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Bericht der Großloge für Deutschland · 1916-05-01 · Nr. 4- Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1916
Issue
Nr. 4- Mai
Date
1916-05-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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der deutschen Einwanderung herrührenden deutschen Charakter bewahrte und erst im 16. Jahrhundert 'der Peritonisierung zu unterliegen begann, waren die Juden unbequeme Konkurrenten im wirtschaftlichen W'ettkampf. So entwickelte sich denn die Geschichte! der Juden in Polen in den ersten Jahrhunderten ihres Dortseins genau nach dem Muster, wie es im westlichen Europa sich schon vorher herausgebildet hatte. Die Regenten, denen es an der Mehrung der Einnahmequellen des Landes lag, luden sie.zum Kommen ein oder begünstigten ihren Zuzug, beschützten sie und gaben ihnen Privilegien, nach dem Muster der westeuropäischen, — Privilegien, welche zürn Teil eine Aehnlichkeit haben mit denjenigen, welche heutzutage Herrscher afrikanischer oder asiatischer Lander europäischen Handelsgesellschaften erteilen. In rechtlicher Beziehung bestand der Hauptwert dieser Privilegien darin, daß sie den Juden in ihren eigenen Angelegenheiten Selbstverwaltung gewährten und sie auch sonst nur der Gerichtsbarkeit desKönlgs tqiterstelllen, der sich allerdings in der Ausübung d eser Gerichtsbarkeit von den Wojewoden oder Pilatinen vertreten ließ. Die Bürger beschwerten j sich über den Wettbewerb der Juden in Handel und Wandel und setzten mit Hilfe des immer mächtiger werdenden Adels Einschränkungen ihrer Erwerbstätigkeit durch. Auf dem Reichstag von I534( .beschweren sich die Landboten sämtlicher Palati nate darüber, daß die Juden den ganzen Handel des Landes, insbesondere den mit dem Auslande, in Händen hätten; sie verlangen Einschränkung der Rechte und Verweisung der Juden allein auf Geldleihgeschäfte. 1t? Wie im Westen arbeitet auch hier der Klerus an einer gesellschaftlichen Abschließung und Z urücksetzung der Juden, erreicht ihre Ausschließurg vön Aemtern, ihre Kennzeichnung durch gelbe Rmi;e oder besonders geformte Hüte, und facht zuweilen, wie besonders in der Zeit Capistranos, die fanatisierte Menge zu Gewalttätigkeiten gegen sie auf. Mit Anklagen wegen Hostienschändung fangt es an, mit Mord, Raub und Scheiterhaufen hört es auf. Wie in Westeuropa! -Eine Wendung im Schicksal der polnischen Juden brachte der Reichstag von 1538/39. Bekanntlich verstand es der polnische Adel, irr Laufe der Zeit die Krone immer mehr, ihrer Rechte iu entkleiden und sicli dieselben anzumaßen. Was'der Adel etwa seit Beginn des 16. Jahrhunderts inbezug auf die Juden verlangte, die Uebertragung des Schutzrechts, des damit zusammenhängenden Besteuerungsrec its und der Gerichtsbarkeit über die Juden, das setzte der Krakauer Reichstag von 1538 39 durch,, e er das Judenregal über (ämtliche Juden, die in Städten oder Dörfern des Adels wohnten, auf diesen übertrnijr. Nunmehr durfte der i idlige Grundherr von seinen uden Stetlern und Abgaben erheben und ihnen nach Belieben Recht sprechen, die bisherigen königlichen Privilegien verlogen für sie ihre Geltung, und selbst eir e Appellation an den König war ihnen von nun an nicht gestattet. Durch dieses Gesetz waren die Juden Polens, soweit sie nicht aif königlichen Besitzungen wohnten,, zu Leibeigenen des Adels geworden. .Wem; die;Vielheit def Herren, die sie nunmehr besaßen, s auch verhindert hat, daß sie, wie dies in vielen; andern Ländern geschehen, auf einmal ausgewiesen worden, und die Abneigung des Adels gegen die litädter ihnen auch manchmal gegen den Neid dei 1 christlichen Bürger einen Schätz gewährte, so war es doch die vollkommene Rechtlosigkeit, mit der da- Jude nunmehr einen unverantwortlichen launisch;rt-Herrn ausgeliefert war, der ihn zti jeder Anstellun j gebrauchen und mißbrauchen durfte, der ihn zu sdrem Faktotum, ja!zu seinem Hofnarren machte, die den traurigen Typus des polnischen Juden geschaffen iat.*) Beginnt schon bald darauf ein Abzug der Juden nach anderen Ländern, insbesondere nach der Türkei, so verstärkt sich dieser, als Polen im 17, Jahrhunderl, unter dem Einfluß der Jesuiten, religiös unduldsain wird, und andererseits die westeuropäischen Länder nach dem dreißigjährigen Krieg den Juden ihre T>re wieder zu öffnen beginnen. Zwei Drittel der Juden kQberschlesiens stammen von diesem polnischen Zuzug heil. Aus ijlen russischen Gebieten - Polens wurden die Juden durch die berüchtigten Kosakenaufstände des! 17. Jahrhunderts verdTänet. Für die Zurückbleibenden dauertel'der Zustand, bei dsm der Jude auf der wirtschaftlichen Leiter von S ufe zu Stufe, sank, aus d^m königlichen Bankier, der i Pachtet und Verwalter dtr königlichen Zölle, dem iteueranfseher und dem d)en Exporthandel bdreibemlen Großkaufmann zum kleinen Geldverleiher, Kräm:rundf Hausierer, zum Faktor anfangs des Magnater, des ..SPure", und dann des kleinen Edelmanns, des „Puriz", zum Arendator seiner Dorfschenke vurde, v eiter« bis zur Aufteilung Polens am Ende des 18! Jahrhunderts. Obendrein ^aren mit dem .durch den Adel vernachlässigten und schlecht verwalteten Wohlstand des Landes die Erwerbsmöglicjikeiten und-Lebersbedingungen auch der Juden noch besonders zurückgegangen. - 51 - S. L i v i|e r, Nejuere .Geschickte Poler l> . | ... %. -Bd. I; S. 416. 4

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