Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1916
- Issue
- Nr. 8 - November
- Date
- 1916-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus der Rede des Br.. Dr. Haas in der Reiehstagssffzjing am 3. November 1016: ........... „Nun möchte ich auch noch etwas zu der letzten Verfügung des Kriegsministeriums vom 11 Oktober d.~ J. sagen, durch dii das Kriegsministerium ■ eine Zählung der . jüdischen Soldaten an den verschiedenen Stellen der Armee angeordnet hat Ich will dazu sprechen, weil ich Jude bin, und weil ich nicht wünschen würde, daß der Eindruck entsteht, als ob ich absichtlich in die?er Frage geschwiegen hätte. Denn ich habe es immer füc meine Pflicht gehalten, offen und frei zu bekennen, was ich bin, und nicht zu verheimlichen, welcher Glaubensgemeinschaft ich angehöre. (Bravo! rechts.) Da will ich dem Kriegsministerium sagen: sein Erlaß hat in den weitesten Kreisen der deutschen Juden und wohl auch weit daiüiex hinaus ltbhaftes Befremden erngt- (Sehr richtig! links) Dieser Erlaß hat Befremden erregt auch außerhalb dtr Kreise der deutschen Juden, nä nlicö dort; wo man der Meinung ist, daß wir jetzt in dieser Zeit die innere Einheit und die innere Geschlossenheit noch d ir gend notwendig brauchen. (Sehr ruht'gijinks) D^er Erlaß hat übera 1 don_ Befremden erregt, wo man meint, d-ß es dringend, no wendig ist, daß wir in d eiern schweren Kampfe alle Volkskäfte einheitlich undgtschloss'rn zusammenfassen. (Bravo! links ) (' I T n Es ist von selten des Kriegsministeriums heute erklärt worden, daß der Erlaß nicht böse gemeint war, daß das Kriegsministerium sich lediglich das statistische Material verschaffen wollte, um Vorwürfe die erhoben worden sind, nachzuprüfen, und um diesen Vorwürfen, wenn sie ungerechtfertigt sind, entgegentreten zu können. Ich nehme die loyale Erklärung des Krteg^ministeriums loyal an. Aber, meine Merrtn, üi<ge»cbickt ist der Erlaß des Kriegsministeriums, ungeschickt aus verschiedenen Gründen. Die hohen rierren verzeihen, wenn' ich das in aller Bescheidenheit sage:' militärisch ist der Erl.ß grüne verfehlt Was braucht der Soldat an der Fron? Er braucht seine Ehre, und man darf ihm nicht in der Weise, wie es da, wenn auch gewiß unabsic htlich, geschehen is», seine Ehre nehmen. Stellen Sie s ch einmal vor: ii welcher Lage befindet sich der jüdische Soldat, auch der Soldat vorn im Set ü zrngrdbei, wenn nun dtr Kompagnie chreiber die Venü^ung in die Hand be omrat,- die nicht so genau gelesen wrd, wie es vielleicht wünschenswert v»ä e? Sie hinte!äß den Ei. druck: , Der Jude drückt sicn.u Wie emjjfn.det das der jüdische K.rnierad? Meine Herren, der Erlaß ist auch geeignet, die Autorität jüdischervorgesetzter zu untergraben (Sehr rieb tig! links. Ich mache kein Hehl daraus: mir wäre es als Kompagnieführer nicht angenehm gewesen, wenn dieser Erlaß in die Hände meines Kompagnieschreibers und meines Kompagniefeldwebels gekommen wäre. Ich meine, daran hätte das Kriegsministerium auch denken müssen., Ich habe eine -ülle von Briefen in diesen Tagen erhalten voller Klagen über den Erlaß, und es sind Briefe darunter — de Tränen können einem ins Auge kommen. Es geht durch alle diese Briefe hindurch: Nun sind wir gezeichnet. Das ist ein Wort, das sich oft wiederhol'. Einige schreiben: „Nun hat man uns offiziell, nachdem wir seit Beginn des Krieges draussen stehen, zu Soldaten zweiter Klasse gemacht!" Einer, der in cer ersten Hälfte des Monats August 1914 sich das Eiserne Kreuz erworben hat — und das Eiserne Kreuz aus der ersten Hälfte des Monats August 1914 bedeutet viel —, ein Mann, der mehrfach verwundet war, und de'jetzt als Verwundeter in irgend einem Bureau sitzt, schreibt, wie ihn die Verfügung kränke. Er sagt aber auch, daß die Statistik sehr merkwürdig gemacht werde. Er werde als Schreiber gezählt und nicht als ier Mann, der monatelang draußen stand, der vor den Feinde dreimal verwundet worden ist (Hört! hör:! links) Und noch eines, meine Herren! Hätte man, be- J f J' I1 11 ' vor ein solcher Erlaß hinausgegeben wurde, nicht doch auch ein klein wenig daran denken dt rten, daß es auch jüdische Eitern gibt, die ihre Söhne beklagen? Gibt es in Flandern, in Frankreich, in Polen und weiter im O -ten nicht auch Gräber jüdischer Soldaten? Wie empfindet es der Vater und die Mutter, wie empfindet es d>e Frau, die ihren Mann ver oren hat, wenn sie jrtzjt, nachdem sie gern und willig das Beste hergegeben hatten, was sie besaßen, von dem Erlaß hören, der eben doch als ein Erlaß gegen die Ehre der deutschen Juden empfunden werden kann? Noch aus einem anderen Grunde bedauere ich den Erlaß: Es bleibt uns doch nach dem Kriege so unendlich viel gemeinsame Arbeit übrig. Sie können — auch Sie rechts! — in einzelnen Fragen stehen, wie immer Sie wollen; aber darüber sind wir uns alle miteinander klar: Arbeit bleibt auch nach dem Kriege genug für das deutsche Volk (sehr wa tr! links), und es wird von uns allen miteinander viel, viel gemeinsame Arbeit geleistet werden müssen. Wir er ragen es jetzt und wir ertragen es nach dem Kriege nicht, daß man das deutsche Volk mit al'er Gewalt auieirunderreißen und gegenseitig verhetzen] will.