Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1916
- Issue
- Nr. 3 - März/April
- Date
- 1916-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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dankbar an, dar» die konfessionelle Wohlfahrtspflege ihr zur Seite tritt, um die soziale Arbeit zu vertiefen und zu individualisieren. Wie könnten Außenstehende beispielsweise die Schmerzen und Leiden, die seelische Not und das religiöse Bedürfnis unserer armen östlichen Olaubengenossen verstehen und lindern? Wie könnten sie begreifen, daß die Ärmsten der Armen lieber hungern mit ihren Kindern, als daß sie Unerlaubtes äßen oder den Sabbat entweihten? So lange es eine spezielle Judennot gibt, muß es auch eine spezielle jüdische Wohlfahrtspflege geben, der wir Juden uns nicht entziehen können. Es gibt Forderungen, die erfüllt werden müssen, weil sie tatsächlich unabweisbar sind. Zu diesen Forderungen gehört nun einmal die spezielle jüdische Wohliahrtsflege. Sie ist, historisch betrachtet, eine ältere Orgaisation als die moderne soziale Hilfstätigkeit. Freilich ist es ein weiter Weg von den im engen reise wirkenden, wohl auch mehr mit dem Herzen, ls mit sozialer "Ueberlegung geleiteten jüdischen ohlfahrtsvereinen der älteren Zeit bis zu unserer eutigen geregelten jüdischen Armen-; und Wohlfahrtspflege, an der die jüdischen Frauen so selbstverständlich und so tapfer seit vielen Jahren mitarbeiten. Diese soziale Friedensarbeit war die Schule, durch die wir gingen. Wir hätten die gewaltige Aufgabe, die der Krieg an unsere soziale Arbeit i teilt, einfach nicht bewältigen können, wenn wir nicht schon im Frieden sozial arbeiten gelernt hätten. Mit unserer Kriegsfürsorge, dessen sind wir uns alle bewußt, stehen wir aber erst am Anfang, noch nicht am Ziel. Je länger der Krieg dauert, je höher! ich die Flut des Schmerzes und des Leides steigert, um so notwendiger und um so umfangreicher wird unsere Kriegsfürsorge für nah und fern werden müssen. Wohl kann die flammende Begeisterung der ersten Kriegstage nicht dauernd unsere Seele erfüllen, sie inuss sich in stete Hingabe und stille Opferbereitschaft umsetzen. Der kühle, starke Wille' muß die heilige Gemütswallung ersetzen; der graue Allta j, der, einer vom anderen — sonst nur durch verzehrendere Sorge oder quälenderes Warten unterschieden ist, kann uns nur erträglich gemacht werden dunh die Arbeit Sie ist die Kraftquelle, die nicht nur nach außen Segen verbreitet, sondern auch nach i inen, die für die Wohltäter selbst befreiend und aufrichtend wirkt. Wir empfangen, indem wir geben, wir gewinnen, indem wir uns in dem Ganzen in tapferer' Pflichterfüllung verlieren; unsere Kraft und unsere Persönlichkeit wachsen, je hingebender w r uns in den Dienst der Menschenliebe steifen. - Das sei die Saiit, die aus den Tränen sprießt, Daß v rir — ein stilles, treues Heer von Helferin! len - Das Leid bezwingen, das die Welt durchfliegst Auf unsern Fahnen wehe stolz und -schlicht - Das ene heilige Wort: die Pflicht! L vf* •« ' '■' j Frauen-Verein der Berliner Logen U.O.B B. Der Krieg mit seiner grausamen, lebenvernichtencen Wirkung erfordert als eine der wichtigsten Aufgaben für die Volkserhaltung den Schutz des werdenden Lebens. Mutter und Säuglingsschutz!: Noch nie ist ihre eminente Bedeutung so erkannt worden wie jetzt. Und gerade den Mutteru"d Säuglings ehultz hatte unser Verein sich von jeher;zum hauptsächlichen Arbeitsgebiet erwählt. Er konnte keine gr jßere, vaterländische Ta leisten, als seine Tätigkeit in \ ollem Umfange fortzusetzen, ja sie den steigenden Ansprüchen entsprechend weiter auszubauen. Und dis geschah! Die Hauspflege der Wöchnerinnen wurde fortgesezt und unsere 22 jüdischen Pflegerinnen segensre ich ihren Beruf, auf den sie langewiesen - 47 Wöchnerinnenheimi ist stärker als j ndijrütMiri sind, weiter aus. Das in Anspruch genommen und das Mutter- und K heim is bis auf den letzten Platz gefüllt. Mitten ir Kriege, am 15. November 1914, wurde def N ntt unseres Mütter- und Kinderheims eröffnet,- das vOn allen Besuchern als-mustergültig eingerichtet bezeichnet wird. Die nl tllgem. Zeitung des Judentums" I at ein Bild des Heims mit Beschreibung der Tätigkeit gebracht, tine Pres; evertreterin, die das Heim besichtigte, hat darüber im „Berliner Tageblatt" und im „l.okil- Anzeiger" einen sehr schön und sachgemäß abgefaßten Bericht gegeben. — Augenblicklich (Bericht vom Januar) befinden sich 30 Mütter mit ihren Kindern und 7 werdende Mütter im Mütter- und Kmdeheim und 7 Wöchnerinnen im Wöchnerinnen heim, wahre 22 Hau; pflegen ausgeführt wurden. Dies nur als Mich probe fiir einen Monat der Haupttätigkeit unseres Vereins. Interess eren wird vielleicht noch, daß seit einiger Zeit i Mütterheim eine Krankenschwester wohnt, die rege mäßig, zwecks Beaufsichtigung, die Wöchnerinnen besucht, die in ihrer eigenen Häuslichkeit verpflegt werden Selbstverständlich machen unsere rtcher- 1 Jl* '"T ■'• ~* -L- Lchierenden Vereinsmitglieder nach wie vor gleichfa Is ihre beaufsichtig enden Besuche. Neben der skizzierten Hauptarbeit wird noch auf verschiedenen anderen Gebieten soziale Hilfstä igkeit entfalte!. Wie a^s dem Jahresbericht unserer Vor- ■SK *