Wendung ein. Die Icönigli:len Städte schließen sich vielfach, gegen sie zusammen, . beschneiden und verkümmern ihre Haideisrechte und ihre Bewegungsfre.heit, drängen sie in einzelne Stadtteile zurück, die allmählich den Charakttr eines Ghettos annehmen. So wird ein niot unbeträchtlicher Teil von ihnen "gezwungen, die Stäcjte zu verlassen und auf den Gütern adeliger Gr indherren sich anzusiedeln unter schlechteren Erweirbsvdrhältnissen und nicht minder schlechten Rechts- Verhältnissen. Denn damit geriet er unter die Juri; diktion und Willkür der Grundherren, während gogen und Kultuseinrichtungen in staatlichen Schütz bisher königlicher .Jurisdiktion unterstand und sich und gewährt ihrer wirtschaitlichen Betätigung weiten Spielraum. Et verdient hervorgehoben zu Werden, daß sie in dieser und der folgenden Zeit nur vereinzelt zu größerer Wohlhabenheit gelangen, daß dagegen der weitaus größte Teil von ihnen in zwar ruhigen, r sehr bescheidenen Verhältnissen lebt Für königlichen Schutzes erfreute. Es.tritt diese Zeit ein, von der einer der besten Kenner polnischer Geschichte daß wie Lüge u^nd Gläubige und Grund zu allen Habsucht Un, den aber sehr bescheidenen Verhältnissen lebt Für das sechzehnte Jahrhundert bezeugt dies kein geringerer als Rabbi Moses Isseries, der berühmte Erklärer, des Schulchan Aruch. Deutsche Juden sind es somit, die an der völkischen Zusammensetzung des polnischen Judentums den bei weitem größten Anteil haben. ident in ihr der Geist der eine Teufelsherrschaft über gläubige einherfuhr und der Unarten und ethischen Mängeln gelegt wurde, die man fälschlicherweise für Eigenschaften des gesamten Judentums ausgegeben habe.- Viele Juden wurden zu Handlangern^ und Werkzeugen des Adels im schlechtesten Sinne dieses Wortes. Selber gedrückt, sie als Steuerpächter des Landadels die drücken - 1*? -

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