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Bericht der Großloge für Deutschland · 1916-03-01 · Nr. 3 - März/April · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1916
Issue
Nr. 3 - März/April
Date
1916-03-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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ieses sich selbst verzehrende Leben, dieses niederdrückende Erfülltsein von Sorge und Sangen, dieses Dasein ohne Licht und Sonne einfach nicht ertragen. Sie mußten sich einen Pflichtenkreis .schaffen, der die □edanken ablenkte von den engen eigenen Sorgen. So machten sie die Sorgen der Mitmenschen zu den :igenen und versuchten sie zu lindern. Die soziale Arbeit ist in dieser Kriegszeit zum Segen geworden, nicht nur fQr die armen Hilfsbedürftigen, sondern ron Frauen, denen s fast ebenso sehr für Tausende e das Leben erträglich gemacht ind mit neuem, reichem Inhalt erfüllt hat. Das ist a die wunderbare Kraft jeder Arbeit; daß sie nicht lur äußere Kulturgüter schafft, sondern den Schaffenden selber innerlich erhöht, daß sie nicht nur nach außen, sondern auch nach innen befreiend und beglückend wirkt. » Und so haben sich die deutschen Frauen in ein Hnziges Heer .von Helferinnen im Nationalen' :rauen dienst verbunden. Nicht mehr von „Frauenbewegung" ist in diesen Tagen die Rede. Die deutschen :rauen haben in dieser Zeit an sich selbst vergessen, lur dienen wollen sie, nicht fordern. - Und wir deutschen Frauen jüdischen Glaubens? Ohne Ueberhebung dürfen Wir es aussprechen: auch vir deutschen Jüdinnen haben den Mahnruf dieser leiligen Zeit vernommen. Still und selbstlos haben vir uns eingereiht in die Scharen der Helferinnen. Audi uns ist das, stolz-demütige Wort „Ich dien" :um Wahlspruch geworden. Auch wir haben nur ien einen heißen Wunsch zu dienen und zu helfen. Wir deutschen Jüdinnen! Indem dieses Wort ich vor uns hinstellt, erhebt (ürlich die Frage: Ist es in He Jüdin, die den Ruf der Zeit vernommen hat? Doch wohl nur die Deutsche? Weshalb dann die , üdin, die deutsche'Jüdin besonders betonen? In lieser gewaltigen Zeit gesteigerten vaterländischen jemeingefühls, da wir alle empfinden, daß es für ms Deutsche nur ein gemeinsames Erleben, eine geneinsame Geschichte, ein g;meinsames Wollen und Wirken gibt und geben darf, dürfen wir da selbst wieder eine trennende Schranke aufrichten und unk ■u einer besonderen konfessionellen Wohlfahrtspflege zusammenschließen? Dieses Bedenken, diese Scheu vor konfessionellüdischer sozialer Liebestätigkeit ist es ja, die so viele geistig und sozial hochstehende jüdische Frauen von eglicher j ü d i s c h e r Wof Ifahrtspflege ferngehalten tat und noch heute leider fernhält sich in uns fast unwilluns die Deutsche oder V 'l :*},;[• Uni diese seelische Disposition z ti versteh en, müssen wir das Werden der modernen deutscher Jüdin zu begreifen trachten. Als im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts die engen Ghettomauern fielen, als jes Hcht und weit ward auch in Israels Wohnungen,; ah der Freiheitssturm, der durch das Land brauste, auch uns Juden die fast vergessene Freiheit brachte, da vollzog sich, fast ohne Uebetgang, eine vollkommene Umwandlung in der Erziehung der judischen Töchter in Deutschland, besonders in Berlin Durch Friedrich den Große 1, und teilweise schon vorher, war die französische Literatur' in Deutschland eingebürgert werden. De jüdische Jugenc verschlang mit Heißhunger die nete französische Hausuud Rousseau — 45 geistige Nahrur g,; die ihr durch lehrer i gebracht wurde. - Voltaire begeisterten die jungen Feuerköpfe. In Irorderstei Reihe standen die Töchter ,d er reichen, gebildeten Häuser der großen jüdischen Gemeinden, vor allem auch die Töchter Mendelssohns. Sie eigm - ten sich gründliche Bildung an, aus innerem Drang, und auch, um Jen Männern ihres Kreises nicht nach VT P» I T ' 1 Sat zustehen. Diese neue Generation!der Töchter ludas war es wohl, bei denen sich zuerst, vielleicht noch unbewußt, da; Sehnen nach persönlicher Kultur regte. Sie wollt en i hren Geist, ihr pers önliches Erleb« i . bereichern und lebten so sehr in Schöngeisterei, Aesthetik und Wissenschaft, daß sie ihre jüdische Eigenart darüber vergaßen Die verlockenden Sirenenklänge einer vollkommenen Emanzipation berauschten sie s6, w daß ihnen der letzte Schritt die Taufe — fast selbstverständlich erschien. ]So erleben wir Idas Unfaßbare, Schmerzliche, -daß Mendelssohns Töchter, Dorothea und Henriette, voh dem Glauben iiirer Väter — abfallen und mit ihnen viele von den.geistig hervor ragenden Frauen cler Berliner Salons. ' Eire Henriette Herz, die es verstand, jbien Salon zu einen Sammelpunkt der ausgewähltesten Gesell schaft m machen, eine Frau, der al e Herzen zuflogen, von der gesagt wurde, sie sei schön wie :in Engel und voll von Geist und Güte, hat noch ip späterem Leben:alter den Judentum den Rucken gekehrt R.hel Levin, die spätere Gattin Varnhagen von Ense's zog durch ihren sprudelnden Geist und schlagenden Witz, durch ihre ganze geniale Erscheinung die berühmtesten Diplomaten, Gelehrten und Künstler an sich heran. „Und nur durch ihren Geist, denn sie war klein, unscheinbar und eidend; gleich Henriette Herz nahm sie die Taufe, aber sie blieb im Herzen Jüdin; das Gebetbuch ihrer Mutter bewahrte sie auf wie) ein Hei

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