Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1916
- Issue
- Nr. 7 - September
- Date
- 1916-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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d e Verhältnisse der Gegenwart infolge eigenartiger' Umstände nicht geklärt sind und uns nicht besonders befriedigen. Auch auf die Entwicklung unserer Logen und des Logenlebens ist der Krieg nicht ohr.e Einfluß geblieben. Die Sitzungen können, wie wir dies aus den Berichten des hochw.'Großpräsidenten in den Generalkomifeesitzungen .ersehen, nicht überall regelmäßig abgehalten werden; die Propaganda ruht fast vollständig. Wir waren in den letzten zwei Jahren weder in der Lage, neue Arbeitsstätten für unseren Orden zu begründen, noch war es Jins möglich, einen ent-' sprechenden Zuwachs an Mitgliedern zu gewinnen. Im Gegenteil, die Mitgliederzahl ist bedeutend zurückgegangen Wohl gibt es noch eine große Anzahl edi ldcnkcnder Israeliten in unserem Vaterland e, die wir zu unserer Arbeit einladen könnten. Die Menschenreserven sind wie auf dem Gebiete der Vaterlandsverteidigung keineswegs erschöpft; allein die Logen selbst sind zur Zeit zur Entfaltung einer größeren Propaganda nicht besonders angetan, und anch das Menschenmaterial, das für -uns in Frage kommt, ist infolge der Kriegswirren nicht in der Stimmung, sich einer Organisation wie der unsrigen anzuschließen. Angesichts dieser nicht wegzuleugnenden Tatsachen ist es nur erklärlich, wenn Fragen nach der Gestaltung des Logenlebens in der Zukunft bei unseren Brüdern rege werden und vielleicht in manchem von uns eine pessimistische Stimmung erwecken. Wie steht es aber in Wirklichkeit? Sind die Befürchtungen betr. Schwächung des Logengedankens begründet? Keineswegs. — Wenn auch die Logen in gewohnter Weise nicht arbeiten können, wenn auch die Sitzungen infblge Einberufungen der Brüder zum Heeresdienste nicht regelmäßig^stattfinden, wenn auch die Propaganda in keiner uns befriedigenden Weise entfallet werden kann — der Logengedankq als solcher hat du:ph diese Hemmnisse keineswegs gelitten. Wir möchten im Gegenteil behaupten, daß der Logengedanke während und infolge des Krieges eine gewisse Stärkung erfahren hat. Wie die Mitglieder einer Familie durch den Krieg einander näher gerückt sind, so sind auch diej Glieder unserer Qrdemfamilie während der langen Dauer dieses furchtbaren Völkerringens einander näher getreten. Viele Brüder kamen in den Garnisonen und Lazaretten häufiger mit Ordensmiigliedern zusammen, sie hatten während ihres' Heeresdienstes Gelegenheit, bei den Brüdern an den iLogenplälzen zu verkehren, deren Gastfreundschaft zu genießen und dabei selbst erlebt und empfunden, daß das Wort „Bruder" kein leerer Schal! ist. . v 5of schreibt beispielsweise ein im Felde stehender Bruder der w. Lessing-Loge, der einige Zeit in Metz zubrachte und bei Brüdern der w. Lothringen-Loge gas liehe Aufnahme fand: „Nach den unsäglichen Stti pazen eines monatelangen Feldlebens ist unsereins doppelt dankbar für den Reiz jüdischer Häuslichkeit unc für deren tiefen Frieden. Ich hatte schon im vorigen Jahre Gelegenheit, während eines kurzen Aufenthalles in Saarbrücken die brüderliche Gastfreundschaft in i ler Familie eines dortigen Bruders zu genießen und spä ety, verlebte ich unvergeßliche Stunden in der Gesellschaft eines Bruders der w. Starkenburg-Loge. -+- Wenn ich nicht — so schließt dieser Bruder sein Schreiben —schon seit Jahren ein von dem idealen Streben der Logen erfülltes Mitglied wäre; sor wäre ich es jetzt durch die Brüder geworden, dje ,eirt freundliches Geschick mich ia^ diesen schweren Zeiten kennen lernen ließ." Mv[.; Br. Feldrabbiner Dr.. Salu Levi, hafte im Osten ein: Chanukkafeier abgehalten, bei welcher Gelegenheii er einige Logenbrüder kennen lernte, die gemeinsam an den Br. Großpräsidenten Grüße, vom Felde sandten. Inj einem zweiten Schreiben schildert Br Le\i die Gefühle, die die Brüder beseelten, als sie gegenseitig erfuhren, daß sie-unsferem.Orden angehören „Als wir uns — so schreibt dieser Bruder — als Bnei Briss erkannten, nickten wir uns. plötzlicfi noc h näher, und ich hatte das Empfinden, daß es um uns noch he'ler wurde, als es durch die drei Mal acht Chanukkalichter schön war!" Ich, .glaube, daß mancher Bruder aus dieser Kriegszeit neue Kraft und nei en Willen für unsere Logenarbeit in die Friedenszeil und in die Heimat mitbringen wird, Und unser Gruß an Sie, hochw. Großpräsident, der, \vie aus ei r em Munde vorgeschlagen und angenommen war, sol te ein s'illes aber festes Versprechen dieser A»t für die Zukunft von seifen der Unterzeichner sein." Diese warmen, tiefempfundenen Worte des Br. Felirabbiner Levi können wir nachempfinden und verstehen. Denn der Logengedanke hat-^ticade^ in dieser Zeit der allgemeinen Not und Gefahr eine Bei eicherung erfahren. Wie der Krieg, dieser Umwerter aller Werte, auf manchen Gebieten ferziehfich und '' L '\'* ■ ' «i schjöRferisch wirWe, so befruchtete und vertiefte er auch unsere Ordensaufgaben. So beispielsweise die r . i * ••'j. - « Bruderliebe. , .„i«. Wohl waren wir in Friedenszeiten bemüht, die Brüderlichkeit" zu pflegen, aber der Krieg erschloß r f