Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1916
- Issue
- Nr. 5 - Juni
- Date
- 1916-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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denj Arbeiten dec kleinen, wie überhaupt darauf gesehen wird, daß das Verhältnis der Kinder untereinander ein kameradschaftliches ist. Wer fertig! isf, holt sich ein Buch aus dem Bücherschrank, [hier zeigt sich die merkwürdige Tatsache, daß meisjtj nur die Bücher mit bewegungsreichen Illustrationen öder Geschichten mit konkreten Handlungen auf diese Kinder Eindruck machen. Bücher der schöngeistigen oder beschreibenden Literatur,, die von den gleichaltrigen Schülern der Volksschule auch gerne gelesen werden, sind hier kaum begehrt. Nur allmählich zeigen die Kinder auch für Bücher der besseren) Art Interesse, wenn der Leiter den Antang vorliestj und da, wo die Spannung einem Höhepunkt sich nähert, das Buch aus der Hand legt und es den Kindern überläßt, oder wenn er in einer schönen halben Stunde, wo alle gerade, um ihn versammelt sinej, ein stimmungsvolles, Gedicht vorliest, das dann doch'auch den Weg in ihre Kinderherzen findet, und dein sie voller Spannung lauschen. Sind die Kinder m t| der Hausaufgabe alle fertig, so greifen sie zur Handarbeit. Es sei hier vorweg erwähnt, daß die Art der manuellen Betätigung noch nicht das darstellt, was die Ljeiter sich so sehr gewünscht hatten: die Möglichkeit, durch die Arbeit den Körper zu stählen und ganz in Anspruch zu nehmen bis zu jener Wohltuenden Müdigkejti die ein frohes Selbstbewußtsein und am Abend einen gesunden, tiefen Sthlaf inj Gefolge hat. Das wäre zu erreichen durch bchreinerarbeiten, Arbeiten in Metall und vor allem durch Betätigung im Garten öden Feld. Leider'lcönnen wir m unseren Mietsräumen, die -sich seit dem Anfang bedeutend vergrößert und verbessert haben, noch kei le Werkstatt einrichten: der Erwerb eines-Gartens jeioch ist vorgesehen,, und es pejdarf nur der gegebenen Gelegenheit zur Erwerbung eines Baugeländes in der Nähe des Hortes, um diesen Gedanken*-verwirklicht zu sehen. So beschränken sich unsere Arbeiten hauptsächlich auf Laubsägen, Klerbschnitzen und Modellleren. Daneben werden auch praktische Gegenstände geschreinert, Käs chen, Schlüsselbretter, Blumehgestelle, Schränkchen u jdgl. sowie Spielgegenstände für „Kinderstube" und .Kleinen Hort", die als Vorstufe unseres „Großen Hortes" für die kleineren Kinder in den gleichen Räumen* untergebracht sind. Daß bei den Mädchen diejrjläh- und Strickarbeiten in erster Linie stehen, bedarf keiner weiteren Erwähnimg.; auch hier, wird vor allepi ge-, zeigt, wie das Schulmädchen helfend und ordnend, im Hause tätig sein kann.. Bei gutem Wettef sind' die Jungens oft im Hof nnd vergnügen sicn bei Jugendspielen, die ihnen von den obligatorischen Spielnachmittaben der Volksschule her bekannt sind. Da'wird geturnt und gesprungen, und mancher zaghafte und ungelenke Bursche wird sich hie ilm Wettkampf erst rbht seiner Kräfte bewußt Werden größere Spielei gemacht, Wettlauf, Fangbai Oder ein Fußballspiel, io ziehen Lehrer und Schüler hinaus auf die nahe Neckarwiese, und in der guter Luft und dem Eifer des Spiels röten sich die oft so bleichen Wangen unserer Kinder. Die Mädchen sp elen auch hier gesondert, Kreis-, Sing- und Bai'spiele. -^Anders als an den gewöhnlichen Wochentagen zeig|t sich der Hort am Freitagnachmittag. Da schweigt die Arbeit und pünktlich mit Beginn des Sabbaths hat auch jede Fertigung der; schriftlichen Schulaufgaben zu unter¬ Kinder versammeln sich, meist Knaben da wird oder dies und wenn eine tie - eine Gr.- Männer n bleiben. Die und Mädchen gemeinsam, um den Leiter manch fröhliches Lied im Chor gesungen, und jenes weiß ein Gedicht, ein Rätsel, dann zum Schluß der Leiter vielleicht noch f i' r T . empfundene Dichtung vorliest oder ihnen schichte erzählt von berühmten jüdischen und Frauen, dann hat auch der Sabbath, in ihie Kinderherzen Einzug gehalten, und frobm Mutes kehren sie zurück in ihre elterliche Wohnung, wo die Mutter mit der Mahl/eit nur auf sie gewartet hat, und der Kiddüsch beginnen kann. — Aber auch son t bieten sich häufig Lichtpunktein der täglichen Arbeit. So ist es vor allem das Chanukafes». das; schon wochenlang voraus seinen Glanz auf die K nd^r an gießt. Die Bescherung, welche die Damen de^ Hor:- ausschusses fürsorglich vorbereitet haben, ujid b;i welcher die Kinder Schuhe, Wäsche und Süßigkeiten erhalten, steht hier allerdings im Vordergrurd WirJ ein Junge Barmizwah, so nimmt auch die'Loge darai teil, und erfüljt seinen Wunsch mit praktischem odir lehrreichem Geschenk. Die moderne Jugenderziehung verlangt von den Kindern auch eine ausgiebige Gelegenheit tum Wandern in Feld und Wald. Für unsere Kinder blie d hierfür anfangs nicht viel mehr als ein gelegentlich x Ausflug in deji benachbarten Odenwald, dess en Kosten aus Hortmittein bestritten wurde. Ein systematisches Wandern der!Knaben wurde erst erreich!, als sich der Jugendverein "Blau-Weiß" erbot, mit unseren Jungen regelmäßige Wanderungen zu veranstaltet. In einer gemeinschaftlichen Sitzung zwischen Hortkommission und Vorstand des „Blau-Weiß" viar zuvor festgelegt worden, daß diese Wanderungen n keiner Weise tendenziös beeinflußt werden dürftei.