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Bericht der Großloge für Deutschland · 1916-06-01 · Nr. 5 - Juni · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1916
Issue
Nr. 5 - Juni
Date
1916-06-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Die Wanderungen fanden an den Sonntag-Nachmittagen statt, und die Kinder waren hiervon stets außerordentlich befriedigt. Schade, daß der alsbald hereinbrechende Krieg uns zwang, diese wertvolle Bereicherung unseres Programms einstweilen einzustellen. Auch noch in anderer Beziehung [ machte sich der Einfluß des Krieges für den Hort bemerkbar, so als gleich nach den ersten Kriegsmonaten verlautbart wurde, die russischen Familien, und daraus war ja ein großer Prozentsatz unserer Fürsorglinge, müßten die Stadt bis zu einem nahen Termin verlassen haben. Eingaben um Eingaben wurden .gemacht, diese Verfügung aufzuheben, unter dem Hinweis, daß diese armen und harmlosen jüdischen Familien, die unter dem Zwange bitterster Not Rußland verlassen hatten, doch mit Leib und Seele an Deutschland, ihrem zweiten Vaterlande, hingen* jedoch konnte nur eir Aufschub von wenigen Tagen erzielt werden, bei größte Teil dieser Familien kam als Zivilgefangene auf den Heuberg, von Hort und Kinderstube noch liebevoll ausgestattet mit notwendigsten Nahrungsmitteln und Kleidungsstücken. Die Verbindung mit ihnen wurde aber stets aufrecht erhallen und manchem Notstand durch gelegentliche Sendungen abgeholfen oder doch Linderung geschaffen. — (jlmsomehr Wissen di£ zurückgebliebenen Familien die Wohltat des Hortes zu schätzen, als ihre Kinder, genau wie im Frieden und trotz der erschwerten Lebensmittelbeschaffung ihr vollständiges Mittagessen im Hort erhalten. Somit wissen die Eltern, die tagsüber durch ihren Beruf von Hause ferngehalten sind, ihre Kinder ständig in guter Obhut, und die Mahnung der städtischen Behörde, die immer nachdrücklicher auf die Verwilderung und Verrohung der Schuljugend durch den Aufenthalt auf der Straße und zu strenger häuslicher Zucht hinwies, war bei unseren Hortkindern nicht vonnöten. — Auch der „Mutterabende" soll hier gedacht wjerden. Sie verfolgen irii erster Linie den Zweck, die Mütter der Hortkinder auf einige Stunden 1 kehrte Eigenliebe bei der Kindererziehung. Kaffee und Kuchen, der bei diesen Gelegenheiten gereicht Geselligkeit und Gemüt- Frage wird an diesen die Last empfinden des Alltags vergessen zu lassen, t von allen die schwere Bürde meisten, und selten dringt ein Lichtstrahl öden Kammern. Kein Wunder, daß d Sie am in ihre ese Mutterabencte Festabende für sie bedeuten. In zwangloser Weise „sind sie hier mit den Damen dei Loge und der Kinderstube beisammen. Da können sie, wenn es sie drängt, im Vertrauen ihre Not klagen und finden gern ein offenes Herz. Hier empfangen sie so manche Anregung füf dis Wohf ihrer Kinder und hören auch Worte des Tadels über die so oft verwird, trägt dazu bei, die lichkeit zu erhöhen. — I Und noch eine andere Abenden mit den Müttern besprochen, eine Sache,;die oft mit so viel Interesse und Mühe durch die Hortkommission und andere'vorbereitet wird und Yn vielen Fällen mit Enttäuschung endet: die Berufswahl der zur Schulentlassung kommenden Kinder. Alle Arbeit, alle Mittel und Sorgen für die Kinder wären vergebens, wenn es nicht gelingt, für diese einen Beruf zu finden, der sie ernährt und in geeigneter Weise ihre Zukunft jsichert Den Beruf der .Eltern in geordnete Bahnen zu lenken, hat man in den meisten Fällen als unerreichbar aufgegeben. Aber ihre Söhne dem Handwerk, zuzuführen, wird mit aller Kraft versucht Es bedarf oft der größten Ueberredmigskunst, Eltern und Kinder zu überzeugen, daß das kleine Gehalt, das'vielleicht dem Kaufmannslehrling gleich zu Anfang gegeben wird, nichts bedeutet gegenüber der uferlosen Zukunft, der namentlich die Kinder mit mittlerer oder geringer geistiger Begabung entgegentreiben, während sie andrerseits als Handwerker, besonders als Schuhmacher, Schneider, Schreiner, Tapezierer und Dekorateure der Unterstützung und Inanspruchnahme durch den größten Teil der jüdischen Bevölkerung sicher sein könnten. Allerdings müßten sie ihr Handwerk auch richtig verstehen und treiben, und um das zu erreichen, werden seitens dejr Loge keine Mittel ge- . scheut. Sie vermittelt den Kindern die Lehrsfelle und den richtigen Meister; sie stattet den Jungen, wo es nottut, vorher mit Kleidungsstücken aus, sie. verfolgt seine Leistungen und sein Verhalten mit stetem Interesse und versorgt ihn später mit den nötigen Verbindungen, die seinHandjwerK sicher und erträgreich gestalten. Die wechselseitige;manuelle Betätigung im Hort läßt mitunter wertvolle Schlüsse auf die Geeignetheit zu einem bestimmten Handwerk zu. Es ist zu hoffen, daß allmählich auch hierin dal richtige Verständnis in der Anschauung der Eltern' platzgreift, und wir mit der Zeit auch in dieser Beziehung mehr Erfolg verzeichnen dürfen. | 'So ist der Jugendhort lim .aufe der wenigen Jahre seines Bestehens zu einer Einrichtung geworden, die bei den Familien, für die er geschaffen, als einer der wesentlichsten Faktoren ihrer j Lebensgestaltung betrachtet und m Anspruch genommen wird.. Welchen Segen der Hort aber 73 — bei den Kindern stiftet, .mag

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