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Bericht der Großloge für Deutschland · 1916-05-01 · Nr. 4- Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1916
Issue
Nr. 4- Mai
Date
1916-05-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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In Litauen hat derselbe Prozeß nach lind jiach sich abgespielt, mit dem bedeutsamen Unterschied jedoch,'daß er später einsetzte, denn der Zuzug der westlichen Juden und das Ausstellen der landesherrlichen Privilegien für sie begann erst ein Jahrhundert später als in Polen und andererseits setzte die Allherrschaft des Adels erst nach der Realunion Litauens mit Polen im Jahre 1569 sich durch. Trotz desselben Schicksalsganges standen daher die Juden Litauens fast zu keiner Zeit auf derselben Stufe wieHhre polnischen Brüder. Was sie von dieseji aber mehr noch trennte, war der Einfluß der anders, gearteten Umgebung, dem sie allmählich unterlagen, und der eine starke Differenzierung der beiden Gruppen zur Folge harte. Während die Juden Polens es nur mit Polen zu tun harten und in ihren deutschen Dialekt polnische Beimischungen aufnahmen, unterlag die von den litauischer^ uden gesprochene Sprache dem Einfluß dec«litauischen und besonders der weißrussischen L?mgebung, woraus sich ein Dialekt entwickelte, der ivon dem Jüdisch-Deutsch der polnischen Juden starkabweicht und die beiden Gruppen ..einander im Verkehr entfremdet. In ihren innneren lAngele^enheiten war auch jeizt den Juden eme" gewisse Selbständigkeit gelassen. Nicht aus Liebe zu ihntn, sondern w^il Sie in ihrer Gesamtheit füf die Steuein der einzelnen verantwortlich waren.1 Nach dem Muster der Lanctage in den einzelnen Provinzen und des Reichstages für das ganze polnisch-litauische Reich entwickelten sich im 17. Jahrhundert tiei den Juden" Polens und Litauens Zusammenkünfte nach den einzelnen Ländtrn und auch» gemeinsame Zusammenkünfte lür das i^anze Reich,, die zum 'Teilden Charakter religiöser Synoden, zum Teil den politischer Landtage trugen. Nach einigen Jahrzehnten gingen diese Veranstaltungen wieder ein. Nachdem Polen und Litauen unter russische He rschaft gekommen waren, mußte die Ent remdu ig zwischen den polnischen und den litauischen uid wesjrussischen Juden nur noch wachsen. Die litau iscncn Juden unterlagen,-- besonders in ihr<n oberen Schienten einer( Russifizierung, der die Jud<n Polens sich zu entziehen gewußt haben. Mit der russischen Regierung allerdings konnten auch die 1 tauischen Juden sich nicht befreunden; aber es setzte sich bei ihnen, wie bei den Juden Rußlands überhaupt, welche der Russifizierung noch mehr verfielen, eine bei dem liberalen Russentum überhaupt verbreitete schon früher von Alex. Herzen gepredigte und auch jetzt während des Krieges wieder verkündete Ansicht durch, die r'-'i'i": if-': -. . .4' '. einen Unterschied macht zwischen dem russischen Volk und der rusfiscien Regierung. Ersteres, das Volk, ist die Gutmütigkeit selbst und überhaupt aller Tugenden lähigj. Die russische Regierung ist wiederum die Verkörperung alles Bösen, denn diese ist ja garnicht russisch. , Die in Rußland regierende Dynastie ist fremdem Stamme entsprossen, das russisch«:;Beamtentum ist nach dem Vorbild .des morschen bestens eingerichtet usw. Diese natürlich nicht immer ii dieser Deutlichkeit vorgetragene Antithese . von Regierung und Volk, die es übersieht, daß für die Dauer jedes Volk nur d i e (Regierung hat, die es verdient, und die es nicht merken will, daß die heutige russisch«: Staatsmaschine noch in derselben Weise funktioniert; wie sie die moskowitischen Vorfahren eines Iwans des Schrecklichen in Betrieb gesetzt haben, half d :m russischen Juden trotz allen Elends, das er zu erdulden hatte, in,- Rußland heimisch zu werden. Er vrar russischer Patriot, wenn auch Feind der russischen Regierung und qieser als Revolutionär und gefährlicher Aufklärer besonders verhaßt. Trotzdem versänd es die russische Regierung, auch diese besondere Art des Patriotismus der litauischen und* russischen Juden für ihre Zwecke auszunutzen und verwendete sie gelegentlich auch (dazu, um durch sie nichtrüssische Ge-, biete zu russifjzieren. Mj In Polen hatte sici nach der Aufteilung des Reiches ein ganz leidliches Verhältnis zwischen Jud<:n und Polen herausgebildet. Kurz vor der letzten Teilung Polens versuchte der polnische Adel, wie ein reuiger Sünder auf dem Sterbebett, all seine politischen Fehler gut zu machen, gewährte alle möelichen Freiheiten den bis dahin unterdrückten Ständen und bedachte auch die Juden mit menschlichen Rechten. Polnische Historiker und Gelehrte bemühten sich im besten Glauben, nachzuweisen, daß die Juden in Polen es immer ganz gut gehabt hätten. Die intelligenten jüdischen Kreise ergriffen die ihnen von der} Polen in deren eigener Bedrängnis gereichte Harld und besiegelten mit ihrem Blute die neue Bruderschaft in den gegen die russische Herrschaft gerichteten polnischen Aufständen. Berek Joselowicz fällt mit seinem ganzen Freiwilligen-Corps auf den Wällen Pragas bei dim Sturme Suworows auf Warschau. Joseph, der jSohn des Helden Berek, und Sinai Hernisch nehrpien tätigen Anteil an dem Aufs'ande von 1831 und stellen wiederum freiwillige jüdische Hilfscorps. Einen etwas geminderten Anteil nehmen die Juden Polens an dem letzten Aufstande von 1863. Das strenge Regiment, das, Rußland hierauf in Polen

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