Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1916-11-01 · Nr. 8 - November · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1916
Issue
Nr. 8 - November
Date
1916-11-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4864325-6029084-6074380--2103-4866205
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Noch : daß V recht: Noch auf eins wurde schon von anderer Seit: hingewiesen." Wie wirken diese Dinge im neutralen Auslände? Wir wollen keinen allzugroßen Wert darauf legen, was man im Auslande von uns sagt; gewiß nicht. Aber wir haben doch Hoffnung, daß di: Zeit nach dem Kriege uns ein Stück Weltpolitik ermöglicht, und, meine Herren, Weltpolitik ist nicht möglich ohne nationale und religiöse Toleranz (Seh r richtig;! links.) Das ist einer der Vorwürfe, der immer und immer wieder gegen uns erhoben wird wahre I Toleranz im deutschen Volke keine Stätte linden könne. Ich. weiß, daß der Vorwurf nicl t gerechtfertigt ist; aber er' wird immer wieder laut. Es geschieht zu viel, was der Auffassung eine gewisse Berechtigung verleiht, als ob wir von Natur intolerante Menschen wären. In den Rahmen dieser Dinge gehört der Erlaß. Ich sehe in manchen Einzelheiten die Dinge anders an als-der Herr Kollege Heine. Herr Kollege Heine hat gemeint, eine derartige Statistik würde deshalb nichts beweisen, weil es ja ganz begreif ich sei, da J die Jaden weniger felddienst fibige Leute stellen; durch den jahrhundertelangen Druck seien sie körperlich degeneriert, und es würden daher wohl weniger kriegsverwendungsfähige Juden als Christen vorhanden sein. Me ne Herren, ich glaube das nicht. Ich wurde dem Ergebnis einer solchen Statistik, wenn sie nur statistisch richtig gemacht wird, mit großer Ruhe entgegensehen. Ich glaube, daß die hundert oder die achtzig Jahre der Emanzipation genügt haben, um die deutschen Juden körperlich zu entwickeln. | , Ich möchte allerdings eins hinzusetzen. Wenn es so wäre, daß bei den deutschen Juden in größerem Maße als bei Andersgläubigen die Neigung vorhanden wäre, sich zu drücken, wenn bei den deutschen Juden in gre ßerem Maße als bei Andersgläubigen ein Gefühl der Feigheit und der Angst vorhanden wäre — meine Herren, ich will ganz offen sprechen: dann würde Ich nicht anklagen die deutschen Juden, dann würde ich anklagen Inre Urgroßväter und Ihre Ururgroßvi ter, die durch eine jahrhundertelange Unterdrückt ng die deutschen Juden zu dem gemacht hatten, was sie ehemals waren. Ich sehe jetz»,i wie die Dinge in Polen sind, ich sehe, wie man Menschen durch den Druck und durch die Knechtschaft demoralisieren kann. Ich sehe, wie arme bedauernswerte polnische Juden wie die Hunde kriechend einem andern einen Handkuß geben wollen, sodaß einem aufrechten M um der Ekel aufsteigt. Ich weiß, was aus einem Volk durch den Druck gemacht werden kann, und trotzdem sage ich!: die deutschen Jnien waren stark genug, um in relativt kurzer Zeit diese Folgeerscheinung der Rechtlosigkeit und des Druckes zu überwinden. Ich glaube, daß die Statistik, wenn man sie nuf richtig macht, den deutschen Juden nicht zur. Unehre gereicht Aber, nifine Herren, man muß rchtig zählen. Es handelt sich um die Feststellung, wieviele bei der kämpfenden Truppe, wieviele in. der Etappe und im Hematsdienst sind. Schon der Versuch, die Juden bei den Kriegsgesellschaften a lein zu zäh en, bätie zu e ner falschen Statistik geführt. Nicht darum bandet es sich, wieviel Juden ch in irgendeiner Berufsgruppe in 'der Heimat bes fnden, sondern es handel sich darum, wieviel Sieirschen in wehrpflichtigen* Alter inder Heimat eschäftigt sind, irgendwo in der Heimat reklamiert sind, oder Si:h in der Etappe und im Heimatsdienst befinden. \[>enrr man die Reklamierten der Kdegsgcsellschafteri zählt, dann muß man auch zänlen die Reklamierten bei der Schwerindustrie,'bei der chemischen Industrie, bei der Banji. bei der Post,, bei den Aemtern nril Verwaltungstellen mannigfacher Art, (Zuruf) — ja und auch bei der Land Wirtschaft — sawie bei anderen Teilen d<r Industrie. Mit .einem Worte, j meine Herren, man muß alle'zählen, und cann n-Juß man die Oesami eiffern der;.Konfessionen riitenander vergleichen. Ich meine, so wenig man einem garnisondienstfähigen Manne , einen Vorwurf daraus machen kann, wenn er bei der Bahn, bei der Post, in der schweren Industrie derb Vaterlande Nützliche Dienste' leistet, ebensowenig kan.n man einem anderen garnisondienstfänigen Menschen einen Vorwurf daraus machen, wenn er die Berufskenntnisse, die Fähigkeiten, die er besitzt, nun dem Vaterlande nützlich macht auf dem Gebiiete irgend einer anderen Arbeit. | (Sehr richtig! Mnks I Ich will, meine Herren, mit alledem nur das eine sagen: wenn Sie statistisch die Dinge rchtig erfassen vollen,,' dann müssen Sie alles zählen; dann dmfen Sie nicht einen Teil zählen. (Sehr richtig! links-) Dann, meine Hei ren, zählen Sie vor allem auch e nmal die Kriegsfreiwilligen;icn meine nicht die Kriegsfreiwilligen, die nach sechs Monaten desKrieges gekommen sind; da waren neben viel tapferer Jugend die erst herangereift war, schon Infanteriedeserteure darunter, die noch schnell Kriegsfreiwillige wurden, damit sie ja nicht zur Infanterie kamen; zänlen S e die Kriegsfreiwilligen nach Konfession« n au» den ersten Tagen, aus den ers en Wochen, aus Krieges und untersuchen S < große, starke Zug, der durch 115. den ersten Monaten des einmal, ob nicht der ganze deutsche Volk

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.