Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1916
- Issue
- Nr. 4- Mai
- Date
- 1916-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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gewinnen. Das Seelische aber nimmt eine selbständige Entwicklung und strebt danach, aus einem Stütk der Welt, eben dem Seelischen, das Ganze-einer besonderen Welt, der Oeisteswett. zu. bilden. Der Deutsche wird hierbei von der Empfindung geleitet, daß diese Geisteswelt die wahre Welt, das Geistesleben das wahre Leben sei, aus dem alles Andere ' hervorgehe. Die Arbeit nun an der äußeren Welt und das Schaffen einer inneren, geistigen Welt zu einem Zusammenstreben, 'zu einer Harmonie zu zwingen, daß die Arbeit nicht in blinden Tatendrang, die Innerlichkeit nicht in Weichlichkeit und Subjektivität verfalle, bildet das deutsche ideal. So ist der Deutscht} sich selbst gleichsam ein Ideal, wie es mit gleichem Recht kein Volk von sich sagen könne. Er-tragt in sich d IS Ideal der Menschheit. . „Die Forderung der Gegenwart" erörteri das dritte Kapitel. Diese besteht darin, daß der offensichtlichen ausschließlichen Hervorkehrung und Bevorzugung der äußeren Welt in Natur, Geschichte, politischen Mnd sozialen Problemen, der-.,seelenlosen Kulturfabrjk", entgegengetreten und dem immer fühlbareren Bedürfnis nach seelischem Gehalt, nach geistiger Durchdringung des Ganzen der Welt entsprochen werde, indem, das deutsche Ideal fort gebildet und die Selbständigkeit des Geistigen im Menschen als 4»e Hauptsache aufgezeigt werde. So rür kann die Bedeutung des Menschen erkannt, seine Schätzung des ten, Wahren und Schönen, kurz aller geistigen und : >:7-t:- f ■ .:*: . :• w idealen Werte als berechtigt anerkannt und Größe, Festigk;it und Freudigkeit des Lebens unvergleichlich erhöht werd« n. T ,r , „Die Pflicht der Zeitgenossen" sei es, wie Eucken vierten Kapitel darlegt, sich zusammenzuschließen zlir Sammlung der Geister und die Teilnahme für die groß :n Fragen der j Menschheit wachzurufen. Zwar kann ei le grundsätzliche Aenderung einer Zeitrichtung nur von schöpferischen Persönlichkeiten herbeigeführt werd;n Aber nur durch Sammlung der Geister kann die für hr Erscheinen notwendige geistige Atmosphäre geschafft werden. Neben der Sammlung muß aber auch ehe Scheidung Vollzogen ' und ein Kampf geführt werden! ow ohl gegen die Richtung, die den Idealismus leugnet, Is auch gegen die andere, die ihn in den alten, zu eng gewordenen Firmen erhalten sehen will. So wird der ro ie als auch der feinere Naturalismus, Monismus genannt,' o der Aesthetizismus und die „neue Moral" scharf bekämt ft werden müssen, und nicht zuletzt die flache Art, in d er heute die Religion in weiten Kreisen, behandelt wild. Ohne Religion, freilich nicht in dogmatischem Sinne, Ist deutsches Leben, deutscher Idealismus night möglich. Eucken erweist sich auch in -dieser Schrp'ft als eirler der besten und edelsten Führer zu einem idealen deutsch;n Leben. Möge das Buch viel gelesen und sein Weckiuf allenthalben vernommen und beherzigt werden. Dm Holzer-Worns A. Gutachten über ein Jugendbuch. Outachten über das-im Verlage von George Westermann in Braunschweig erschienene Buch ,Oliver Twist oder Schicksale eines Gemeindedndes" von Charles Dick-ens. Band 15 der t_" t_iT* -* ■ ■ i I *■ 11 "Lebensbücher der Jugend". j . j Zuerst ein Wort der Entschutdigung.j Wenn es;iuch im allgemeinen unmöglich erscheint, daß die Redaktion alle ihr eingesandten Bücher selbst liest, so st es doch, ihre unablässige Pflicht, über den Wert jder Unwert des- Lesestotfes für die Jugend sich :in selbständiges Urteil zu bilden, denn (der Schrifteiter trägt die schwere.Verantwortung ffir die Veröffentlichung des f*rüfungsergebnisses; ej; steht noorisch fest, daß durch ungeeignete Lektürfc das Gemüt der Kinder vergiftet worden ist. — 62 — In Nr. 4 des Jahrganges VII (1912) des "Wej weisers für die Jugendliteratur" findet sich eine günsti je Besprechung des oben genannten Buches von seitm einer unsetjer Mitarbeiterinnen. Zu unserem groß :n Bedauern ist das Buch von uns völlig überseh :n worden, whwären sonst zu einem entgegengesetzt Urteil gelangt. Charles! Dickens gehört zu den Meistererzähle|-n der Weltliteratur. Es. ist aber verfehlt, Erzeugnis se seiner Erzählungskunst wie Oliver Twist in den Ra 1 men einer Jugendschrift zu spannen. Dieses mehr s ls düstere Bild eines im Armenhause „erzogenen Kindes die grellen Schilderungen der Höhlen des Lasters, c ie ,krasse Charakteristik eines verbrecherischen Juden, c er ier Erzählung spielt — all ( '