Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1916
- Issue
- Nr. 7 - September
- Date
- 1916-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Gebot der heiligen Schrift, das Gebot der Pflanzung (1. M. 1, 28,), mit Füßen treten. Geradeso im Argen liegt der jüdische Ünterricht und die jüdische Erziehung. Für 80 Prozent der jüdischen Jugend ist heute bereits der Sonntag und der christliche' Feiertag der wahrhalte Ruhetag. Das j heranwachsende jüdische Geschlecht ist fremd in der Synagoge an Wochentagen, Sabbathen und Feiertagen. Mit tiefem Widerwillen erträgt die jüdische Jugend die Maßregel, daß der einzige ihr allwöchentlich zur Ruhe gegönnte Tag, der Sonntag, ihr durch den Zwang zur Teilnahme am Religionsunterricht vergällt wird. Dazu kommt, daß unter der Fahne falscher und für uns unbrauchbarer Schlagworte der'großen Masse der religiöse Selbstmord mundgerecht gemacht wird, und daß diese in ihrer Unüberlegtheit .den falschen Fahnen nachläuft. Die Ehrfurcht vor den Autoritäten, die das öffentliche Leben der religiösen Gesamtheit aufrecht erhalten haben, ist untergraben. Wie in der Richterzeit tut jeder, was recht in seinen Augen ist, und wird noch dazu von „berufener und spruchbefugter" Seite darüber belehrt, daß das gerade das Rechte sei. Dies die H a u p t sc h ä d en.. Daß sie vorhanden sind, wissen wir alle.. Wie sie zu heilen sind, leuchtet unserem Intellekt ebenfalls ein. Nur den Willen und die Tatkjaft müssen wir uns erkämpfen, um dem Intellekt zum Siege zu verhelfen und die Heilmittel rücksichtslos zur Wirkung zu bringen^ 1. Jüdische Männer und jüdische Frauen müssen sich-entechließen, in einem reichen Kindersegen, wie es jeilweise noch bei unseren Vätern und ganz bestimmt bei unseren Großvätern war, das wesentliche Gluck der Familie zu erblicken. Immer wieder erjtönt im öffentlichen Leben der Helzrur, daß das Deutschtum durch den Eintritt der Juden in die Gleichberechtigung verjudet sei. Wenn in irgend einem Bereich, so ist in diesem das gerade Gegenteil die Wahrheit In Wirklichkeit ist das westeuropäische Judentum von seiner christlichen Umgebung mit deren Malthusianismus und Neomalthusianismus und den damit zusammenhängenden falschen soziologischen Anschauungen in seinem innersten Lebensnerv vergiftet »Seid fruchtbar und mehret euch," ist das klare gütliche Gebot, das gleich am Anfang der heiligen Schrift steht. Es wird einstimmig von Talmudisten und Rabbinen für eine der wichtigsten, wenn nicht für die wichtigste positive religiöse Vorschrift erklärt. Unter diesem Zeichen haben wir uns erhalten lj>is auf Fortden heutigen Tag. Es bedarf keiner Ausführung, daß wenn wir fortfahren, E r z i e h u n'g und wir zu Grunde gehen müssen, das Gebot zu mißachten. 2 Was ferner die jüdische den jüdischen Unterricht angeht, so können zum Glück die deutschen Großgemeinden heute noch Muster und 'Vorbilder für die | jüdische Gesamtheit sein. In Berlin, in Hamburg, in Frankfurta. M , in Breslau, in Cöln usw. gibt es immer noch höhere und niedere jüdische Schulen öffentlichen Rechtes, in denen jüdische Kinder von jüdischen Lehrern und Lehrerinnen unterrichtet werden. Diese Ausnahmen müssen unt die Regel w er den deutschen Juden erden. Es ist zweifellos etwas Großes und Herrliches um den Gedanken der „nationalen Einheitsschule." Die meisten Vertreter dieser Idee lassen sich besonders heute gern bezaubern von der Tatsache der nationalen* Einigkeit, die der Krieg anschaulich in Wesen und Wert uns allen vor Augen führt. Man möchte nicht mit Unrecht die| durch den Krieg geschaffene Verbindung der Schichten der Bevölkerung, die sich bis jetzt in Ständen gegeneinander abschließen, für die Zeit des Friedens und für neue Aufgaben retten. Denn eine einheitlich nach auß:n und in-ien fest in sich geschlossene Nation hat den Anspruch darauf, ein Schulwesen zu besitzen, das dem gesellschaftlichen Hader und der ständischen Zerklüftung keinerlei Vorschub leistet. Nur ist eine wesentliche Instanz dabei im Auge zu behalten. Der treffliche Qedanke gleicht bis auf weiteres dem Raben Noahs, der ausgeflogen und endlos hin- und hergezogen ist. Es bleibt jedem unbenommen, sich füjden Gedanken zu begeistern und an! dessen dereinstiger Verwirklichung tatkräftig mitzuarbeiten. Aber niemand vergesse: de nationale Einheitsschule ist die Taube auf dem Dache, die Konfessionsschule ist der Sperling in der Hand. Es ist garnicht daran zu denken, daß in absehbarer Frist die gesetzlich festgelegte streng konfessionelle Grundlage unseres Schulwesens aufgegeben werden wird. Entsprechend der durch die Verfassung gewährleisteten Gleichberechtigung steht es uns grade so wie unseren christlichen Mitbürgern frei, Schulen auf jüdisch religiöser Grundlage zu errichten. In solchen Schulen werden,obgleich die Christen doch auch mit den Juden gleichberechtigt sind, chrisliche Lehrer niemals eine Anstellung finden können. Es ist demnach ein fast unbegreifliches Mißverständnis der bürgerlichen Gleichberechtigung, wenn hie und da bei uns die Klage — 9? —