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Bericht der Großloge für Deutschland · 1916-05-01 · Nr. 4- Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1916
Issue
Nr. 4- Mai
Date
1916-05-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Die Ostjuden. *> Von Br. Dr. Fi. Z.ivier, Fürstl. Pfessischeni Archivar.- Zur Bezeichnung der innerhalb der Grenzen des i Russischen Reiches wohnenden Juden und der ihnen kulturell nahestehenden Juden Oaliziens hat sich seit einiger Zeit die Bezeichnung „Ostjuderi" eingebürgert. Sie ist nicht ganz richtig, denn Königsberg z. B. liegt östlicher als Bendzin und rTiIsit östlicher se'bst als Warschau,,_auch bilden die 'Juden, die man jetzt als Ostjuden zusammenfallt, keineswegs eine einheitliche Masse. Aber es komnit nicht darauf an, daß ein Schlagwort allen Verhältnissen und Nebenumständen gerecht wind. Der Ausdruck ist kurz und prägnant, und man mag sich daher mit ihm befreunden. Die galizischen Juden wollen wir aus der folgenden Be-* trachtung ausscheiden und von den Juden Rußlands auch nur denjenigen unsere Aufmerksamkeit zuwenden, deren politisches Schicksal,, wie angenommen werden kann, durch den Ausgang des Krieges einer Aenderung unterworfen werdet! wird, und die -zu den Zentralnwicnten, wie vermutet wird, in nähere Beziehungen -treten werden. Wir wollen daher unter Oi'judeti in den folgenden Ausführungen nur die Juden innerhalb des deutsch-österreichischen Besetzungsaebieles jm Osten verstehen. Sieht man von der Einteilung, des besetzten Gebietes nach, Oberflächen-Charakter und Besiedelung ab, und berücksichtig« man die historisch politische Einte lung, dann handelt es sich beä den Ostjuden um 50 000 Juden in Kurland, um über I,S Millionen in Polen und 1,060,000 Juden in .Litauen. In Kurland wbhnen Juden erst, sjeitdem dieses iin der zweiten Hälfte des sechzehnten' Jahrhunderts polnischer Vasallenstaat wuriie. Die kurländischen Juden haben sich dem dort in kultureller Beziehung herrschenden Deutschtum angeschlossen, tragen keine besondere Tracht und bedienen sreh des Deutschen als Umgangssprache, in Litauen, das an Areal dasjenige von Polen um die Hälfte übertrifft, bilden die Juden dennoch wie in-Polen gegen- 14 der Gesamtbevölkerüng, da an Dichtigkeit der Bevölkerung überhaupt Litauen stark hinter Polen zurücksteht. Bei dem noch mehr ländlichen Charakter Litauens und dem den Juden > durch dje Staatsgesefze aufgezwungenen Fernbleiben vom Lande bilden' die Juden hier in den Städten einen noch höheren Prozentsatz der Gesamtbevölkerung als in Polen. In der Hauptstadt Litauens, in Wilna, machten im Jahre 1909 die Juden wie in Warschau 40 der 'gesamten Bevölkerung aus (in Warschau betrüg ihre Zahl 306 000, in Will a 73 000), in den Gouvernements Grodno und Minsk bilden sie aber 58 bis 59"/,, der gesamten städtischei i < Bevölkerung, d.h. sie sind hier der christlichen Bevölkerung gegenüber in der Ueberzahl. In Polen stjeht der jüdischen Bevölkerung in der Hauptsache eine rein polnische gegenüber während die übrige, deutsche und russische, verhä ltnismäßig gering an Zah| ist; in Litauen hingegen itehen Polen an Zahl! den Juden etwas nach, während Mehrzahl der Bevölkerung aus Weißrussen im Gouvernement Kowno, aus Litauern besieht. Hier wie in Polen bilden die Grpßrussen in 11er Haupt sache nur die »bere Beamten- und Militärsjchicht. Eine Folge der anders gearteten Umgebung, einer ingungen, die die oder, wie anderen Gesetzgebung und anderer Lebenshali zum großen Teil aber auch einer anderen*hisWischen Vergangenheit~tst es, daß trotz alles Einet den einer gemeinsamen Religion und gemeinsame! Bräuche, -trotz der Gebetbücher nachpolnischem, itauischeni und russischem Ritus, ein'starker und bewujuer Gegensatz zwischen den Juden Lilauens und Pol« ns besteht, Während man für die Juden Litaueus und West rulilands neben einer zweiten vom Westen her kommenden Welle eine erste Einwanderung vom Süden her, aus den Gegenden des Raukasusgebirges und des* Schwarzen Meeres, annehmen muß, kann man mit ziemliche» Bestimmtheit behaupten, daß die Juden Polens aus dem Westen eingewandert sind ( \tn 12. und 13. Jahrhundert, zur se|ben Zeit, als ejit e deutsche Kolonisatipn der Länder an der Oder, der Netze und der Weichsel) einsetzte, kamen auch judische. Einwanderer naen Polen. Den polnischen Fürsten und Königen waren sie gerngesehene Gäste, denn sie brachten Kapital ins Land, halfen eine Geldwirtschaft schaffen und jhatten wertvolle Beziehungen zu höher stehenden Kulturländern. Dem Volke waren sie Fremdlinge, die eine andere Sprache, einen deu sehen m,t hebräischen Fjremdwörtern versetzten Dialekt sprachen, und die man] um den Wohlsland und den Schutz des Regenten beneidete. Für den Klerus waren es hänger einer) verhaßten Religion, deren Einfluß zu brechen «in peiliges Werk war. Dem Bu gertum in den Städten, welches in Polen lange Zei: den von ')•Der Ar einer demnäqh frage". 50 t kel bildet den Auszug aus einekn Absch st erscheinenden Schrift ,.Z litt Ostjuden-

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