Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1916
- Issue
- Nr. 5 - Juni
- Date
- 1916-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1 ' Ii. Sederabende in Uesküb ■' von Ftldrabbiner '■ "-' .:>■■-- . } [ Vier Wochen vor Pessach hatte ich in eine» Unterredung mit dem . Herrn Generalstabschef aljle notwendigen Maßnahmen für die Sederabende und die Gottesdienste besprochen, und ich durfte sich Er sein, daß von seiten .der Militärbehörde alles geichehen würde, um zum schönen Gelingen des Festes beizutragen. Die Abende und die beiden ersten Tage sollten in Uesküb, die letzten Festtage in Alonastir begangen werden. Ueber die Zahl der s ch beteiligenden Soldaten konnten nur Vermutungen aufgestellt werden^ da die militärischen- Operationen keinem Soldaten die Möglichkeit gaben, schbn acht Tage vor dem Feste seine Teilnahme zuzusagm. So bereitete ich mich denn auf etwa 100 Teilnehner vor. In dankenswerter Weise stellte mir die Militärbehörde aus ihren Magazinen zur Verfügung, was ich brauchte. Natürlich mußte alles — soweit im Felde sa etwas überhaupt möglich ist — koscher al Pessach sein, und mit vieler Mühe fand sich denn auch in Uesküb eine jüdische Frau, die che Rolle einer Köchin übernahm. Weit weniger entgegenkommend zei »te sich die jüdische Gemeinde in Uesküb, die weder einen Raum für den Seder zur Verfügung stellte, no :h sonst irgend ein Interesse für die jüdischen deutschen! ioldaten zeigte. Ich.war genötigt, trotz der 300 Famiüeti zählenden jüdischen Gemeinde eine recht beträchtliche Summe für die Sederabende zu bezahlen. Wie ganz anders Jagegen hatte sich die jüdische Gemeinde Monastir ben jmmen. Die .Etappenkommandantur in Uesküb latte in liebenswürdigster Weise hrr Unterkunft aller Soldaten Sorge getragen, und als mir der sehr freundliche Adjutant mitteilte, es seien schon 168 Solds ten gemeldet, da durchzogen mich geteilte Gefühlej Freude obt,der Zahl und Besorgnis, ob ich alle Wunschgemäß werde verpflegen können. Aber. der! eiserne Wille, an den man sich im militärischen Lebejti schon gewöhnt' hat, sagte auch mir, es müsse gehenl und es ging alles. Nachdem ich mir gegen Bezahlung von einem frommen Juden die nötigen Teller geliehen, für Bestecke, Tische, und Stühle, Gläser und Lichter gesorgt hatte, wurde die Speisekarte aufgestellt. Es gab Fleischbrühe mit Einlagen, Braten mit .grünem Salat, Kaffee und-Zigarren, Rotwein war reichlich vorhanden, und auch für Mazzoth habe ich gesorgt, so gut ich konnte. Ich war persönlich in Budapest, um die dortige Gemeinde um Mazzoth für meine Soldaten zu bitten, und in wenigen Minuten hatte ich hievesi und sehen Juden einigung in Hagadas zur Dr. S ä n g e r. Dank der Fürsprache des Rabbiners Dr. des Gemeindjesekjetärs Kramer das gewünschte Quantum, selbstverständlich unentgeltlich. Auch an dieser Stelle sei der! Verwaltung der jüdischen Gemeinde in Budapest herzlicher Dank ausgesprochen. Um 8 Uhr sollte der Seder beginnen. Schon eine halbe Stunde; vorher fanden sich die Teilnehmer ein, und als ich beginnen.wollte, hatte sich die stattliche Zahl von ^20 jüdischenjKameraden, die zum alleigrößten Teil aus den vordersten Linien der Front gekommen waren, zur Stelle gemeldet. Durch den Verband der Deut- und zum Teil auch durch die Freie Ver¬ Frankfurt a. M. waren mir zahlreiche Verfügung gestellt worden. Diese und die vom Verband der Deutschen Juden her abgegebene Pessachschrift lagen auf den Tellern der Gäste. In altgewohnter Weise ging nun der Sede' vonstatten, als der jüngste meldete sich zur „Ma Niichtano" ein 18jähriger Freiwilliger, der mit lauter S irrtme seine. Fragen stellje. So verlief der erste Tei ganz programmmäßig, der zweite Teil |— das Esren — nicht minder. Mir selbst gefiel der) dritte Tei I am besten, weil sich de Sangeslust unserer Feldgraien dabei zu den schönsten Tönen verstieg. Kurz voi Mitternacht — bis zu dieser Zeit hatten die Kameiaden Nachturlaub — waren wir zu Ende, und mai freute sich auf das Wi:dersehen beim Gottesdienst am 1. Feiertag., Diesei fand in der Synagoge zu Uesküb, einem alten türkischen Bau, morgens um lüühr statt. Die jüdische Zivilbevölkerung habe ich nach Erfahrungen, die ich bei einem Purimgöttesdienste gemacht hatte, ausschließeli müssen. Ein von der Etappenkommandantur zur Verfügung gestellter Gendarn sorgte vor der Synagoge für die notwendige Ordnung. Den Gottesdienst, der von 10—113,4 Uhr daurrte, muß ich als einen der schönsten bezeichnen, die ich bisher im Felde abgehalten habe. Mit Oesterreichern, Ungarn und Bulgaien nahmen etwas mehr als J00 Soldaten an diesem Gottesdienste teil. Ein deu scher Unieroffizier übernahm das Amt des Vorbeten, ein anderer das des Thoravorlesers. Große Freude bereitete Ich auch zwei russischen Gefangenen, die ich zur Thora aufrufen ließ. Sie dankten mir nachher in rührender Weise. Vor solcher Menge, im fremde l Lande und in so seltsamer Umgebung dann zu prec igen, ist sehr *) Mit jenehmigung de> Oberkom'ma iclos in den Marken veröffentlicht. * C . Red.-Kom. - 70