Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1916
- Issue
- Nr. 3 - März/April
- Date
- 1916-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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ligtum bewegt herbste eine J und in :hrer Sterbestunde spracti sie tief- „Was so lange Zeit meines Lebens mir die Schmach und das größte Unglück war, als in geboren zu sein, um keinen P-eis möchte ich äasj jetzt missen." Nicht nur in Berlin, nur in Berlin, aüch in anderen Städten bildetet! sich damals unter den Jüdinnen schöngeistige Salons.' Immer mehr treten die jüdischen ' Frauen ein in den Kreis ihrer andersgläubigen Mitschw&tern. Und a's seit den Tagen der beginnenden Emanzipation, seit dem Sturm der Freiheitskriege, vor allen aber als durch das hinreißende Auftreten eines Gabriel Riesser, die deutschen Juden sich voll und ganz als Deutsche fühlen lernten, da fingen auch die deutschen Jüdinnen an, jhre persönliche Kultur, ihre einsetig-. schöngeistige Beschäftigung zurückzustellen und, sich mit glühendem Patriotismus und edler Opferfrieudigkeit in den Dienst des Vaterlandes und gemeinsam mit ihm in den Dienst der ganzen leidenden Menschheit zu stellen. Es war die Zeit, da man in Deutschland den Traum der allumfassenden Menschen!iebe-träumte, da der deutsche Idealismus in .seinen großen Denkern und Dichtern glühenden Andruck fand. Damals war eine Fanni von Arnstein in Wien die edelste Vertretern allgemeiner Menschenliebe; durch ihrj der Jüdin Beispiel hingerissen, schlössen sich die Frauen der Wiener Aristokratie den Woliltätigk'eitsbestrebungen an und Frauenvereme bildeten sich überall.! Nicht zurück standen die jüdischen Frauen Deutschlands bei der Gründung vaterländischer Frauenvereine. Wie bei der Erweckung des sozialen Gewissens Männer jüdischer Abkunft, Lassalle und Marx, bahnbrechend waren, so haben jüdische Frauen wie Lina Morgenstern, Henriette Goldschmidt, Jeanette Schwerin, an der Wiege der deutschen Frauenbewegung gestanden. Diel meisten dieser Frauen aber, und viele andere, die ihrem Beispiel lolgten, haben in ihrem humanen und sozialen Streben eines vergessen H ihr Judentum. Der ganzen leidenden Menschheit, den Enterbten allen jjaln ihre Liebe, ihre Arbeit. Hatte doch in ihre Jugend hineingetönt das jubelnde Lied von -der Brüderlichkeit aller Menschen. . ■ Nachempfinden können wir es, wie die jüdischen Frauen, die leichter vielleicht als andere sich für alles Gu<e und Neue schnell begeistern und unendlich viel Anpassungsfähigkeit besitzen, von dem neuen Humanitätsgedanken wie im Taumel fortgerissen werden. Alsdann aber der giftige Mehl tan auf die Blütenträume des Jahrhunderts fiel, als der Rückschlag in — 46 — den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts kam, als unmerklich nach und nach eine Schranke nach der anderen wiederaufgerichtet wurde, da konnten sie den Weg nicht mehr zurückfinden zu ihrem Stamme und ihrer Religion. Sie wehrten sich dagegen, daß es eine jüdische* Arbeit gebe, die von Juden für Juden getan werden müsse. I . An dieser Stelle darf ich es mit besonderer Genugtuung aussprechen, daß die Bnei-ßrisä-Logenes waren, die zuerst wieder in den deutschen Juden das jüdische Zusammengehörigkeits- und Verantwortungsgefühl weckten, und die dadurch zu einem unendlichen Segen für unser Judentum geworden sind. Dieser jüdische Ordensgedanke hat dann auch langsam bei den jüdischen Frauen Wurzel gefaßt; sie wollten wieder bewußte Jüdinnen sein und ihre Kinder zu bewußten Juden erziehen. Sie entdeckten wieder ihr Herz für die Glaubensgenossen und erkannten es als ihre Pflicht, für die Notleidenden und Hilfsbedürftigen der jüdischen Glaubensgemeinschaft zu sorgen. Wohl kennt das jüdische Herz keine Schranken. Darum gab es vor dem Kriege und gibt es i m Kriege keine allgemeine vaterländische Sammlung, keine Wohltätigkeitsveranstaltung, bei der nicht Namen unserer Glaubensgenossen mit an der Spitze ständen, keine vaterländische Liebesarbeit, der wir uns entziehen. Es ist zu Anfang des Krieges gesagt worden, wir Juden müssen in dieser Zeit mehr als unsere Pflicht tun. Das war kein gutes Wort, denn keiner kann mehr tun, als seine Pflicht. Nur muß das stolze Wort „Pflicht" das Höchste und Letzte bedeuten, das wir, jeder nach seiner Fähigkeit, leisten können Aber wir tun unsere Pficht nicht nur, weil es Pflicht ist, sondern weil Gesinnung und Neigung, weil heißeste Vaterlandsliebe uns treibt: Unsere Söhne, Gatten und Brüder da draußen im Schützengraben mit ihrer unwiderstehlichen Tapferkeit vor dem Feinde., und wir hinter der Front mit unserem menschlichen Drang, allen im Materlande, wes Glaubens sie auch seien, zu helfen, wenn sie der Hilfe bedürren. Allein es gibt nun einmal für uns als Juden besondere konfessionelle Pflichten außer der allgemeinen Pflicht und über dieselbe hinaus, sowie jeder besondere Pflichten gegen seine Familie hat, ungeachtet der Pflicht gegenüber der Gesamtheit. Das konfessionelle Band ist ein ethisch berechtigtes wie das Band der Vaterlandsliebe, wie das Band der alles umschließenden reinen Menschlichkeit. Die allgemeine staatliche und städtische Wohlfahrtspfege erkennt 6s selber gern und