Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1916
- Issue
- Nr. 7 - September
- Date
- 1916-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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partei oder die Satzungen der Agudas Jisroe' oder das Abc des Zionismus oder die liberalen Richtlinien oder die Dogmen der . nationalliberalen Partei dazu sagen? Haben wir endlich den Mut — unbeschadet der Liebe und Treue zu unserem Vaterlande — zunächst nur Juden zu sein und in allen Angelegenheiten, die unsere Gesamtheit betreffen, das Jüdische zu unterstreichen, jüdisch zu empfinden, jüdisch zu denken, jüdisch zu handeln. Die kräftigste.Und eindringlichst Predigt halten uns die Weltereignisse der Gegenwart. Sie sind eine lebendige demonstratio ad oculös. für die Lehren der Weltgeschichte, die uns alljährlich, besonders die Herbstfeiertage, ins Gedächtnis rufen. Sie überzeugen uns täglich von der Wahrheit, daß es einen Gott gibt, der die Nationen nach Gerechtigkeit richtet. Die Weltgeschichte gehtreben ihren ehernen Gang. Alle Großmächte, die gelebt haben und gestorben sind, die Aegypter, die Assyrer, die Babylonier, die Hellenen, die Römer und .«das„heilige römische Reich deutscher Nation haben uns geknechtet und entrechtet] Sie sind allesamt unwiederbringlich dahin. Die Judenheit und das Judentum leben und bestehen. Sie leben und bestehen in ihrer Gesamtheit und in ihren einzelnen Teilen. Nur die Form hat gewechselt, Kern und Wesen sind geblieben und werden es bleibe:), solange wir die Kraft und den Willen haben, uns den Zersetzungsversuchen, die uns von außen und vjbn innen bedrohen, zu widersetzen., " D e u t s ch e J u d e n haben im heiligen" rons&chen Reich deutscher Nation gelebt. Als deutsche Juden leben wir im neuen deutschen Reich, das unser ruhmreiches Hohenzollernhaus aufgerichtet und eingerichtet hat. Unsere Vorfahren sind als-deutsche Juden die [Kammer-. knechte des heiligen römischen Reiches deutscher Na ion gewesen. W i r sind als deutsche Juden ,in das Deutsche Reich eingetreten und hier nunmehr deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens und jüdischer, Abstammung geworden. Das wollen wir sein und bleiben. Die dazu nötigen Instanzen: Kohol, Parnes, Raw, Melammed hat uns die Vergangenheit geschaffen. In den modernen Formen der „Synagogengeraeinde", des „Vorstandes", des „akademisch gebildeten Rabbiners" und des „seminaristisch gebildeten Lehrers" wollen wir unser altes Judentum lebendig erhalten. Nur muß der Knorren den Knubben auch vertragen und jeder Instanz auch die Bewegungsfreiheit gönnen, die zu deren kräftiger Betätigung unentbehrlich ist. Dann werden wir jüdische anstalten, j Familien, jüdische Leh,rüdische Gemeinden habtn^. in denen ein zielbewußtes deutsches Judentum zäm Heile des deutschen Vaterlandes und zum Segen der jüdischen Gesamtheit oder auch der gesamten Judenheit heranblühen und gedeihen wird. Das sind-' die Neujahrswünsche, die ich meinen Brüdern darbringe. Mögen sie Beachtung und Er-' füllung finden.! •I * ü 4 \ * 1 : - zum Neujahrsfeste entbieten wir den w. Logen und damit allen unseren lieben Brüdern und ihren Familien unsere jierzlichsten Wünsche. Diese Wünsche — in allen fühlenden Herzen ruhend — gehen dahin, daß unserem Vaterlande ein baldiger siegreicher Friede von Festigkeit und Dauer beschieden sein möge. Uns selbst aber wünschen wir, -dali unsere Logen nach der aulregenden Kriegszeit eine segensreiche Friedenstätigkeit im neu aufstrebenden Vaterlande entfalten mögen; der jüdischen Gemeinschaft, daß ihr im Frieden die Stellung gewährt werde, die ihr nach ihren Leistungen! in Krieg und Frieden zukommt. | Großlage für Deutschland. VIII. U. 0. B B. T mendorfer. Der Logengedanke während des Krieges. "! Von Br. E. F i n k e 1. Wie wird sich das Lpgenleben nach dein Kriege gestalten? Wird der Logengedanke in seinei* früheren Kraft fortbestehen und fortwirken, oder werden wir mit unserer Arbeit von neuem beginnen müssen? — Diese r * ' - Fragen beschäftigen in dieser schweren, erastjen Zeit so manchen unserer Brüder, der über dien Fortbestand unseres Ordens und über seine Tätigkeit nach er- Goldschmidr. langtem Frieden nachdenkt. Solche Fragen nach der Zukunft sind inj der menschlichen Natur begründet. Gerade, weil uris die Zukunft mit einem undurchdringlichen Schleier verhüllt' ist, drängt es uns, zu fragen, was sie uns bringen wird. Das Streben nach Erforschung der Zukunft macht sich bei uns Menschtn gewöhnlich in den Zeiten stärker geltend, in denen - 100