Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1916
- Issue
- Nr. 6 - August
- Date
- 1916-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Amicitia- Loge in Posen hat eine neue Kran ken - schwesternstationmitvierGroßlogenschwestern eröffnet Von den im Felde stehenden |18 Schwestern haben 15 die Rote Kreuz-Medaille erhalten, darunter alle vier Schwestern vom Lazarettzuge. Von den Logenverbänden haben während des Krieges nur der Oberschlesische und der Posener Logenverbarrd getagt. Ich habe mich jn meinem diesmaligen Bericht lediglich darauf beschränkt, Ihnen Zahlen vorzuführen. Aber ich glaube doch, daß man aus.diesen Zahlen sich selbst die Fragen beantworten wird, die uns,alle in dieser ernsten Zeit bewegen. j - Sind wir gewachsen in der Kriegszeit, die uns so mannigfache, so ernste Fragen vorgelegt bat? Haben wir unser Ziel zu hoch gesteckt, war der Erfolg bittere Enttäuschung, oder haben wir die Hand zu sehr sinken lassen? Fehlte uns für eine sojbedeutende Zeit der höhere Schwung, die fortreißende Begeisterung? Wie auch ein jeder diese Fragen sich beantworten wird, Einigkeit wird darüber herrschen, daß wir nach dem Kriege unsere Arbeiten verdoppeln und vordre - fachen müssen, denn für die Zukunft der 1 ogentätigkeit ergeben sich große wirtschaftliche, gejstige und* sittliche Aufgaben. Ein Bund,'der seine Angehörigen wägt rlicht mir nach ihrem Gehalt an metallischem Gold, sondern vor allem nach moralischem und Menschheitswert!, sollte freilich/die materielle Leistung nicht als vo - nehmlichste aufstellen. Aber da ist der Krieg gekommen und hat uns soj 'riebt zum Bewußtsein gebracht, Idaß in der realen Welt selbst ethische Errungenschaft eine materielle und sichere Grundlage haben muß. Deshalb, wenn ajeh die wirtschaftlichen Aufgaben nicht unsere vernehmlichsten sein werden, so werden sie in der jetzti gen Zeit aber doch unmittelbarste Bedeutung haben. Ohne tägliches Brot in ausreichendem Maße gibt e > keine geistige Entfaltung, gibt es kein sittliches Streben. Wie viele, die draußen ihr Herzblut für uns darzubieten bereit sind, werden bei ihrer Rückkehr den Hätz besetzt finden, an dem sie früher ihr Rrot gef inden haben;; wie viele, denen eine geschickte Hand (iewerbe,und Kunst erschlossen hatte, werden berUf- 1 )s heimkehren müssen, weil sie diese Hand nicht rtiehr mit nach Hause bringen. Und deshalb wollen \ nr schon heute geloben, daß wir ihrer nicht vergessen I wo len, namentlich derer nicht aus unserer eigenen Geneinschaft, daß wir für sie sorgen wollen. Kein Almosen soll essein, sondern die Erfüllung einer heiligen Verpflichtung. Es wird ein. dauerndes Ruhmesblatt in der G:- ' sch chte unseres Ordens bleiben, daß der, deutsche Distrikt während des ' Krieges sehr, viel mehr Aul Wendungen gemacht hat für die Juden der verbürdeten Länder und für die Juden der in den feindlichen Ländern besetzten Gebieten als für die Glaubens genossen in Deutschland selbst. Vernachlässigen werden und dürfen, wir auch in I der Zukunft die Verpflichtungen nicht, die wir gegen die Allgemeinheit haben, und doch wird es mit Rücksicht auf die lange Dauer des. Krieges und seine Wirkungen notwendig sein, unsere, bisherigen Arschiuungen streng dahin nachzuprüfen, ob wir nicht die schon oft gepredigte Mahnung beherzigen sollen, uns :re Gelder mehr zusammenzuhalten, um für später geriistet zu sejn. Vielleicht wird es auch notwendig sein, solche Gesichtspunkte walten zu lassen bezüglich drr SanGnlung fürdieKriegswohlfahrtszweckederGroßloge. Ss werden uns aber für die Zukunft namentlich reictiliche geistige und sittliche Aufgaben erwachsen, jeder Krieg wirkt verrohend auf die Geniäter. Auf dehl*Schlachtfelde muß die Zweckmäßigkeit des Augen-' j blkks alle menschlischen Regungen .'zurücktreten lassen, denn der Selbsterhaltungsbetrieb ist stärker als das Gebot: „Liebe Deinen Nächsten "!. —; Solcl e ent esselten Gefühle, die im Kriege Tugend sind, se müssen wieder zurückgeleitet werden' in die; Forn und in die Norm des Friedens. Das Wort, welches wir vor jeder Einführung eines Kandidaten den Brüdern zurufen: „Nicht mitzuhassen, sondern mitzulieben sinl wir da", es muß wieder Eingang finden in <iie He "zen| der Zurückkehrenden, es muß ihnen \ wieder zur i Fingerzeig werden für das ganze künftige- Leb Deshalb — wann auch nach diesem* großen, u: endlich langen Kriege die Frieclensglocken zum ersten Male läuten werden — wi'd für uns damit eine ernste Zeit der Wiederaufrichtung unserer verlorenen GütiT an! rechen. Bereiten wir Uns für diese Zeit durch immer angestrengtere Tätigkeit, durch immer größwe-Uebungen unterer Ordenstendenzen vor. In diesem Sinne mögen die Logen nach den Ferien ihre Arbeiten aufnehmen, zum Hei^e unseres geliebten Vaterlandes, aber auch zum Heile, der gesamten Menschheit! T i m e n d Orr f e r. -- 87 —