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Bericht der Großloge für Deutschland · 1916-08-01 · Nr. 6 - August · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1916
Issue
Nr. 6 - August
Date
1916-08-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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p ' J .. | \TT Zu Hermann Cohen s Deutschtum und Judentum Von Julius Goldstein (Darmstadt), z. 2t »k^ä "j '\' ' "* **' ir Hermann Cohen hat zwei Mal während dieses Krieges die Frage Deutschtum. und Judentum behandelt Das erste Mal vor bald einem Jahre als erstes Stück einer Schriftenreihe, die den .Titel [führt: „Von deutscher Zukunft." Das zweite Mal in leinem kürzlich erschienenen Sammelwerk: „Vom inneren Frieden des deutschen Volkes " *) im Felde. in die historischen Zusammenhänge des deutschen Judentums hineinstellt, nur dann dürfte mau ihnen gerecht werden, dürfte ihr Verdienst' ohne klein liehe Mäkelei auch von dem dankbar anerkannt werden, der, wie leb, sich nicht zu der — im ungeren Sinne — philosophischen Denkungsart Cohens bekennt Jede dieser Arbeiten hat ibren. besonderer! Reiz. Die erste wird dem mehr zusagen, der die $pröde Herbigkeit begrifflichen Denkens Hebt und s ch an konstruktiver Durchgliederung historischer Tatbe! tände, an dem Herausspringen überraschender, geistvall erfaßter Vergleichsmomente erfreut Wer hingegen zu einer schlicht menschlichen Darstellung der uns bewegenden Frage neigt, wem fachtechnische Schreibweise ferner liegt, der wird gerne zur zweiten greifen. Die beiden Arbeiten decken sich keineswegs! Die erste, aus d?r Sammlung „Von deutscher Zukunft", ist umfangreicher und weiter ausholend in V oraussetzung und Ziel, sie verschlingt in eigenartiger Weise historische und systematische Denkweise,- sie umspannt auch eilte Anzahl mehr -peripher, gelegener '[soziologischer und naturrechtlicher. Probleme. Die zweite ist'enger und fesler umrissen, sie enthält sich allen Beiwerks und führt unmittelbar in das Hauptproblem ein; sie ist weicher im Ton und milder im Ausdrück, ohne dadurch aber von der Ueberzeugungskraft ihrer Argumente zu verlieren. Sie ist ein literarisches Kabinettstück und will auch als Solches gewürdigt werden- Von ihr hauptsächlich sei im Folgenden die Rede. Zu den Fragen, die eine jede eigenlebige Geschichtsepoche infolge der veränderten kulturellen und ' J L» politischen Lage immer wieder aufnehmen muitf, gehört auch das Verhältnis von Judentum und Deutschtum. .Die Namen Mendelssohn, Rießer, Cohien bezeichnen, die fortschreitenden Versuche, das Wesen dieser Frage in Auseinandersetzung mit den geistigen Mächten der Zeit zu fördern und zu vertiefen Nur wenn man die Arbeiten Cohens aus dieser historischen Perspektive betrachtet, wenn man sie weit geniig entfernt hält von den Parteikämpfen des Tages lind sie ") Von deutscher Zukunft. 1. Stück : Deutschtum und Judentum von Hermarin Cohen. Verlag von [Alfred Tapilmann in Oieflen. 191-5: Vom inneren Frieden des deutschen Volkes. Herausgegeben von Friedrich" Thimme. Verlag S. Hirzel, Leipzig 1915. Abschnitt V, H. Cohen, Berlin: Deutschtum und Judentum. S. 547—503. ~3 T Ein nicht-jüdisches literarisches Unternehmen, das den inneren Frieden des deutschen Volkes fördern will (es enthält Beiträge von nicht weniger als vierzig Persönlichkeiten aus den verschiedensten Lagern und Richtungen) hat die Arbeit von Cohen veranlaßt schon darin liegt ein besonderes Moment, das beachtet sein will. Die meisten Behandlungen der Frag : leiden unter einer gewissen Gereiztheit; sie kämpfen sich gegen antisemitische Entstellungen auf; indem sie das Judentum verteidigen, kommen sie leicht dafrh, allzu polemisch gegen das Deutschtum zu verfahren. Der Krieg hat etwas Neues in die Erörterung des Problems gebracht: den guten Willen. Ihn, den man noch in der Kunstwartdebatte unseligen Andenkens schmerz lieh vermißte, in dem Sammelwerk von Thimme, in dem Beitrag von Cohen ist er als ein erfreuliches Zeichen der Zeit zu spüren. Man will friedvolle V erständigung, nicht mehr b'oße Toleranz, cie nach Goethe eigentlich nur eine vorübergehende! Gesinnung sein sollte und zur Anerkennung führen muH. Und wenn man friedvolle Verständigung, wenn man gegenseitige Anerkennung will, dann muß,man beiden Seiten gerecht zu werden versuchet i. „Ein jeder der Mitarbeiter," schreibt Thimme im Vorwort, „hat sich bemüht, einmal die wertvollen für das Ganze unentbehrlichen Kräfte aufzuzeigen, die in der eigenen Gruppe, Parteji oder Glaubensgemeinschaft enthalten sind, dann aber auch die eigentümlichen Kräfte zu begreifen und zu würdigen, die der entgegengesetzten Richtung eigej." In diesem Geiste hat auch Cohen die Bedeutung des Judentums für das Deutschtum und umgekehrt des Deutschtums für das Judentum behandelt. Er enthält sich alles unnötigen Eminems und vergangeinen Streites; ein Hauch milder Weis^ heit schwebt über dem Ganzen und selbst da, wo die Sache Unerbittlichkeit des Urteils verlangt, ist das Wort linde upd von maßvoller Zurückhaltung. — Von Lincoln wird erzählt, er habe in der Auseinandersetzung mit dem Gegner zuerst dessen Argumente alle vorgebracht, bis er plötzlich m t einem - 92 _

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