Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1916
- Issue
- Nr. 7 - September
- Date
- 1916-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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ertönt, daß die unter dem Zwange der augenblicklichen Kriegslage zum Unterricht an christlichen Schulen zugelassenen jüdischen Lehrkräfte leinen Anspruch auf 'dauernde Beschäftigung an diesen Anstalten nicht erwerben können: Es haben eben nach dem Oesetz die Schule:», geradeso v/'.e die Kirchen, und Synagogin-Oemeirjden, ihren eigenartigen Charakter. Daraus ergibt sich, mit Notwendigkeit die zweifellose Richtigkeit des Gedankens, den bereits vor siebzig Jihren einer der hervorragendsten Vorkämpfer des modernen jüdischen Liberalismus, ganz vortrefflich etwa wie folgt zum Ausdruck gebracht hat: „Nur in Jüdischen S c h u I e n erlangen die jüdischen Kinder geradeso wie jetzt überall nur deren christliche Mitschüler in der frühesten Jugend schon das Bewußtsein, daß die religiösen Lehren, die ihnen mitgeteilt werden, allgemein gültige sind, und daß sie durch dieselben einer großen Gemeinschalt zugehören. , Sie sehen tätlich eine größere Anzahl von j jgjncjlichen Gefährten, mit denen sie durch das mirgste Glaubensband eng verbunden sind. In .f wohlgeordnetem , Lehrgang erhalten sie die für die Teilnahme am Gottesdienste unentbehrlichen Kenntnissei und gewinnen täglich von neuem an Liebe zu.ihrer Religionsgegemeinschaft. Auch in den profanen Lehrgegenständen werden dabei die jüdischen Kinder, wie jetzt durchschnittlich nur deren' chris'liche Altersgenossen, täglich und stündlich fruchtbare Anregungen für das v religiöse Leben erhallen." I - , " Die Sabbithe und Feiertage werden dann ohne weiteres beobachtet, die Gottesdienste an diesen Tagen ohne we'teres besucht werden, die Jugend wird wieder heimisch sein im Bethaus und in der Gebetordnung. Das wird als einfache Folge ohne jeden weiteren Ert iehungsapparat eintreten. Es wird nicht mehr vor kommen, daß wie jetzt unsere Kinder in der Zeit .vor i Oktober bis Dezember jedes Jahr im Leseunterricht, im Deutschen, im Gesangsunterricht, selbst im Handarb :itsunterricht, vom Gedanken an das Weihnachtsfest beherrscht werden. Sie werden vielmehr in dieser Zei auf das; Fest d.-r Tempelweihe, im folgenden Vieleljahr auf das Fest der Befreiung aus Aegypten unc im Sommer genügend auf die großen Herbstfeiertage systematisch sowohl in den Hauptals in den Nebenfächern vorbereitet werden. Jüdische Lehrer unc jüdische Lehrerinnen, deren Kfa|ft zurzeit völlig, bra :h liegt, werden Gelegenheit haben, ihren Lebensber if auszuüben,- und werden sich gern der Aufgabe wid men, die Jugend unserer Glaubensgemeinschaft zu treu en Söhnen unseres Vaterlandes und /a aufrichtigen - 99 Bekenne™ des vaterlichen Glaubens zu erziehen. Also, liebe Brüder, helft mit am guten Werke!, Gründet jüdische Schulen, jüdische Volksschulen, jüdische Kinderhorte, jüdische Mittelschulen, jüdische'Koch- und tlaushaltungsschulen, jüdische Schulen jeder Art und Dallung. Dasi wird unser. jüdisches Selbst- - bewulltsein stärken, (das wird eine glaubenskräftige jüdische Rel'gionsgerfteinde erblühen lassen, das Wird unsere politische Wertschätzung in den Augen der Andersgläubigen erhöhen. Wir Werden wirkliche gleichberechtigte deutsche Staats-. bürj;er jüdischen Glaubens und jüdisch t r "A b s t a m m U n g sein. Wir Werden auf1 hören! als eine quatitite negligeable* angesehen und behandelt zu werden. Wir werden im öffentlichen Leber endlich einmal ein Faktor sein, mit dem man rechnen kann, und aut den man sich verlassen kann. 3. Schließlich nur noch ein kurzes Wort über die Abwehr der Zerklüftung. Es ist endlich an der Zeit, daß wir uns von der Knechtschaft der Schragworte, unter deren Joch wir seufzen, befreien. Machen wir ein Ende mit dem Zustande, daß jeder von uns mit einer Parteimarke abgestempelt, sei es'jals Assimilant oder ds Gesetz?streuer, sei es als Liberaler oder als Misra :hist, sei es als Orthodoxer oder als Zionist, oder wie immer die Srhattierungen sich nennen mögei, herumläuft. Hat. man doch selbst in das Küide»leben, in das Järtglings-' und jungfrauenalter bereit;; die Keime des Zwiespalts hineingetragen. B'au-weiße, grün-weiße und allerlei buntfarbige Wandervögel, liberale, zionistische, gesetzestreue utid dergl. Jugendvereine sind entstanden, die mit überlautem Geschrei Entschließungen gegeneinander fassen und die Erwachsenen in der Betonung' der Parteischablone noch übertrumpfen wollen. Mit tiefer Herzeisbetrübnis hat der ehrlichste, treuherzigste und opferf eudigste Freund der jüdischen Jugendbewegung, unser unvergeßlicher, uns iplötzlich entrissener lieber Bruder Siegfried Brünn diesem unschönen Gezänke , zugeschaut uncrmit seinen- Freunden und Beratern npch in seinen letzten Lebenstagen auf Mittel und Wege gesonnen,, um zunächst-wenigstens eine Arbeitsgemeiischaft der verschiedenen Gruppen anzubahnen, und dadurch eine Grundlage zu gevrinrten,auf welche: der neutrale Charakter dir Bewegung wieder her zustellen wäre. Urid in der Tat, ist es denn ein erträglicher Zustand, daß jeder von uns, wenn er für eine" j üd i s c h e Sache sich entscheiden soll^ erst nachschlagen muß, was der Kodex der ' fortscjhrHtlichen Volks-